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Tod vor Osterstraße

Am Montag dieser Woche (19. Januar ) kam es nur wenige Meter vor dem Beginn der Osterstraße zu einem fatalen Unfall (Mopo, 19. Januar 2015, „Lebensgefährliche Verletzungen! Joggerin (45) angefahren“) Eine Joggerin wartete morgens gegen 8 vor der Fußgängerampel am Kaiser-Friedrich-Ufer, drehte Warmhalterunden, um dann bei Grün die Fahrbahn zu passieren. Ein Mercedes konnte nicht mehr bremsen – ganz offenbar fuhr er noch bei Rot-total über die Ampel. Nur die Brücke über die Isebek trennt die Unfallstelle von der Osterstraße, die hier Bundesstraße heisst.
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Drei Tage später, am Donnerstag, erlag die 45 Jährige im UKE ihren Verletzungen. (Eimsbütteler Nachrichten, 23. Januar 2015, „Joggerin erliegt Verletzungen“)
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Der Unfall macht – wieder mal – völlig sprachlos. Den Angehörigen sei an dieser Stelle aufrichtiges Beileid bekundet. Solche Unfälle, so sinnlose, machen wütend und schockieren einfach.
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Auf leider tragische Weise wird wieder einmal ein Grund sehr deutlich, weshalb „Osterstraße autofrei!“ unter anderem die Verbannung des Individualverkehrs aus dieser Straße fordert:
Diese Straße ist in weiten Abschnitten hochfrenquentiert von Fußgängern jeden Alters und Radfahrern. Eben genau darum haben Autos im Herzen eines so belebten Viertels wie Eimsbüttel nichts verloren und gehören an den Rand zurückgedrängt.
Denn – man weiß um diese Fakten, sie sind bekannt und jeder, der diese Straße kennt, kann es bestätigen.
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Wenn beim Umbau der Osterstraße wider besserer Kenntnisse – die ja mehrmals vor breiter Öffentlichkeit selbst von den Behörden präsentiert wurden und worüber hier ausführlich berichtet wurde (siehe „GRIFFELPFLASTERWUNDER- MITTELSTREIFEN ODER: WIE DIE NEUE OSTERSTRASSE WERDEN SOLL“ und „BUMMLER STECHEN RADLER AUS“) – eben diese bewusst und oder geflissentlich ignoriert werden zugunsten freier Fahrt für Autos ist dies im Grunde eine Sache, die man fast schon als fahrlässiges Handeln bezeichnen könnte. Sollten sich nach dem Umbau derartige Unfälle wiederholen, gibt es klar Verantwortliche dafür – zumindest moralisch.
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Es braucht auch niemand zu kommen und zu sagen, dieser Unfall hätte überall passieren können. Ja, das hätte er. Niemand braucht anzumerken, die Läuferin hätte ja noch einmal gucken können. Es braucht auch Niemand wegen Parkplätzen zu kommen und Niemand von wegen dass er eben nicht mehr direkt vor der Tür mit dem Auto erreichbar wäre. Auch braucht Niemand etwas von drohendem Verkehrschaos in diesem Quartier zu erzählen. Keine‘ Abers‘! All das ist nämlich nicht der Punkt.
Der Punkt ist, dass es langsam an der Zeit wäre, einiges zu ändern. Realitäten endlich mal ins Auge zu sehen. Es endlich auch anzupacken. Irgendwo geht’s immer los, am Ende steht hoffentlich ein durchdachtes Verkehrsleitkonzept für den ganzen Stadtteil. Vor allem geht es aber darum, notwendige Veränderungen nicht als Gefahr, sondern als Chance für Neues zu sehen.
So ein Zeitpunkt wäre jetzt.
Ganz genau jetzt.
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„Der größte Teil städtischer Wegstrecken bleibt unter 5 km. Optimal für Fahrrad- und Fußverkehr. Nimmt man noch den Transitverkehr von der Bundes- und Osterstraße eröffnet sich Raum für Fahrrad und Fußgänger. Müssen nur noch die bestehenden gewerblichen und sozialen Verhältnisse gesichert werden gegen eine ungezügelte Gentrifizierung, könnten Oster- und Bundesstraße als mustergültige Beispiele für zukunftsgerechten Stadtverkehr “in die Geschichte eingehen”.
Petitons-Kommentar  von Prof. Dr. Jochen Hanisch, einem Unterstützer der Petition „Osterstraße autofrei!“,
im Juli 2014
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(siehe auch „Darum autofrei!“)
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BID in progress

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Der nächste Mitspieler steckt offenbar in den Startlöchern: Es hat sich eine Lenkungsgruppe für einen BID – Business Improvement District – gegründet mit dem Ziel, demnächst einen „ordentlichen BID – Antrag“ stellen zu können.

Den „BIDianern“ um Karstadt, Edeka und weiteren (siehe  „Wer wir sind“ auf der BID Homepage) schwebt, nachdem offenbar in den letzten Jahren Gründungsversuche gescheitert waren die Osterstraße in Gänze zu einem BID zu transformieren, nun eine abgespeckte BID Version vor. Der „Innovationsbereich“ umfasst nun nur noch den Bereich um die Kreuzung Heußweg und die Osterstraße zwischen Schwenckestraße und Emilienstraße.

Ein kleines „Problem“ scheint es nun aber zu geben, da die Stadt mit ihrer Stadtraumerneurung Osterstraße den Takt mächtig vorgibt und die Planungen vorantreibt, so dass das BID Projekt eigene Pläne bis zum Ende der städtischen Detailplanungen zurückstecken muss.

Auf der Homepage vom Osterstraßen BID gibt’s viel zu lesen. Auch hier scheint es in erster Linie tatsächlich um die deutliche Qualitätssteigerung des Aufenthaltes an dieser Straße zu gehen. Eine konkrete Aussage, wie der Osterstraßen BID zu den zuletzt veröffentlichten Planungen des Bezirks steht, die u.a. nun die Hälfte aller Parkplätze abschaffen will,  ist allerdings noch nicht zu finden.

Auf dem ersten Blick müsste es – jedenfalls von einigen  Grundgedanken her – eine Menge Schnittmengen mit „Osterstraße autofrei!“ geben. Ganz soweit will der BID aber leider nicht gehen.  Schade. (Positionspapier [PDF] vom Lenkungsausschuss des BIDs)
Erstaunlich immerhin, dass es hier offensichtlich „Verquickungen“ gibt in Form von Personen, die auch im Osterstraßen e.V. aktiv sind. Letzterer hat sich mit Anfragen von „Osterstraße autofrei!“ und den Ideen dahinter allerdings sehr schwer getan.

Grundsätzlich sollte die Frage im Raum stehen, ob es für Eimsbüttel wirklich eine vernünftige Lösung wäre, ein BID einzurichten. Oder ob es nicht viel besser wäre, auf einen BID zu verzichten. Eine Art wie-auch-immer-quasi-halb-oder-viertel-privatisierte Straße (und wenn auch nur auf Zeit) mit eventuellen unangenehmen Begleiterscheinungen sollte in diesem Viertel wohl besser nicht entstehen.

Öffentlicher Raum gehört allen, auch den hier wohnenden direkten AnwohnerInnen! Nicht nur den Geschäftsleuten an der Osterstraße.

Mehr dazu auch hier: Bitte ein BID

Bummler stechen Radler aus

Wenn's dunkel ist, fast autofrei...
Wenn’s dunkel ist, fast autofrei…

Zuletzt gab es jeweils zwei Informationsveranstaltungen, eine für die Gewerbetreibenden und eine für die“Öffentlichkeit“. Zumindest die letzte Zusammenkunft für die Geschäftsleute war aufgrund des leider erschreckenden Desinteresses und nur sehr wenigen erschienenen Geschäftsleuten eine müde Schnarchveranstaltung die mehr dem Selbst-Entertainment des Podiums diente. In Zeiten knapper Kassen hat der Bezirk dieses Privileg diesmal abgeschafft und nur noch einen Termin für alle gesetzt. Also begab sich die interessierte Eimsbüttelschaft letzte Woche schon das dritte Mal ins Hamburg Haus, um zu erfahren, was für Schönheit aus 7 Millionen Euro entstehen soll. Bei der vorgestellten Planung handelt es sich noch nicht um die Endfassung, allerdings ist wohl nur noch mit wenigen eher kleinen Änderungen zu rechnen, wenn es überhaupt zu welchen kommen sollte.

„Schönheit“ ist, auch wenn man über Geschmack bekanntlich streiten kann,  ein recht guter Ausdruck für das, was der Bezirk an der Osterstraße vorhat – im Gegensatz zu Begriffen wie „Vernunft“, „durchdacht“ oder „nachhaltig“.

„Schön“ wird es in Zukunft für alle, die zu Fuß unterwegs sind – sie bekommen etwa 3000 m² mehr Platz  als bisher. Wo es sich bald gut bummeln lässt, müssen die Radfahrer weg – sie kommen auf die Straße und dürfen sich dank diverser Stellen vor allem zwischen Heußweg und Methfesselstraße, an denen es nicht einmal mehr Schutzstreifen gibt, mit den Autos um den verbliebenen Platz zoffen. Neu ist noch, dass das „Betrachtungsgebiet“ ein wenig vergrößert wurde und sich auch das Stückchen Heußweg bis zur Ecke Stellinger Weg über neue Schönheit (Kreisel) freuen kann. Das Beste: Die Hälfte der Parkplätze wird mal eben abgeschafft.

„Osterstraße autofrei!“ hat das Ziel, die Lebensqualität dieser Straße und somit Eimsbüttels insgesamt deutlich zu stärken, so gesehen ist erstmal alles, was dem Menschen wieder mehr Platz gibt, ein Schritt in die richtige Richtung. Die Vision ist allerdings eine andere und darum gibt es natürlich auch jetzt wieder eine ganze Menge Dinge, für die einige Leute lieber noch einmal ihren Kopf benutzen sollten statt gleich zum Bagger zu greifen.

Tatsächlich bekommen wir es, wie es schon auf der letzten Info-Veranstaltung angekündigt wurde, mit tollen „Griffelpflastersteinmittelstreifen“ zu tun, die das Überqueren der Straße deutlich vereinfachen sollen. Immerhin zählten die Planer an mehreren Stellen bis zu 200 Fußgängerüberquerungen pro Stunde außerhalb der Ampelbereiche (Präsentation zweite Informationsveranstaltung vom 3.7.2014 – Seite 65) . Die Mittelstreifen werden nun dort eingeplant, wo die Straße verbreitert werden kann. An anderen Stellen wird die Straße verengt und dadurch eine Querungshilfe erreicht. Für Autos entsteht so ein „Rhythmus“, denn sie müssen schlängelnd durch die Straße manövrieren. Soweit so gut.

Human zu planen, heißt aber auch, nicht nur  an junge und knackige Mitbürger im besten Alter zu denken, sondern auch an die, die mit der schnellen Welt um uns herum nicht so klar kommen. Human zu planen, sollte heißen, auch an Kinder und alte Menschen zu denken. Gerade die Mittelstreifen werden, erst recht wenn tausende Leute sie nutzen werden, für Kinder zur Gefahr. Sie werden wahrscheinlich dazu verleitet, die Fahrbahn noch eher zu betreten als es heute der Fall ist. Will man als Eltern den verkehrserzieherischen Verpflichtungn nachkommen, bleibt, wie alten Menschen wahrscheinlich auch, nur der diskriminierende Umweg zur nächsten Ampel.

Ein oder zwei zusätzliche Bedarfsfußgängerampeln (die dann aber auch pronto umspringen!) in den Straßenabschnitten (und Zebrastreifen dort, wo der Bus nicht mehr fährt) würden die Sache ganz schnell ganz anders aussehen lassen: Autos MÜSSEN hier halten, einen sichereren Überweg gibt es nicht. Für den Bus wird ein Busbeschleuniungssensor angebracht. Geht ja gerade überall woanders auch…

Frau Piening vom Bezirksamt antwortete auf meinen entsprechenden Hinweis dass man ja eben an die Fahrbahnverengungen gehen könne, wo man alles überblicken könne. Mit Theorie und Praxis ist das aber immer so eine Sache. Eine konkrete Antwort zu meinen Bedenken schon mal gleich gar nicht.

Der Taxistand kommt in den Heußweg gegenüber von Karstadt und Stadtradstationen dafür vor den Wurstgrill sowie an die Bushalte Schulweg. Ansonsten kommen schicke neue Bänke und Gehwegsteine in schöner Optik samt neuen trapezartigen Einfassungen um die Bäume, auf denen man, das wurde nicht so ganz klar, eventuell auch sitzen kann. Keine Frage – der Fußgänger ist, als der am häufigsten dort vorkommende Verkehrsteilnehmer, auf jeden Fall ein Gewinner. 

Die Pseudoverlierer Autofahrer büßen zwar ein wenig Platz ein und müssen diesen noch dazu mit den Radfahrern teilen, aber da sie ja mit Knautschzone und oftmals einem ganz anderem Selbstverständnis unterwegs sind dürfte klar sein, wer, trotz auf dem ersten Blick besserer Konditionen, die wahren Verlierer sein dürften: Alle diejenigen, die sich mit dem Rad bewegen. Nicht einmal durchgängige Schutzstreifen gibt es, Fahrradstreifen schon mal gleich nirgends. Dafür wird an allen Kreuzungen bis auf an der Methfesselstraße das indirekte Abbiegen eingeführt. Radfahrer brauchen also, wenn sie regelkonform abbiegen wollen, doppelt so viel Zeit wie Autofahrer und doppelt soviel Zeit als heute, wenn sie auf der Straße fahren. Das mag an großen Straßen vielleicht ganz sinnvoll sein, aber hey, dies ist nur die Osterstraße! Warum nicht den Radfahrer-Halteplatz komplett durchgezogen vor der Haltelinie der PKW’s – an Kreuzungen wie Hellkamp oder Schwenckestraße?!? Warum sagt keiner was? Wo bleibt der Aufschrei? Wollten die GRÜNEN nicht kämpfen, wenigstens für’s Rad, ein bißchen? Und ADFC schluckt nur mal kurz? Warum geht dieser „Skandal“ eigentlich nicht durch die Presse? Ist euch denn all dies plötzlich egal? Und das, obwohl der Wahlkampf beginnt?!

Das ist noch immer nicht alles, schließlich wird die Osterstraße in Zukunft sogar grüner werden. 3 Fällungen sind unvermeidlich, dafür denken die Planer aber tatsächlich auch einmal nachhaltig, denn bis zu 40 Bäume werden neu gepflanzt, ein großer Teil davon gleich auf die bisweilen sogar begrünten Mittelstreifen.

Was soll man nun davon halten?
Es wird sich zeigen müssen, wie sich diese „Designer-Straße“, die eigentlich keine solche sein will, nach dem Umbau in der Praxis bewähren wird. Es ist klar, dass diese Straße in Zukunft nicht mehr die gleichen (KFZ) Verkehrsmengen aufnehmen kann wie früher, dafür sorgt die Verlangsamung durch all die fleißig querenden Fußgänger und die verengten Stellen schon ganz von alleine – das ist auch gewollt. Die heutige Durchschnittsgeschwindigkeit, die bei etwa 40 Km/h liegt, dürfte sich noch mehr in Richtung Tempo 30 verschieben. Sehr kritisch dürfte es aber werden, wenn Lieferfahrzeuge oder Wildparker meinen, sich auf die Radschutzstreifen stellen zu müssen. Dann wird es richtig eng und der Kampf beginnt. Rechts ein LKW, kurz davor donnert gerade jemand die Autotür beinahe an die Rübe und in der Gegenrichtung steckt der Bus fest. Da steckt die geballte Ladung Konfliktpotenzial drinnen,  brauchen vor allem Radler ordentlich Nerven…

Sehr interessant jedenfalls ist die Tatsache, auf wie wenig Widerstand die geplante Halbierung der Parkplätze an der Osterstraße gestoßen ist. Die Planer – und auch das Amt – scheinen immerhin erkannt zu haben, worauf es in Zukunft vor allem ankommt, nur trauen sie sich einfach nicht (vielleicht dürfen sie auch noch nicht), den Weg konsequent zu Ende zu denken und zu gehen. Sollte es zu großes Konfliktpotential nach dem Umbau geben und deshalb nachgebessert werden müssen, wird es nur sehr schwer politisch vermittelbar sein, warum ausgerechnet an dieser Straße der den Fußgängern gerade neu gegebene Platz gleich wieder abgeknappst werden sollte. Da geht’s dann anderen platzmäßig an die Gurgel. Auf wundersame Weise wird sich auch dann noch irgendwo in Milliönchen auftun, um damit dann das einzig Richtige zu tun.

Denn „Osterstraße autofrei!“ war und ist die beste Alternative für Eimsbüttel, für Fußgänger UND Radfahrer, für die es sich lohnt sich weiter und offensiv einzusetzen! Neue, schöne und Schatten bringende Bäume sind ja dann schon in weiser Vorhersehung in die Mitte der dann autofreien Zone gepflanzt worden……

 

Die ganze Präsentation der letzten Informationsveranstaltung inklusive der Vorentwurfspläne gibt es hier vom Bezirksamt Eimsbüttel.

Einen recht ausführlichen Bericht über die Versammlung gab es in den Eimsbütteler Nachrichten („Osterstraße mit Rhythmus“, 29.10.2014)

 

 

 

 

 

Global *zoooom* Lokal!

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Global ist lokal – auch die Osterstraße kann einen wichtigen Beitrag zu einem besseren Klima leisten

Niemand bestreitet mehr den unaufhaltsamen Klimawandel. Die Ergebnisse, die der Weltklimarat (IPCC) in seinem 5. und letzten Sachstandsbericht im April 2014 vorstellte, sind alarmierend. Schluss mit Kohle!“ lautet eine der wichtigsten Forderungen des IPCC’s.   Im dritten Teilbericht geht es dabei um die Möglichkeiten, die helfen, den Effekt des Klimawandels zu mindern. Hierzu hat das Bundesumweltministerium eine deutschsprachige, kompakte Zusammenfassung [PDF Download, 150 KB] erstellt. Auf Seite 3 dieser Zusammenfassung ist folgendes zu lesen:

„Im Verkehrssektor können bis zum Jahr 2050 bis zu 20 bis 50% der Emissionen im Vergleich zu einem Business-as-usual Szenario vermieden werden. Die Steigerung der Energieeffizienz von Fahrzeugen oder die Einführung von kohlenstoffarmen Treibstoffen, Änderungen des Nutzungsverhaltens und eine nachhaltige Infrastruktur- und Städteplanung sind Beispiele für erfolgreiche Minderungsstrategien.“

Es sind nur wenige Sekunden, die es dauert, um sich bei Google Earth aus dem All heraus mitten ins Herz von Eimsbüttel und auf die Osterstraße hinein zu zoomen. Hier – genau wie überall sonst auch – kann und muss Klimaschutz gemacht werden. Es hat keinen Sinn, selbst nichts zu tun und dabei auf andere zu verweisen. Die Osterstraße trägt mit ca. 15.000 Pkw’s, die diese Straße heute tagtäglich befahren, nicht unerheblich zur Luft- und Lärmverschmutzung in Eimsbüttel bei. Unser Vorteil nun ist, dass wir es tatsächlich in der Hand haben, Zustände zu ändern. Weil die Osterstraße sowieso umgebaut wird. Wenn schon, dann auch richtig!

„Finde die Idee sehr gut, denn nur durch solche für manche vielleicht radikal erscheinende Maßnahmen kann auch Hamburg lernen wie Lebensqualität in Ballungsräumen entsteht.“

Treffender als eine Unterstützerin dieses Projekts es formuliert hat, könnte ich es auch kaum. Denn – genau das ist der Punkt, um den es geht. Nur darum, um nichts anderes.

Sogar aus der EU Kommission kommen da – man staune – recht interessante Inputs zum Thema. „Reclaiming city streets for people“ [5,9 MB, PDF Download] heißt ein sehr aufschlussreiches Handbuch, welches der Brüsseler Apparat erzeugt hat. Auch hier geht es ganz eindeutig nur um eines: Den Autoverkehr drastisch zu reduzieren und mehr Platz für alle anderen zu machen, gerade in urbanen Zentren.

Jetzt ein zweites Mal zurück zur Osterstraße:
Es scheint in der Fachwelt schon recht eindeutige Empfehlungen zu geben, wohin die Reise gehen sollte. Wenn irgendwo autofreie Straßen eingerichtet werden, um eben genau diese beabsichtigten Vorteile – das Einsparen von CO², Lärm, Feinstaub –  zu erzielen bzw. diese durch spätere gezwungene Gewohnheitsänderungen auszulösen, dann ja wohl da, wo auch alle sind: An belebten, zentralen Straßen, die tatsächliche Mittelpunkte von Quartieren und eben keine wichtigen verkehrsinfrastrukturmäßigen Zubringer- oder Ausfallstraßen sind. Wo bitte sonst soll man denn den Autoverkehr verdrängen, wenn nicht da, wo er geballt auftritt? In den Nebenstraßen ist das sicher nicht der Fall – wohl aber auf der Osterstraße.

Grüne, gerechte, wachsende Stadt am Wasser – Perspektiven der Stadtentwicklung” heißt ein neues Leitthema der Stadtentwicklungsbehörde in Hamburg. Auch hier verrät der Name, dass einiges besser werden sollte. Dennoch will Hamburg autofreie Straßen offenbar  nicht unterstützen, schließlich werden sie nicht einmal erwähnt. Kopenhagen als Vorbild immer  gerne – aber quasi bitteschön angepasst an unsere Autofahrerbedürfnisse. Radwege, wenn sie passen – wenn nicht, enden die Linien oder sind gestrichelt, so dass bei Gegenverkehr auch auf die Radwege ausgewichen werden kann. Von ein- und ausparkenden Fahrzeugen mal ganz schweigen. Radfahrer, Fußgänger und Anwohner, die auch mal Platz haben wollen, einmal klar zu bevorteilen, wenn es um bestehende Straßen geht und nicht um Spaziermeilen am Elbrand, scheint undenkbares Tabu zu sein.

Hamburg, Umwelthauptstadt 2011. Wie kann es sein, dass solche von vielen Seiten empfohlenen Vorschläge, wie ganz konkret und vor Ort im öffentlichen Raum deutliche Verbesserungen zu erzielen wären, oftmals nicht mal mehr angedacht werden? Weil man den Bedenken ein paar Ladeninhaber und vielleicht auch einiger Ich-finde-keinen-Parkplatz-mehr-Anwohner mehr Gewicht beimisst als vernünftige, grüne, gerechtere und zukunftsfähige  Stadtentwicklung zu betreiben?

Jetzt hat Eimsbüttel die Chance, mit dem Umbau der Osterstraße einen wirklich großen Wurf zu landen. Wahrscheinlich sogar bietet genau diese Straße die besten Möglichkeiten – nicht nur im Stadtteil, sondern im ganzen Bezirk. Wenn stattdessen auch hinterher 15.000 Autos durch die Straße knattern kann man leider nur sagen:

Eimsbüttel – setzen:  Sechs!

 

Protokoll des Jammers

‚Nicht können, nicht wissen, nicht wollen‘ – das in etwa ist kurz gesagt das Bild, welches der Bezirk Eimsbüttel und die planenden Firmen auf der letzten allgemeinen Informationsveranstaltung am 3.7.2014 im Hamburg Haus dem Publikum abgeliefert hat. Auf Osterstraße autofrei! hat es dazu bereits einen recht schonungslosen Kommentar eines Insiders gegeben, der die größten Mängel ganz klar benannte. Für alle, die damals nicht anwesend waren, gibt es jetzt endlich die Möglichkeit, im Protokoll [PDF Download, 205 KB] die Veranstaltung noch einmal nachzuholen.

Es grenzt schon an ein starkes Stück, wenn der Bezirk sagt, was er nicht kann und wofür er nicht zuständig ist, z.B. die Idee eines autofreien Abschnittes überhaupt einmal ernsthaft prüfen zu wollen. Weil dafür ja gar nicht der Bezirk, sondern die Verkehrsbehörde zuständig sei. Die Verkehrsbehörde mit dem Anliegen vielleicht auch nur einmal zu konfrontieren übersteigt ganz offenbar das Vorstellungsvermögen der Damen und Herren im Bezirksamt.

Ein ebenso dolles Ding ist es, wenn die Planer behaupten, der größte Teil des Durchgangsverkehres seien Anlieger der umliegenden Quartiere, die schlicht anders nicht ihr zu Hause erreichen könnten ohne die Nebenstraßen zu verstopfen. Auch hier scheint der Fantasie-Horizont arg begrenzt zu sein. Natürlich ist es möglich, die Autobahn, Lokstedt, Nord-Eimsbüttel und Stellingen anders zu erreichen. Klar, der schöne Schleichweg wäre weg. Ein paar neue Schilder rechts und links könnten sicherstellen, dass möglichst nicht in Nebenstraßen ausgewichen wird. Da sind wir wieder bei der Verkehrsbehörde – und die scheint, zumindest für das Bezirksamt und die Planer in einer anderen Galaxie zu wohnen. Wie sonst ist es zu erklären, dass sich der Bezirk sogar außerstande sieht, zumindest eine testweise Sperrung der Osterstraße zu veranlassen bzw. zu prüfen? Traurig, sehr traurig!

Die Einbeziehung der Bürger scheint nun offenbar auch komplett gelaufen zu sein, ergo: „Nun können wir ja durchstarten mit dem, was wir eh längst wollen!“ Zum Thema Bürgerbeteiligung sei hier noch einmal der Hinweis auf einen Kommentar im Elbe-Wochenblatt genannt in dem es um die „Bürgerbeteiligung“ am Isebek-Grünzug ging. Im Kommentar dazu geht’s aber um Bürgerbeteiligung im Allgemeinen bzw. darum, was offenbar mit „Bürgerbeteiligung“ unter Scholz‘ SPD gemeint ist. Nach der Lektüre (und vor allem auch nach einem Besuch der angegeben Links dort –  jeweiliges Impressum nicht vergessen!) lässt sich das Gebaren des Bezirksamtes deutlich besser verstehen. Lassen wir uns nicht für dumm verkaufen! Bald ist Wahl, mal sehen, was sich da vielleicht noch dem einen oder anderen Politiker entlocken lässt. Bis der obere Teil der Osterstraße tatsächlich umgebaut wird, ist’s bekanntlich noch ein langer Weg…. 

Platz für Autos – soweit das Auge reicht!

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1 von 3 Karstadt Parkdecks in der Mittagssonne.

Wer regt sich eigentlich noch über fehlende oder zukünftig wegfallende Parkplätze an der Osterstraße auf? Hier gibt es individuellen Platz bis zum Abwinken, sogar mit Fahrstuhlanschluss auf Ground-Niveau. Autos auf die Dächer, Fußgänger und Radfahrer auf die autofreie Zone!

 

Welterster sein – in Hamburg

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„Der Schrei 2.0“ Jens Natter – http://www.bildernatter.com

Nein, dass muss keine Zukunftsträumerei sein – das muss Zukunftsrealität sein! Kopenhagen hat im letzten Jahr 33,5 Millionen Euro in den Radverkehr investiert – in Hamburg waren es nur schmale 5 Millionen. Hier muss der Wandel stattfinden! Helfen wir mit! Die Vorfahrt für das Auto muss endlich gebrochen werden. Jetzt! Heute noch unterzeichnen – wirklich, allerallerletzte Chance! – und Welterster sein im Umwandeln von Autostraßen in autofreie Zonen – zumindest in Hamburg Eimsbüttel. Dann Weltmeister sein.