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Fahrradstadt Millionen im Trüben?

schutzstreifen-osterstrasse
Klare Sache: Für Radfahrer nur das Beste!

Am 14. Januar  dieses Jahres erschien auf diesen Seiten der Beitrag „Radler pimpen KFZ-Verkehr“. Es ging darum, dass der Umbau der Osterstraße, der mit etwa 7,5 Millionen Euro zu Buche schlägt, aus den Kassen zur „Förderung des Radverkehrs“ bezahlt worden sei. Dass das ein starkes Stück ist, gerade, wo vor allem Radfahrer oftmals aufgrund zugeparkter Radstreifen das Nachsehen haben, habe ich schon mehrmals deutlich gemacht. Wir haben auch versucht zu  errechnen, welchen Anteil die Kosten für tatsächliche radverkehrsfördernde Maßnahmen darstellen müssten – und kamen auf etwa 1%.

Wir wollten es genauer wissen und konnten Heike Sudmann, Bürgerschaftsabgeordnete und Stadtentwicklungs- sowie Verkehrspolitische Sprecherin von DIE LINKE gewinnen, um Licht ins Dunkle zu bringen. Zusammen haben wir erst eine Weile diskutiert und so konnte sie durch intensiven Austausch mit uns eine kleine Anfrage erarbeiten, die sie am 1. September eingereicht hatte. Am 9. September kamen die ersten Antworten:

Auszug aus Teil A – Kosten und Finanzierung:

3. Aus welchen Aufgabenbereichen und aus welchen jeweiligen Produktgruppen der BWVI wurden Gelder für den Umbau der Osterstraße auf den Bezirk übertragen?
Die Mittel wurden aus dem Aufgabenbereich 269 – Verkehr und Straßenwesen übertragen.
a. Wie hoch war der Anteil der Gelder, die explizit für den Radverkehr vorgesehen waren? Bitte detailliert den jeweiligen Betrag sowie den ursprünglichen Verwendungszweck aufführen.
b. Für welchen Zweck waren die restlichen Gelder vorgesehen? Bitte detailliert den jeweiligen Betrag sowie den ursprünglichen Verwendungszweck aufführen.
Die bereitgestellten Mittel wurden nicht anteilig für verschiedene Verwendungszwecke übertragen, so dass ein Radverkehrsanteil nicht getrennt darstellbar ist.

(Was es mit Aufgabenbereich 269 auf sich hat, wird ebenso im Blog-Beitrag vom 16. Januar erläutert).

In Drucksache 21/7000 Band3 – „Stellungnahme des Verkehrsausschusses
an den federführenden Haushaltsausschuss“ erklären Vertreter des Senats auf nochmaliges Nachfragen von Heike Sudmann folgendes:

Die Baumaßnahmen an der Osterstraße, versicherten die Vertreterinnen und Vertreter des Senats, seien nicht aus dem Titel „Förderung des Radverkehrs“ bezahlt worden.

Soweit scheint nun alles klar zu sein. Kein Geld der Fahrradförderung, also alles gut?
Weitere Fragen nach den Kosten sind im zweiten Teil der schriftlichen kleinen Anfrage am 14. November gestellt worden. Die Antworten kamen am 22. November. (Drucksache 21/6689)

5. Eine Unterteilung der aufgewandten Haushaltsmittel nach den Verkehrsarten
beziehungsweise unterschiedlichen Verwendungszwecken ist laut Senatsantwort auf die Drs. 21/5789 nicht möglich. Deshalb stellt sich die Fragen nach den veranschlagten Kosten:

a. Wie hoch sind die Kosten für die Straßenbaumaßnahmen in der Osterstraße pro laufenden Meter veranschlagt (falls es eine andere Bezugsgröße gibt, bitte diese angeben)?
Eine Veranschlagung von Kosten pro laufendem Meter wird nicht vorgenommen.
b. Wie hoch sind die Kosten für die Anlage des Schutzstreifens für Rad Fahrende pro laufenden Meter veranschlagt (falls es eine andere Bezugsgröße gibt, bitte diese angeben)?
Ein Schutzstreifen ist Bestandteil der Fahrbahn; der Kostenanteil wird nicht getrennt ausgewiesen.
c. Wie hoch sind die Kosten für die Fahrradbügel (Anschaffungskosten und Aufstellungskosten pro Bügel sowie die Gesamtkosten)?
Bestehend aus den Anschaffungskosten in Höhe von 199 Euro/Stunde (netto) zuzüglich der Einbaukosten von 76 Euro/Stunde (netto) ergibt sich ein Gesamtpreis von 275 Euro/Stunde (netto). Es werden 397 Bügel eingebaut, die Gesamtkosten betragen 109.175 Euro (netto).

Mehr Intransparenz geht eigentlich kaum noch. Das einzige, was wir konkret als Kosten ausmachen können, sind die Fahrradbügel, die etwas über 100.000 Euro kosten. 100.000 von 7,5 Millionen Euro. Die Osterstraße betreffend, mag diese dürftige Antwort nun okay sein. Wir haben es zur Kenntnis genommen.

Dabei drängt sich aber eine ganz andere Frage auf: Hamburg wird Fahrradstadt und beginnt, sich ans Werk zu machen. Allein bis 2018 können 33 Millionen Euro („‚Fahrradstadt Hamburg‘, Millionen für Velorouten“, Heise Online, 23.06.2016) für bauliche Maßnahmen in Anspruch genommen werden. Nur, wie soll man eigentlich kontrollieren können, ob dies auch passiert, wenn es offenbar beinahe unmöglich ist, zu benennen, was Fahrradstadt tatsächlich kostet? Die Osterstraße veranschaulicht nur zu gut, wie im Hintergrund einiges im Trüben bleibt. Das sollte sich dringendst ändern!

In den kleinen Anfragen von Heike Sudmann ging es zudem auch um die Sicherheit der RadfahrerInnen, die Breite der Schutzstreifen sowie die Frage, warum Tempo30 nicht eingeführt wurde.

Auszug aus Teil B, „Ausgestaltung des Radverkehrs“ heisst es unter anderem:

b. Wird es durchgängig auf beiden Straßenseiten Radfahrstreifen oder Schutzstreifen geben? Falls nein: wo nicht und mit welcher Begründung?
Nein, im Bereich Schwenkestraße bis Methfesselstraße wird der 1,5 m breite Schutzstreifen abwechselnd nur auf einer Seite geführt. Auf der jeweiligen Straßenseite ohne Schutzstreifen wird durch Piktogramme auf die Führung der Radfahrerinnen und Radfahrer auf der Fahrbahn im Mischverkehr hingewiesen. Bei einer Kernfahrbahnbreite von 4,5 m werden keine beidseitigen Schutzstreifen angeordnet.

8. Welche Breite sollen die Streifen für den Radverkehr in der Osterstraße haben?
Siehe Antwort zu 7. und 7.a).

In 7.a steht dies zu lesen:

a. Mit welcher Begründung sollen welche Streifen in der Osterstraße errichtet werden?
Für die Osterstraße wurde ein 1,5 m breiter, dem Regelmaß entsprechender Schutzstreifen geplant. Insbesondere aufgrund des zwingend zu haltenden Baumbestands sowie weiterer straßenplanerischer Elemente (wie z.B. Mittelinseln und überbreite Längsparkplätze als Lieferzone) stellt die Ausführung eines
1,5 m breiten Schutzstreifens die am besten geeignete Lösung dar.

Ab der Schwenckestraße scheint die angeblich am besten geeignete Lösung also einfach nicht mehr zu gelten.

Alle Antworten dazu finden sich in diesen beiden Drucksachen.
Sie zu lesen ist ein weiteres Lehrstück für Reden, ohne was zu sagen.

Kleine schriftliche Anfrage, Heike Sudmann, „Umbau der Osterstraße – Auswirkungen auf den Radverkehr, Teil1“ – Drucksache 21/5789

Kleine schriftliche Anfrage, Heike Sudmann, „Umbau der Osterstraße – Auswirkungen auf den Radverkehr, Teil2“ – Drucksache 21/6689

An dieser Stelle noch einmal ein herzliches Dankeschön an Heike Sudmann.

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Rund 900 Hamburgerinnen und Hamburger sagen inzwischen, dass Fahrradstadt auch besser gehen muss. Wir auch.
Mehr Infos auf der Kampagnen-Seite von KURS FAHRRADSTADT

 

 

kfhhlogo-change-org

 

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Hat Hamburg eine eigene StVO?

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Meistens berichte ich von Dingen, die eher unschön sind oder – die es eben noch sind, zumindest oftmals in der Freien und Autostadt Hamburg. Leider. Und dennoch gibt es natürlich auch viele schöne Dinge, die man sich gern auch mal ein wenig genauer ansehen sollte. Im Frühjahr war ich in Berlin unterwegs. Es ist erstaunlich, aber wenn man sich ein wenig mit dem Thema beschäftigt, nimmt man Stadt um einen herum gleich ganz anders wahr. Über vieles, gerade auch solches, was es in den meisten Fällen sicherlich auch schon eine ganze Zeit lang vorher gab, stolpert man buchstäblich. Vorher nie wahrgenommen, nun springt es einem direkt ins Auge. In diesem und dem nächsten Blogbeitrag gibt’s zur Abwechslung mal nur Schönes. Fast jedenfalls. Versprochen.

Mit der Kamera unterwegs war ich aus Zeitmangel nur im Prenzlauer Berg und auch hier nur im Kiez zwischen Prenzlauer Allee, Danziger- und Greifswalder Straße. Nur ein klitzekleiner Ausschnitt aus der Hauptstadt – trotzdem gibt es vieles zu entdecken.

Auffällig ist vor allem, wie versucht wird, Fußgängern das überqueren von Kreuzungen innerhalb von Tempo30 Zonen zu erleichtern. Da wird großflächig Asphalt weiß schraffiert, Fußgängerfurten werden mit großen Piktogrammen auf der Fahrbahn gekennzeichnet und fast an jeder Kreuzung wird der Kreuzungsbereich mit rotweissen Sperrbalken verengt, oftmals an allen vier Seiten. Wahrscheinlich wussten sich die Berliner irgendwann auch nicht mehr anders vor all dem parkenden Blech zu schützen, um auf „solche drastische Weise“ die Kreuzungen von diesem frei zu halten. Bewohner der Hamburger Altbauviertel können da nur neidisch werden. Dieses Vorgehen ließe sich ganz sicher übertragen auch auf Eppendorf, Winterhude, Barmbek, Eimsbüttel, Altona,…. Spontan fällt mir leider keine solche Ecke hier in der Gegend ein. Haubachstraße Ecke Harkortstieg gilt nicht, da es hier offensichtlich eher um Verkehrsführung als um Vermeidung von Wildparkern geht… Darf Hamburg das nicht? Auch nicht mit kürzeren, den engeren Verhältnissen angepassten rotweissen Sperrbalken? Müsste nicht gerade hier, wo ohnehin vieles deutlich enger ist als in Berlin und jeder freie Quadratmeter gnadenlos zugeparkt wird, schon längst genauso gehandelt werden?

In Hamburg gibt es ein paar wenige Zonen in denen Anwohnerparken gilt. In Berlin gilt das für weite Teile der Innenstadt. Auf einer Fläche von  knapp 3000 Hektar werden über 100.000 Parkplätze von der Stadt bewirtschaftet.
Bewohner müssen eine Jahresgebühr entrichten und dürfen weiter im Innenstadtbereich unterwegs sein – wenn sie eine grüne Plakette haben. Denn innerhalb des S-Bahn-Ringes ist seit 2008 zudem Umweltzone. Noch so eine Sache, die kein Hamburger Politiker richtig aussprechen kann. Alle anderen müssen draußen bleiben oder werden zur Kasse gebeten – und zwar nicht zu knapp, zwischen ein und drei Euro pro Stunde werden fällig. Man stelle sich das mal vor: Bismarckstraße, eine reine Wohnstraße, Hoheluft. Einen Tag als Nichtbewohner da seine Kiste stehen zu lassen schlägt dann mal eben mit etwa 20 Euro zu Buche.
Wieso geht das hier nicht? Sind wir nicht immer so stolz darauf, eine der reichsten Städte der Welt zu sein? Dann sollten wir das bisschen Kleingeld wohl über haben….

Das Interessanteste waren aber durchgehende Bürgersteige und Radwege. Oftmals überall dort, wo Tempo30 Zonen enden und die Nebenstraßen an die Hauptverkehrsstraßen stoßen. Fußgänger und Radfahrer können so recht sicher und bequem all die Querstraßen passieren und Autofahrer werden dadurch zusätzlich „genötigt“, sich hier besonders umsichtig zu verhalten. Außer vielleicht die eine oder andere (ohnehin gepflasterte) „Spielstraße“ aus den 80ern oder 90ern fällt mir absolut keine solche Lösung in Hamburg ein. Gibt’s das überhaupt irgendwo? Wenn ja, wo? Und wenn nein – warum nicht? Weil Hamburgs Autos tiefer liegen? Dabei geht der Trend mit den SUVs doch glatt in die andere Richtung.
Baut endlich diese „Hügel“ auch hier. Damit die ganzen Offroad-Piloten wenigstens  in der Stadt mal ein Feeling für wirklich raue Urbanität bekommen, die Anschaffung also nicht komplett umsonst war. Fahrspaß pur.

Tja, und dann gibt’s natürlich auch die Radwege. Ähnlich wie hier, Schutz- und Fahrradstreifen, meistens aber breiter und oftmals auch geschützt, also nicht mit den Autos auf der Fahrbahn.  Allerdings, wo wir Hamburger uns neuerdings und meistens auch alterdings recht sutje nur in leichte Kurven legen müssen (naja…), um Laternenpfosten und ähnlichem auszuweichen,  müssen die Hauptstädter des öfteren teils artistische Meisterleistungen absolvieren, um dem verrückten Zickzack der Radwege folgen zu können. Dafür habe ich Kreuzungen gesehen, auf denen Radwege farblich hervorgehoben sind. Berlin ist nicht nur gefühlt viel weiter als wir hier an der Elbe. Und es genügt ihnen nicht.
Diese Stadt rockt die Radpolitik mit ihrem Radentscheid und treibt die Berliner Politiker munter vor sich her. Weil viele eben längst begriffen haben, was nicht nur unseren Pfeffersäcken viel schwerer fällt: Es muss sich etwas ändern – und zwar schnell.

Zum Schluss noch eine andere Kleinigkeit:
Die neue Osterstraße wurde nominiert für den Deutschen Verkehrsplanungspreis 2016. Das ist schön und es freut mich auch für die Experten von ARGUS, die es geschafft haben, unter die drei Nominierten zu kommen. Herzlichen Glückwunsch!
Neben der Osterstraße stehen noch ein Projekt in Kassel (Hessen) und die Ortsdurchfahrt Rudersberg in Baden Württemberg zur Wahl. Vor allem die neue Straße in Rudersberg finde ich wirklich mutig. Und toll umgesetzt. Etwa so hätte es auch auf der neuen Osterstraße sein können, wenn wir uns mehr getraut hätten. Darum drücke ich den Rudersbergern die Daumen, diesen Preis auch zu gewinnen. Wenn man sich hier die vorher/nachher Bilder anschaut und aufmerksam hinsieht, kann man noch etwas interessantes finden: Zebras!

Nagelneue Zebrastreifen auf geschwindigkeitsreduzierten Straßen (Tempo30), die zudem nicht einmal asphaltiert sind!!!
Wo sie in Hamburg mehr und mehr abgeschafft werden sollen und nicht nur Schüler und Eltern oftmals richtig kämpfen müssen, um den einen oder anderen zu erhalten, scheint Rudersberg gar kein Problem damit zu haben.

Am Ende bleibt eigentlich nur eine Frage:
Hat Hamburg eine andere StVO als alle anderen???

Von Wahlen und Weihnachten

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Wo sich hier die Massen tummeln ist klar: Auf der Fahrbahn!

Weihnachten steht vor der Tür, bald ist das Jahr gelaufen und um „Osterstraße autofrei!“ ist es in letzter Zeit recht ruhig geworden. Ersteres stimmt auf jeden Fall, Letzteres nur bedingt. Hinter den Kulissen wird weiter fleißig gewerkelt. Solange es Dinge gibt, die besser sind als das, wie es ist oder werden soll, werde ich weiter machen, das auch zumindest zur Sprache zu bringen. Veränderung zu wünschen bzw. vielleicht ja auch ein wenig zu bewirken, braucht Zeit und Ausdauer. Vor allem braucht es aber, weiter präsent zu sein. Das will ich tun – auch im nächsten Jahr.
Denn gute Gründe gibt es schließlich mehr als genug.

Da wäre zum Beispiel der Tag, an dem der gemeine Hamburger nach vier Jahren mal wieder ein kleines Wörtchen mitzureden hat. Der Tag, an dem der Scholzomat zumindest für einige Stunden mal genauer Hinhöhren und -sehen muss. In nicht einmal zwei Monaten ist es schon soweit und während sich unsereins durch fette Gänsebraten mampft, kann sich König Olaf entspannt zurücklehnen und sich über den bisher kaum wahrnehmbaren und müden Wahlkampf eigentlich nur freuen. Läuft alles glatt für ihn und die Seinen und kann er alleine weiter regieren, dürfen wir uns als Dankeschön sogar auf noch längere Zeiten gefasst machen, in denen wahrscheinlich in Sachen neuer Denke für Verkehr, Lebensqualität und Umweltbelange alles nur ähnlich schleppend und halbherzig voran geht wie bisher. Denn das nächste Mal wird dann erstmals nach fünf Jahren, 2020 wieder gewählt.
Also liebe Hamburger, wacht auf!!!

Wo bleiben eigentlich all die Radfahrer, die mehr Platz auf den Straßen für sich reklamieren? Critical Mass radeln mal eben 5000 mit, dumm nur, dass es keine Demo ist, wie ja selbst gesagt wird. „Wir blockieren nicht den Verkehr – wir sind der Verkehr!“. Spaß zu haben, ist das eine, klare, eindeutige Forderungen zu stellen aber etwas ganz anderes. Während die Kita-Erzieher und die Hamburger Elternschaft mit gerade mal 4000 Menschen bisher einmalig auf die Straße gingen und demonstrierten („25% mehr!“) und Sozialsenator Scheele sich tatsächlich zum Handeln genötigt fühlte (auch wenn es bisher nur Witzschrittchen sind), hört man von der immer größer werdenden Radlerfront eigentlich nix. Wäre ich Olaf, würde ich ‚An der Alster‘ auch alles schön 6-spurig lassen und mich nicht mit quengelnden Autofahrern herumstressen. Das macht er ja mit seiner Busbeschleunigung schon mehr als genug. Als nettes Beiwerk kommen hier und da ein paar Schutzstreifen an die Kreuzungen. Im adfc-Interview legt der Bürgermeister seine Sicht der Dinge dar. „Nicht immer nur reden, einfach machen!“ ist seine Devise und damit’s auch wirklich alle verstehen, verspricht er das. (adfc HH, 24.11.2014, „Machen!“) Gegen diese „versteckte Drohung“ scheint selbst der Chefsprecher vom Hamburger adfc nicht anzukommen. Das kann ja heiter werden.

Wenn man eine Kreuzung erneuert, sie „durchdesignt“, wird sie hinterher in aller Regel vor allem eines: Leistungsfähiger – in erster Linie für den motorisierten Verkehr. Einem Radler hat das, obwohl er offenbar den Regeln nach korrekt gefahren war, nichts genützt. (Mopo, 15.12.2014, „Vom LKW überrollt – Radfahrer stirbt“) Auf Hamburger Asphalt endete so schon das Leben des 11. Radfahrers allein in diesem Jahr. Trauriger Rekord.
Aber Protest?!? I wo…

Dabei gäbe es schon Möglichkeiten. Sensoren oder Videokameras, vorne am LKW montiert, die auf Menschen im Toten Winkel anschlagen, endlich per Gesetz als Nachrüstung vorzuschreiben. Zu teuer? Dann wenigstens die Aufstellfläche für Radfahrer mit reichlich Platz vor der Haltelinie der PKWs und LKWs – schön über die komplette Spur gezogen, zumindest auf der rechten. Das würde den Verkehr zwar verlangsamen, vor allem aber sicherer machen als an den Rand und in tote Winkel gequetschte Radfahrer.
Nur – ist da Jemand, der sich vorstellen könnte, das auch mal herbeizudemonstrieren? An der vergleichsweise kleinen Osterstraße könnte man das so machen. Wenigstens hier. Gerade jetzt. Endlich mal lernen.

Die GRÜNEN scheinen das diesmal zu tun. Blöd nur, dass man sich da Leute als Zugpferd nimmt, mit denen sie sonst wohl eher fast nichts am Hut haben. Weil der Bus flotter fahren soll und dafür leider, leider ein paar Parkplätze flöten gehen, zückten die Macher von „Unser Uhlenhorst“ und „Unser Mühlenkamp“ zur Sicherheit gleich die ganz große Keule: „Stoppt das Busbeschleunigungsprogramm“, deren gemeinsame Volksinitiative, schien keine Mühe zu haben, ratzfatz mehr als 20.000 Unterschriften zusammenzubekommen. (MOPO, 13.12.2014 „Stoppen Bürger Hamburgs Busbeschleunigungsprogramm?“ [€]) Das kann der Senat nicht einfach ignorieren, das muss er wenigstens offiziell zur Kenntnis nehmen und Stellung beziehen. Scholz entscheidet sich erstmal konsequenterweise für’s einfach Weitermachen, obwohl inzwischen offenbar klar ist, dass das Programm in den nächsten Jahren deutlich abgespeckt bzw. ganz eingestellt wird, weil schlicht keine Haushaltsmittel mehr zur Verfügung stehen oder besser – eine Weiterführung über das Jahr 2016 hinaus nicht mehr gewollt ist. Die GRÜNEN, die endlich mal wieder eine Möglichkeit sehen, ihre Straßenbahn aus der Schublade zu ziehen, springen dankbar auf die 20.000 auf und bekommen sich auch noch selbst in die Flocken (Hamburger Abendblatt, 13.11.2014 „Stopp  der Busbeschleunigung entzweit die Grünen“). Schlauer wäre sicher anderes: Aus eigener Kraft Stimmung zu machen. FÜR eine Straßenbahn, z.B.. Oder: Gegen die Busbeschleunigung – im Lichte von „Unsere Uhlenhorst“ aber sicher eher ein Spiel mit dem Feuer… Dann doch lieber faire Schoki naschen.
Mutig ist das alles nicht.

Schauen wir noch einmal auf die Osterstraße. In 3 Monaten hatte ich keine 20.000 zusammen, aber immerhin über 500. Allerdings – das muss ich schon zugeben – ist das Anliegen (leider noch) nicht so massenkompatibel wie Parkplätze zu schützen und freie Fahrt für freie (Auto)Bürger. Trotzdem ist eine Menge erreicht. „Osterstraße autofrei!“ ist zumindest in Eimsbüttel ganz gut rum gekommen, war im Gespräch, in den Medien und ist auf der letzten (dritten) Informationsveranstaltung des Bezirksamts in der dort gezeigten Präsentation sogar quasi namentlich genannt worden. Dahinter steht, als einziges in rot: „NEIN“.
Ansporn genug, sich nicht auf die faule Haut zu legen. (Präsentation vom 28.10.2014/Hamburg.de/Contentblob – Seite 23)

Im nächsten Jahr soll es ein neues, zweites Straßenfest auf der Osterstraße geben. Natürlich steht es unter ganz anderen Sternen als das bekannte Volksfest im Frühsommer. Daran arbeiten wir bereits. Wir, das sind neben mir auch etwa 5 Leute, die sich zusammengefunden haben, um dieses Projekt gemeinsam mit professioneller Hilfe Wirklichkeit werden zu lassen. Es wird einiges auf uns zu kommen und wir sprudeln über vor Ideen. Wir wünschen es uns und ich hoffe sehr, dass wir es auch tatsächlich schaffen werden und nicht auf halber Strecke die Segel streichen müssen. Später werden wir auch auf tatkräftige Hilfe von möglichst vielen angewiesen sein. Lasst uns zeigen, was alles auf dem linken Alsterufer steckt – und Eimsbüttel geht voran…

Erstmal aber: Runterkommen. Ab auf die Straße und den Weihnachtsmarkt. Davon gibt es ja jetzt sogar zwei im Viertel. Der neue an der Apostelkirche scheint sogar ganz gut angenommen zu werden. Ich höre von vielen, dass sie es so viel entspannter finden, hier hin zu gehen, weil er nicht ganz so brechend voll ist wie der an der Osterstraße. Weil auf jeden Einzelnen Besucher viel mehr Platz kommt. Auf dem Fanny-Mendelssohn-Platz muss dagegen weiter gekuschelt werden. Der Freiraum liegt leider nebenan, auf den Fahrbahnen. Noch….

Vielen Dank Euch allen für die Unterstützung der Petition und für Euer Interesse. Ich werde mein Bestes geben, Euch auch in Zukunft mit Interessantem rund um die Osterstraße, Stadtentwicklung, Hamburger Verkehrs- und Fahrradpolitik zu versorgen. Vor einigen Personen und Organisationen mach ich artig einen Knicks und bitte um Nachsehen, sollte ich mal ein wenig zu doll auf die Palme gegangen sein. Ich bemühe mich, fair zu sein, doch manchmal geht’s nicht anders und braucht es Klartext  😉

Allen zusammen wünsche ich – auch im Namen aller vom „Team Osterstraße autofrei!“ – fröhliche Weihnachten und ein besinnliches Fest!

Auf ein neues, spannendes Jahr mit der autofreien Osterstraße!
Kommt‘ gut rein!

Kai

Schutzlose Schutzstreifen

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Mein rechter, rechter Platz ist voll…

Neue Radfahrstreifen anzulegen kann so einfach sein. Tolles Beispiel ganz aktuell am Gänsemarkt. Wer denkt sich so etwas eigentlich aus? Und wer nickt das dann ab? Wer sagt hinterher etwas dazu? Vielleicht auch eine Option für den engeren oberen Teil der Osterstraße, falls diese nicht in eine autofreie Zone umgewandelt wird? Hamburg beeindruckt immer wieder mit einer Kreativität sondergleichen, wenn es um Radwege bzw. „wie-auch-immer-Hauptsache-Autos-bleiben-Lösungen“ geht. Aber eines scheint hier immerhin ganz klar gelungen zu sein: Der Straßenraum ist endlich gerecht verteilt. Oder?

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Könnte sehr eng werden. Dem Typen im SUV dürfte es wenig jucken.

autofrei! für Baumerhalt und Fahrradschutz

Noch stehen sie zahlreich und sorgen für eine grüne Osterstraße: Bäume
Noch stehen sie zahlreich und sorgen für eine grüne Osterstraße: Bäume

Wenn beim Umbau der Osterstraße weiterhin im Sinne der PKWs geplant wird  und Fahrradstreifen auf die Straße kommen – was ja auf jeden Fall eine gute Sache ist – , werden einige ganz sicher in die Röhre gucken: Bäume.

Vor allem im hinteren Teil der Osterstraße, also dem Stück zwischen Hellkamp und Methfesselstraße, stehen die Bäume beinahe direkt an der Straße. Schöner, alter Baumbestand, der Schatten spendet, Farbe in die Straße bringt und Luft reinigt.

Schön ist’s, wenn Radwege auf die Straßen kommen und diese auch eine ausreichende und vernünftige Breite haben, um zügiges Radeln und dabei selbst auch noch Überholvorgänge zu ermöglichen. Blöd wird’s aber dann, wenn Bäume im Weg stehen:

und dann geht's durch den Busch?
und dann geht’s durch den Busch? Ab Hellkamp wird’s noch enger… Quelle: Eimsbüttel-Fahrradforum-Präsentation 2012

Dieses Bild entstammt der aktuellen Fassung (2012) des Fahrradforums Eimsbüttels – Radverkehrsplanung Eimsbüttel:
Entwicklung der bezirklichen Routen „B“ und „D“ [PDF Download, 15 MB, 168 Seiten]. Auf Seite 48 wird die Kreuzung Schwenckestraße – Osterstraße behandelt. Gut zu sehen, wie geplante Radwege mitten durch die Botanik laufen. Geht ja auch schlecht anders, weil es ab dieser Kreuzung und weiter Richtung Methfesselstraße richtig eng wird.

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Wer ist zukünftig im Weg? Autospuren oder Fahrradwege?

Auf der allgemeinen, öffentlichen Infoveranstaltung am 24. Februar im Hamburg Haus wurde diese Thematik auch angesprochen – ich zitiere aus dem Protokoll, welches man sich auf der Hamburg.de Seite [PDF Download, 250 KB]  auch in ganzer Länge herunterladen kann:

Anmerkung aus dem Plenum:
[…]  „Zum Thema Bäume: Bei anderen Umbaumaßnahmen sind viele Bäume gefällt worden. Vom alten Baumbestand soll bitte nichts mehr wegkommen.“

Herr Pröwrock: (Leiter des Fachamts Management des öffentlichen Raumes im Bezirksamt Eimsbüttel)
[…] „Es ist nicht geplant, dass Straßenbäume in großem Umfang fallen sollen. Allerdings gehen Straßenbäume irgendwann zu Grunde, da sie ganz natürlich eine beschränkte Lebenszeit haben. Heutzutage müssen viele Bäume leider früher entnommen werden. Es wird zwar versucht, diese Verluste zu ersetzen, jedoch sind große und alte Bäume nicht wirklich durch junge ersetzbar, diese benötigen viele Jahre, bis sie die Größe der alten erreicht haben. Der Bezirk hat ein hohes Interessen an einem schönen Stadtbild, aber es wird unter Umständen nicht ausbleiben, dass einzelne Bäume weggenommen werden müssen. Details kennt man nach Fertigstellung des Plans.“

Tolle, neue Osterstraße?
Genauso viele Autos wie heute bei deutlich weniger Parkplätzen (etwa 100 entfallen an der Osterstraße), was wahrscheinlich einen umso härteren Kampf um die wenigen verbleibenden zur Folge haben wird bzw. zum Wildparken auf den Fahrradschutzstreifen führt, weniger Schatten und obendrein für die Anwohner wegen fehlendem alten Baumbestand dreckigere Luft? Wer setzt sich dann noch gerne in Restaurants und Cafés in einer trostlos wirkenden Straße an die Tische vor die Tür, wenn es nur noch mickrige, neue Bäumchen gibt, die Jahre, wenn nicht Jahrzehnte brauchen, ehe sie die alten tatsächlich ersetzen können? Am Ende noch „Hamburg, mein Baum, meine Stadt“, und wir zahlen alle mit? 

Überhaupt Fahrradschutzstreifen, die offenbar in weiten Teilen der Osterstraße eingeplant wurden: Hier dürfen Autos „ausnahmsweise“ den Schutzstreifen mit befahren, wenn es durch entgegenkommende Autos / Busse /LKWs etc. zu eng wird. „Ausnahmsweise“ wird hier die Regel sein. Wer wird dann geschützt?! Auch dürfen PKWs auf den Fahrradschutzstreifen bis zu 3 Minuten halten. Für den Kunden, der mal eben zum Bäcker oder in den Blumenladen will, also selbstverständlich – und das sind viele, den ganzen lieben langen Tag lang…. Hier nachzulesen: Flyer Radfahrstreifen, Schutzstreifen aus Hamburg [PDF Download, 1,7 MB]

Dabei ginge es alles auch ganz anders:
Auf einer autofreien Osterstraße dürfte der vorhandene Platz locker reichen, um eine  Fußgängerzone mit schickem Radweg in der Mitte und einen „Notfall“ und Anliefer-, „Anlieger mit Genehmigung“- Fahrstreifen realisieren zu können. Im autofreien Bereich der Osterstraße sollte darum sicher kein gesunder Baum gefällt werden müssen.

schwenckestrasse
Geht so in Bergedorf….

Radweg und autofreie Zone müssen sich dabei keinesfalls ausschließen, wie Bergedorf wunderbar zeigt.

„Osterstraße autofrei!“ ist besser?
Dann unterstützen Sie sie hier und jetzt und unterzeichnen Sie die Online-Petition!

Eine Studie des  Autoclub Europa (ACE) zum Thema Verkehrssicherheit kommt übrigens zu diesem Fazit:

„Die Formel lautet: Je mehr Fußgänger, Radler und öffentlicher
Personennahverkehr, desto geringer ist das Risiko, einen
folgenschweren Unfall zu erleiden.“
„Auch Autoinsassen profitieren von der Verkehrssicherheit“

Bäume fällen an der Osterstraße?

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Könnten bald alle weg sein: Bäume an der Osterstraße zwischen Hellkamp und Methfesselstraße

Wenn beim Umbau der Osterstraße weiterhin im Sinne der PKWs geplant wird  und Fahrradstreifen auf die Straße kommen – was ja auf jeden Fall eine gute Sache ist – , werden einige ganz sicher in die Röhre gucken: Bäume.

Vor allem im hinteren Teil der Osterstraße, also dem Stück zwischen Hellkamp und Methfesselstraße, stehen die Bäume beinahe direkt an der Straße. Schöner, alter Baumbestand, der Schatten spendet, Farbe in die Straße bringt und Luft reinigt.

Auf einen gestrichelten Mittelstreifen wird man bei einer Straßenbelastung von ca. 15.000 Autos am Tag sicherlich nicht verzichten wollen. Was in der deutlich weniger befahrenen Eimsbütteler Chaussee so umgesetzt werden konnte, wird in der Osterstraße schon aus Sicherheitsgründen gewiss nicht so kommen. Bedeutet, dass die Straße breiter werden muss, wenn sich Radwege dazugesellen und diese eben nicht durch grüne Botanik laufen sollen. Bleiben zwei Möglichkeiten: Entweder es bleibt alles so wie heute (Hurra!!!), oder es wird umgestaltet und kommt weg, was im Weg steht.

Auf der allgemeinen, öffentlichen Infoveranstaltung am 24. Februar im Hamburg Haus wurde diese Thematik auch angesprochen – ich zitiere aus dem Protokoll, welches man sich auf der Hamburg.de Seite [PDF Download, 250 KB]  auch in ganzer Länge herunterladen kann:

Anmerkung aus dem Plenum:
[…]  „Zum Thema Bäume: Bei anderen Umbaumaßnahmen sind viele Bäume gefällt worden. Vom alten Baumbestand soll bitte nichts mehr wegkommen.“

Herr Pröwrock: (Leiter des Fachamts Management des öffentlichen Raumes im Bezirksamt Eimsbüttel)
[…] „Es ist nicht geplant, dass Straßenbäume in großem Umfang fallen sollen. Allerdings gehen Straßenbäume irgendwann zu Grunde, da sie ganz natürlich eine beschränkte Lebenszeit haben. Heutzutage müssen viele Bäume leider früher entnommen werden. Es wird zwar versucht, diese Verluste zu ersetzen, jedoch sind große und alte Bäume nicht wirklich durch junge ersetzbar, diese benötigen viele Jahre, bis sie die Größe der alten erreicht haben. Der Bezirk hat ein hohes Interessen an einem schönen Stadtbild, aber es wird unter Umständen nicht ausbleiben, dass einzelne Bäume weggenommen werden müssen. Details kennt man nach Fertigstellung des Plans.“

Tolle, neue Osterstraße?
Genauso viele Autos wie heute, weniger Schatten und obendrein für die Anwohner wegen fehlendem alten Baumbestand dreckigere Luft? Wer setzt sich dann noch gerne in Restaurants und Cafés in einer trostlos wirkenden Straße an die Tische vor die Tür, wenn es nur noch mickrige, neue Bäumchen gibt, die Jahre, wenn nicht Jahrzehnte brauchen, ehe sie die alten tatsächlich ersetzen können? Am Ende noch „Hamburg, mein Baum, meine Stadt“, und wir zahlen alle mit? Falls es überhaupt alle tun??? Doppeltes „Hurra, Hurra!!!“

Dabei ginge es alles auch ganz anders: Auf einer autofreien Osterstraße dürfte der tatsächliche Platz, der sich aus den Abständen der gegenüber stehenden Bäume ergibt, locker reichen, um eine  Fußgängerzone mit schicken Radwegen und einen „Notfall“ (Anliefer-, Anlieger mit Genehmigung-) Fahrstreifen realisieren zu können. Dafür müsste wohl kaum ein Baum dran glauben.

Diese andere Variante finden Sie besser? Dann unterstützen Sie sie hier und jetzt und unterzeichnen Sie die Online-Petition!

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Das wird eng! Zu eng für die Bäume?