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Fahrradstadt schwer gemacht

kfhh_farbe_uniEs ist immer wieder ist es erstaunlich, wie schwer man sich in Hamburg tut, die Fahrradstadt als etwas Ernsthaftes oder gar Ganzheitliches zu begreifen, zu denken und vor allem zu bauen. Doch statt sich mit ihren Bedürfnissen ein wenig tiefgehender zu beschäftigen, muss wieder mal die Oberfläche herhalten, auf die – voila! – ein bisschen weiße Farbe kommt und plötzlich ist die Fahrradstadt über Nacht wieder um ein Stückchen gewachsen. Mit dieser Taktik tut sich vor allem Altona gerade besonders hervor.

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Neuer Radweg vor dem Bahnhof, das Geschacher um den Elbstrandradweg und über einen Unfall an einem Zebrastreifen, bei dem eine 17-jährige Schülerin schwer verletzt wurde, die nur auf ihrem Fahrrad fuhr,

findet ihr im hier im Original-Beitrag auf KURS FAHRRADSTADT.

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Kuscheln auf der neuen Osterstraße

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…und da lässt du dein Kind radeln??? Oder Oma?

Nun ist zu sehen, was bisher fast niemand sehen wollte: Vom neuen „Schutzstreifen“ auf der Osterstraße bleibt de facto nicht wirklich etwas über. Zumindest nicht, wenn Autos und Busse die neuen Mittelinseln passieren. Dann wird es eng, richtig eng. 7,5 Millionen Euro wurden aus der Radförderung genommen und du bekommst – das:

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Nur etwa 5 Minuten stand ich heute Mittag an der neuen Osterstraße auf Höhe des Zugangs zum Unna Parks vor den Mittelinseln und konnte den ganzen Radler-Horror sofort bestaunen. Alles war dabei. Etwa jedes zweite Auto fuhr über die Schutzstreifen-Markierung. Das dürfen sie, sollen es aber nicht, wenn Radfahrer vor ihnen sind. Dann wird überholt – und die enge Fahrbahn keinen Zentimeter breiter.

Gestern gab es einen schweren Unfall mit einem 9 jährigen Jungen in Hamburg Horn. Genaue Umstände sind noch nicht bekannt, aber immerhin soviel: „Plötzlich tauchte der Junge mit seinem Fahrrad auf der Fahrbahn auf“.
Vor etwa zwei Wochen ereignete sich im Hofweg auf der Uhlenhorst ein heftiger Unfall, bei der eine Radfahrerin schwer verletzt wurde. Die Ursache war offenbar ein Fahrzeug, welches wegen Gegenverkehr ausgewichen ist und dabei in die Radfahrerin krachte. „Vision Zero“ (Trafikverket, Schweden) sieht anders aus.

Im Hofweg gibt es keine Schutzstreifen, von der Horner Speckenreye weiß ich es nicht. Was aber bleibt ist etwas anderes: Das, was man hier oben auf den Bildern sieht, kann es jedenfalls nicht sein.

Radeln auf der Fahrbahn schützt vor nichts – höchstens vor Platzwegnahme zuungunsten des KFZ-Verkehrs. Wann begreift Hamburg, dass die Streifenmalerei nicht den Radverkehr fördert, sondern ein Spiel mit der Unversehrtheit und dem Leben der eigenen Bürger ist?

siehe auch:
„Einladen(d)“
„Schutzstreifen“ auf „Hamburg steigt auf“

Kleine Schritte in richtige Richtung

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Der Unfall an der Bundesstraße („Tod vor Osterstraße“) schlägt mittlerweile immer höhere Wellen im Viertel. Bereits am kommenden Sonnabend, 14. Februar, ruft die Elternrats-Initiative „Tempo 30 Bundesstraße“ (facebook) erneut zu einer Demonstration an der Unfallstelle auf.

Die LINKE Eimsbüttel hatte den Antrag zur Geschwindigkeitsbegrenzung in der Bundesstraße eingereicht („Für Tempo 30 in der Bundesstraße“ Eimsbütteler Nachrichten vom 31.1.2015), der mittlerweile interfraktionell von allen Parteien in Eimsbüttel übernommen wurde und an den Kerngebietsausschuss weitergereicht wurde. Hier beschlossen alle Abgeordneten am 9. Februar einstimmig, die gesamte Bundesstraße zur Tempo 30 Zone zu erklären. Das ist auf jeden Fall schon mal ein riesen Erfolg! Bleibt abzuwarten, was nun die Verkehrsbehörde dazu sagt, die leider wieder das letzte Wörtchen hat, nicht den Bezirken unterstellt ist und auch nicht gerade dafür bekannt ist, genauso innovativ und menschenfreundlich zu denken wie es viele engagierte Bürgerinnen und Bürger tun. Immerhin hat die Polizei eine teils offenbar nicht funktionierende Geschwindigkeitsmessanlage neben die Ampel gestellt, die wahrscheinlich erstes Handeln signalisieren sollte. Inzwischen scheint auch diese heute bereits wieder abgebaut worden zu sein. Besser wäre sicherlich, einfach mal zwei Beamte neben die Ampel am Kaifu zu stellen mit der Aufgabe, die Rotlichtfahrer ganz schnöde raus zu winken und zur Kasse bitten.
Diese Woche hat auch das Elbe Wochenblatt („Protest in Eimsbüttel: Schützt unsere Kinder!“) wieder ausführlich berichtet.

Es ist gut, richtig und wichtig, dass am anderen Ende der Osterstraße soviel Bewegung in die Sache kommt! Schöner noch wäre aber, wenn auch bei den Akteuren rund um die Elternrats-Initiative an der Bundesstraße der Blick durch die tragische Sache auch über den eigenen Unfallort hinaus auf eine etwas höhere Ebene erweitert werden könnte. Wenn sich auch hier entwickeln würde, was „Osterstraße autofrei!“ am entgegengesetzten Ende schon länger fordert: Den Raum wieder denen zu geben, die hier am meisten unterwegs sind – den Menschen im Quartier, nicht den Autos. Tempo 30 kann da nicht alles sein – aber immerhin ein guter Anfang.

„Osterstraße autofrei!“ wird sich in den nächsten Tagen mit brandneuen Ideen wieder aktiv in die Debatte in Eimsbüttel einschalten. Denn „Osterstraße autofrei!“ ist lebendiger denn je, und wie!

Tod vor Osterstraße

Am Montag dieser Woche (19. Januar ) kam es nur wenige Meter vor dem Beginn der Osterstraße zu einem fatalen Unfall (Mopo, 19. Januar 2015, „Lebensgefährliche Verletzungen! Joggerin (45) angefahren“) Eine Joggerin wartete morgens gegen 8 vor der Fußgängerampel am Kaiser-Friedrich-Ufer, drehte Warmhalterunden, um dann bei Grün die Fahrbahn zu passieren. Ein Mercedes konnte nicht mehr bremsen – ganz offenbar fuhr er noch bei Rot-total über die Ampel. Nur die Brücke über die Isebek trennt die Unfallstelle von der Osterstraße, die hier Bundesstraße heisst.
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Drei Tage später, am Donnerstag, erlag die 45 Jährige im UKE ihren Verletzungen. (Eimsbütteler Nachrichten, 23. Januar 2015, „Joggerin erliegt Verletzungen“)
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Der Unfall macht – wieder mal – völlig sprachlos. Den Angehörigen sei an dieser Stelle aufrichtiges Beileid bekundet. Solche Unfälle, so sinnlose, machen wütend und schockieren einfach.
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Auf leider tragische Weise wird wieder einmal ein Grund sehr deutlich, weshalb „Osterstraße autofrei!“ unter anderem die Verbannung des Individualverkehrs aus dieser Straße fordert:
Diese Straße ist in weiten Abschnitten hochfrenquentiert von Fußgängern jeden Alters und Radfahrern. Eben genau darum haben Autos im Herzen eines so belebten Viertels wie Eimsbüttel nichts verloren und gehören an den Rand zurückgedrängt.
Denn – man weiß um diese Fakten, sie sind bekannt und jeder, der diese Straße kennt, kann es bestätigen.
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Wenn beim Umbau der Osterstraße wider besserer Kenntnisse – die ja mehrmals vor breiter Öffentlichkeit selbst von den Behörden präsentiert wurden und worüber hier ausführlich berichtet wurde (siehe „GRIFFELPFLASTERWUNDER- MITTELSTREIFEN ODER: WIE DIE NEUE OSTERSTRASSE WERDEN SOLL“ und „BUMMLER STECHEN RADLER AUS“) – eben diese bewusst und oder geflissentlich ignoriert werden zugunsten freier Fahrt für Autos ist dies im Grunde eine Sache, die man fast schon als fahrlässiges Handeln bezeichnen könnte. Sollten sich nach dem Umbau derartige Unfälle wiederholen, gibt es klar Verantwortliche dafür – zumindest moralisch.
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Es braucht auch niemand zu kommen und zu sagen, dieser Unfall hätte überall passieren können. Ja, das hätte er. Niemand braucht anzumerken, die Läuferin hätte ja noch einmal gucken können. Es braucht auch Niemand wegen Parkplätzen zu kommen und Niemand von wegen dass er eben nicht mehr direkt vor der Tür mit dem Auto erreichbar wäre. Auch braucht Niemand etwas von drohendem Verkehrschaos in diesem Quartier zu erzählen. Keine‘ Abers‘! All das ist nämlich nicht der Punkt.
Der Punkt ist, dass es langsam an der Zeit wäre, einiges zu ändern. Realitäten endlich mal ins Auge zu sehen. Es endlich auch anzupacken. Irgendwo geht’s immer los, am Ende steht hoffentlich ein durchdachtes Verkehrsleitkonzept für den ganzen Stadtteil. Vor allem geht es aber darum, notwendige Veränderungen nicht als Gefahr, sondern als Chance für Neues zu sehen.
So ein Zeitpunkt wäre jetzt.
Ganz genau jetzt.
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„Der größte Teil städtischer Wegstrecken bleibt unter 5 km. Optimal für Fahrrad- und Fußverkehr. Nimmt man noch den Transitverkehr von der Bundes- und Osterstraße eröffnet sich Raum für Fahrrad und Fußgänger. Müssen nur noch die bestehenden gewerblichen und sozialen Verhältnisse gesichert werden gegen eine ungezügelte Gentrifizierung, könnten Oster- und Bundesstraße als mustergültige Beispiele für zukunftsgerechten Stadtverkehr “in die Geschichte eingehen”.
Petitons-Kommentar  von Prof. Dr. Jochen Hanisch, einem Unterstützer der Petition „Osterstraße autofrei!“,
im Juli 2014
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(siehe auch „Darum autofrei!“)
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