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Erste Fußgängerzone in Eimsbüttel eingeweiht!

schwenckestrasse
Endlich keine Fiktion mehr – Fußgängerzone Osterstraße ist eingeweiht worden.

von Christine Stecker

Lange Zeit galt in Hamburg die Devise, dass eine Metropole große Straßen mit fließendem Verkehr braucht. Doch nun sind die Zeichen des neuen städteplanerischen Umgangs neben New York, Paris, Wien, Kopenhagen und vielen anderen Städten auch in der Hansestadt angekommen. „Wir sind besonders stolz, dass Eimsbüttel mit der Osterstraße diesen Schritt als Erstes gegangen ist und damit für Hamburg ein Leuchtturmprojekt geschaffen hat“, verkündet ein Sprecher der zuständigen Behörde. „Die Osterstraße war schon immer eine liebenswerte Einkaufsmeile mit vielen kleinen Geschäften und hat sich nun zum pulsierenden Herzen in Eimsbüttel gemausert“, heißt es weiter.

„Wir haben das Potenzial tatsächlich lange unterschätzt und uns gegen eine Verkehrsberuhigung gewehrt“, räumt ein Vertreter der Geschäftsleute in der Osterstraße ein. „Seitdem der Bereich von der Schwenckestraße bis zur Methfesselstraße für den Durchgangsverkehr komplett gesperrt ist und damit zur entspannten Flaniermeile wurde, ist der Straßenzug nicht mehr wiederzuerkennen. Früher gab es nur das etwas in die Jahre gekommene Osterstraßenfest, jetzt tragen wir u.a. jeden Herbst die Eimsbüttler Weinwochen aus und setzen damit einen tollen Akzent in Hamburg, mit dem wir neben HamburgerInnen aus vielen Stadtteilen auch zum Touristenmagnet geworden sind.“ (Anmerkung: Das traditionelle Weinfest auf dem Rathausmarkt findet seit längerem nicht mehr statt.) „Wir haben im Sommer Lesefeste, kleine Jazzkonzerte, einen regelmäßigen Ökowochenmarkt und Schlemmeraktionen. Damit sprechen wir die hier wohnende Klientel an – viele junge Leute, Familien aber auch die Älteren trauen sich wieder heraus weil man keine Angst haben muss, überfahren zu werden. Nebenbei: Die Umsätze unserer Geschäftsleute sind sprunghaft nach oben gestiegen, davon profitieren auch alle anderen Ladengeschäfte in der restlichen Osterstraße.“

Anne-Mette aus Kopenhagen wohnt noch nicht lange in Eimsbüttel: „Ich war verwöhnt von meiner Heimatstadt, wo alle zentralen Einkaufsstraßen Fußgängerzonen sind. Dass es hier immerhin einen kleinen Teil in der Osterstraße gibt, freut mich v.a. weil meine kleine Tochter sicher spielen kann, wenn ich meinen Cappucino genieße. Die vielen Spielgeräte auf den ehemaligen Querungsinseln wären auch was für uns in Kopenhagen“ schwärmt sie. Auch der kostenlose Lastenradverleih begeistert.

Zum Gelingen trug das konsequente Bewerben einer Bürgerinitiative bei, die immer mehr Stimmen fand. Außerdem konnte nach einer Erhebung die notwendige Anzahl an Parkplätzen durch Quartiersgaragen dann doch noch realisiert werden. Die Parkpalette auf dem Karstadt-Dach ist nun stets gut belegt, das Kaufhaus kombiniert Promo-Aktionen mit den Parkscheinen und stellt fest, dass sogar Kunden aus Eppendorf nach Eimsbüttel kommen – sie vermissen ihren Karstadt. Die neue Bushaltestelle „Schwenckestraße“ der Linie 4 war da nur logisch ebenso wie der Umstieg auf einen 5-Minuten-Takt.

STOP: DAS IST ALLES NUR ERFUNDEN!
Kein Zitat wurde so gesprochen, sondern entstammt der Fantasie der Autorin. Wäre aber doch eigentlich schön? Kein Problem – nach dem Umbau braucht es nur ein paar versenkbare Poller und los geht’s! Was am Times Square in New York gelang (siehe Internetlink) dürfte doch auch für unser schönes Eimsbüttel passen, oder?

–> Der neue Times Square in New York City

 

Hinweis von Kai:

Da geht was, da kann man in der Tat was tun! 

Damit dieses schöne Lebensgefühl mit der Osterstraße nicht nur in der Fantasie blüht, empfehle ich die Teilnahme an der Eimsbütteler Verkehrsinitiative. Sie kämpft genau für diese Dinge. Damit sie nicht nur Träume bleiben.

Wir treffen uns jeden letzten Montag im Monat im LiteraturCafé Mathilde, Bogenstraße 5 um 19:00 Uhr.

Vorläufig auch erreichbar auf facebook:
30 reicht! Verkehrsini Eimsbüttel

Von Wahlen und Weihnachten

weihnachtsdorf
Wo sich hier die Massen tummeln ist klar: Auf der Fahrbahn!

Weihnachten steht vor der Tür, bald ist das Jahr gelaufen und um „Osterstraße autofrei!“ ist es in letzter Zeit recht ruhig geworden. Ersteres stimmt auf jeden Fall, Letzteres nur bedingt. Hinter den Kulissen wird weiter fleißig gewerkelt. Solange es Dinge gibt, die besser sind als das, wie es ist oder werden soll, werde ich weiter machen, das auch zumindest zur Sprache zu bringen. Veränderung zu wünschen bzw. vielleicht ja auch ein wenig zu bewirken, braucht Zeit und Ausdauer. Vor allem braucht es aber, weiter präsent zu sein. Das will ich tun – auch im nächsten Jahr.
Denn gute Gründe gibt es schließlich mehr als genug.

Da wäre zum Beispiel der Tag, an dem der gemeine Hamburger nach vier Jahren mal wieder ein kleines Wörtchen mitzureden hat. Der Tag, an dem der Scholzomat zumindest für einige Stunden mal genauer Hinhöhren und -sehen muss. In nicht einmal zwei Monaten ist es schon soweit und während sich unsereins durch fette Gänsebraten mampft, kann sich König Olaf entspannt zurücklehnen und sich über den bisher kaum wahrnehmbaren und müden Wahlkampf eigentlich nur freuen. Läuft alles glatt für ihn und die Seinen und kann er alleine weiter regieren, dürfen wir uns als Dankeschön sogar auf noch längere Zeiten gefasst machen, in denen wahrscheinlich in Sachen neuer Denke für Verkehr, Lebensqualität und Umweltbelange alles nur ähnlich schleppend und halbherzig voran geht wie bisher. Denn das nächste Mal wird dann erstmals nach fünf Jahren, 2020 wieder gewählt.
Also liebe Hamburger, wacht auf!!!

Wo bleiben eigentlich all die Radfahrer, die mehr Platz auf den Straßen für sich reklamieren? Critical Mass radeln mal eben 5000 mit, dumm nur, dass es keine Demo ist, wie ja selbst gesagt wird. „Wir blockieren nicht den Verkehr – wir sind der Verkehr!“. Spaß zu haben, ist das eine, klare, eindeutige Forderungen zu stellen aber etwas ganz anderes. Während die Kita-Erzieher und die Hamburger Elternschaft mit gerade mal 4000 Menschen bisher einmalig auf die Straße gingen und demonstrierten („25% mehr!“) und Sozialsenator Scheele sich tatsächlich zum Handeln genötigt fühlte (auch wenn es bisher nur Witzschrittchen sind), hört man von der immer größer werdenden Radlerfront eigentlich nix. Wäre ich Olaf, würde ich ‚An der Alster‘ auch alles schön 6-spurig lassen und mich nicht mit quengelnden Autofahrern herumstressen. Das macht er ja mit seiner Busbeschleunigung schon mehr als genug. Als nettes Beiwerk kommen hier und da ein paar Schutzstreifen an die Kreuzungen. Im adfc-Interview legt der Bürgermeister seine Sicht der Dinge dar. „Nicht immer nur reden, einfach machen!“ ist seine Devise und damit’s auch wirklich alle verstehen, verspricht er das. (adfc HH, 24.11.2014, „Machen!“) Gegen diese „versteckte Drohung“ scheint selbst der Chefsprecher vom Hamburger adfc nicht anzukommen. Das kann ja heiter werden.

Wenn man eine Kreuzung erneuert, sie „durchdesignt“, wird sie hinterher in aller Regel vor allem eines: Leistungsfähiger – in erster Linie für den motorisierten Verkehr. Einem Radler hat das, obwohl er offenbar den Regeln nach korrekt gefahren war, nichts genützt. (Mopo, 15.12.2014, „Vom LKW überrollt – Radfahrer stirbt“) Auf Hamburger Asphalt endete so schon das Leben des 11. Radfahrers allein in diesem Jahr. Trauriger Rekord.
Aber Protest?!? I wo…

Dabei gäbe es schon Möglichkeiten. Sensoren oder Videokameras, vorne am LKW montiert, die auf Menschen im Toten Winkel anschlagen, endlich per Gesetz als Nachrüstung vorzuschreiben. Zu teuer? Dann wenigstens die Aufstellfläche für Radfahrer mit reichlich Platz vor der Haltelinie der PKWs und LKWs – schön über die komplette Spur gezogen, zumindest auf der rechten. Das würde den Verkehr zwar verlangsamen, vor allem aber sicherer machen als an den Rand und in tote Winkel gequetschte Radfahrer.
Nur – ist da Jemand, der sich vorstellen könnte, das auch mal herbeizudemonstrieren? An der vergleichsweise kleinen Osterstraße könnte man das so machen. Wenigstens hier. Gerade jetzt. Endlich mal lernen.

Die GRÜNEN scheinen das diesmal zu tun. Blöd nur, dass man sich da Leute als Zugpferd nimmt, mit denen sie sonst wohl eher fast nichts am Hut haben. Weil der Bus flotter fahren soll und dafür leider, leider ein paar Parkplätze flöten gehen, zückten die Macher von „Unser Uhlenhorst“ und „Unser Mühlenkamp“ zur Sicherheit gleich die ganz große Keule: „Stoppt das Busbeschleunigungsprogramm“, deren gemeinsame Volksinitiative, schien keine Mühe zu haben, ratzfatz mehr als 20.000 Unterschriften zusammenzubekommen. (MOPO, 13.12.2014 „Stoppen Bürger Hamburgs Busbeschleunigungsprogramm?“ [€]) Das kann der Senat nicht einfach ignorieren, das muss er wenigstens offiziell zur Kenntnis nehmen und Stellung beziehen. Scholz entscheidet sich erstmal konsequenterweise für’s einfach Weitermachen, obwohl inzwischen offenbar klar ist, dass das Programm in den nächsten Jahren deutlich abgespeckt bzw. ganz eingestellt wird, weil schlicht keine Haushaltsmittel mehr zur Verfügung stehen oder besser – eine Weiterführung über das Jahr 2016 hinaus nicht mehr gewollt ist. Die GRÜNEN, die endlich mal wieder eine Möglichkeit sehen, ihre Straßenbahn aus der Schublade zu ziehen, springen dankbar auf die 20.000 auf und bekommen sich auch noch selbst in die Flocken (Hamburger Abendblatt, 13.11.2014 „Stopp  der Busbeschleunigung entzweit die Grünen“). Schlauer wäre sicher anderes: Aus eigener Kraft Stimmung zu machen. FÜR eine Straßenbahn, z.B.. Oder: Gegen die Busbeschleunigung – im Lichte von „Unsere Uhlenhorst“ aber sicher eher ein Spiel mit dem Feuer… Dann doch lieber faire Schoki naschen.
Mutig ist das alles nicht.

Schauen wir noch einmal auf die Osterstraße. In 3 Monaten hatte ich keine 20.000 zusammen, aber immerhin über 500. Allerdings – das muss ich schon zugeben – ist das Anliegen (leider noch) nicht so massenkompatibel wie Parkplätze zu schützen und freie Fahrt für freie (Auto)Bürger. Trotzdem ist eine Menge erreicht. „Osterstraße autofrei!“ ist zumindest in Eimsbüttel ganz gut rum gekommen, war im Gespräch, in den Medien und ist auf der letzten (dritten) Informationsveranstaltung des Bezirksamts in der dort gezeigten Präsentation sogar quasi namentlich genannt worden. Dahinter steht, als einziges in rot: „NEIN“.
Ansporn genug, sich nicht auf die faule Haut zu legen. (Präsentation vom 28.10.2014/Hamburg.de/Contentblob – Seite 23)

Im nächsten Jahr soll es ein neues, zweites Straßenfest auf der Osterstraße geben. Natürlich steht es unter ganz anderen Sternen als das bekannte Volksfest im Frühsommer. Daran arbeiten wir bereits. Wir, das sind neben mir auch etwa 5 Leute, die sich zusammengefunden haben, um dieses Projekt gemeinsam mit professioneller Hilfe Wirklichkeit werden zu lassen. Es wird einiges auf uns zu kommen und wir sprudeln über vor Ideen. Wir wünschen es uns und ich hoffe sehr, dass wir es auch tatsächlich schaffen werden und nicht auf halber Strecke die Segel streichen müssen. Später werden wir auch auf tatkräftige Hilfe von möglichst vielen angewiesen sein. Lasst uns zeigen, was alles auf dem linken Alsterufer steckt – und Eimsbüttel geht voran…

Erstmal aber: Runterkommen. Ab auf die Straße und den Weihnachtsmarkt. Davon gibt es ja jetzt sogar zwei im Viertel. Der neue an der Apostelkirche scheint sogar ganz gut angenommen zu werden. Ich höre von vielen, dass sie es so viel entspannter finden, hier hin zu gehen, weil er nicht ganz so brechend voll ist wie der an der Osterstraße. Weil auf jeden Einzelnen Besucher viel mehr Platz kommt. Auf dem Fanny-Mendelssohn-Platz muss dagegen weiter gekuschelt werden. Der Freiraum liegt leider nebenan, auf den Fahrbahnen. Noch….

Vielen Dank Euch allen für die Unterstützung der Petition und für Euer Interesse. Ich werde mein Bestes geben, Euch auch in Zukunft mit Interessantem rund um die Osterstraße, Stadtentwicklung, Hamburger Verkehrs- und Fahrradpolitik zu versorgen. Vor einigen Personen und Organisationen mach ich artig einen Knicks und bitte um Nachsehen, sollte ich mal ein wenig zu doll auf die Palme gegangen sein. Ich bemühe mich, fair zu sein, doch manchmal geht’s nicht anders und braucht es Klartext  😉

Allen zusammen wünsche ich – auch im Namen aller vom „Team Osterstraße autofrei!“ – fröhliche Weihnachten und ein besinnliches Fest!

Auf ein neues, spannendes Jahr mit der autofreien Osterstraße!
Kommt‘ gut rein!

Kai

Bummler stechen Radler aus

Wenn's dunkel ist, fast autofrei...
Wenn’s dunkel ist, fast autofrei…

Zuletzt gab es jeweils zwei Informationsveranstaltungen, eine für die Gewerbetreibenden und eine für die“Öffentlichkeit“. Zumindest die letzte Zusammenkunft für die Geschäftsleute war aufgrund des leider erschreckenden Desinteresses und nur sehr wenigen erschienenen Geschäftsleuten eine müde Schnarchveranstaltung die mehr dem Selbst-Entertainment des Podiums diente. In Zeiten knapper Kassen hat der Bezirk dieses Privileg diesmal abgeschafft und nur noch einen Termin für alle gesetzt. Also begab sich die interessierte Eimsbüttelschaft letzte Woche schon das dritte Mal ins Hamburg Haus, um zu erfahren, was für Schönheit aus 7 Millionen Euro entstehen soll. Bei der vorgestellten Planung handelt es sich noch nicht um die Endfassung, allerdings ist wohl nur noch mit wenigen eher kleinen Änderungen zu rechnen, wenn es überhaupt zu welchen kommen sollte.

„Schönheit“ ist, auch wenn man über Geschmack bekanntlich streiten kann,  ein recht guter Ausdruck für das, was der Bezirk an der Osterstraße vorhat – im Gegensatz zu Begriffen wie „Vernunft“, „durchdacht“ oder „nachhaltig“.

„Schön“ wird es in Zukunft für alle, die zu Fuß unterwegs sind – sie bekommen etwa 3000 m² mehr Platz  als bisher. Wo es sich bald gut bummeln lässt, müssen die Radfahrer weg – sie kommen auf die Straße und dürfen sich dank diverser Stellen vor allem zwischen Heußweg und Methfesselstraße, an denen es nicht einmal mehr Schutzstreifen gibt, mit den Autos um den verbliebenen Platz zoffen. Neu ist noch, dass das „Betrachtungsgebiet“ ein wenig vergrößert wurde und sich auch das Stückchen Heußweg bis zur Ecke Stellinger Weg über neue Schönheit (Kreisel) freuen kann. Das Beste: Die Hälfte der Parkplätze wird mal eben abgeschafft.

„Osterstraße autofrei!“ hat das Ziel, die Lebensqualität dieser Straße und somit Eimsbüttels insgesamt deutlich zu stärken, so gesehen ist erstmal alles, was dem Menschen wieder mehr Platz gibt, ein Schritt in die richtige Richtung. Die Vision ist allerdings eine andere und darum gibt es natürlich auch jetzt wieder eine ganze Menge Dinge, für die einige Leute lieber noch einmal ihren Kopf benutzen sollten statt gleich zum Bagger zu greifen.

Tatsächlich bekommen wir es, wie es schon auf der letzten Info-Veranstaltung angekündigt wurde, mit tollen „Griffelpflastersteinmittelstreifen“ zu tun, die das Überqueren der Straße deutlich vereinfachen sollen. Immerhin zählten die Planer an mehreren Stellen bis zu 200 Fußgängerüberquerungen pro Stunde außerhalb der Ampelbereiche (Präsentation zweite Informationsveranstaltung vom 3.7.2014 – Seite 65) . Die Mittelstreifen werden nun dort eingeplant, wo die Straße verbreitert werden kann. An anderen Stellen wird die Straße verengt und dadurch eine Querungshilfe erreicht. Für Autos entsteht so ein „Rhythmus“, denn sie müssen schlängelnd durch die Straße manövrieren. Soweit so gut.

Human zu planen, heißt aber auch, nicht nur  an junge und knackige Mitbürger im besten Alter zu denken, sondern auch an die, die mit der schnellen Welt um uns herum nicht so klar kommen. Human zu planen, sollte heißen, auch an Kinder und alte Menschen zu denken. Gerade die Mittelstreifen werden, erst recht wenn tausende Leute sie nutzen werden, für Kinder zur Gefahr. Sie werden wahrscheinlich dazu verleitet, die Fahrbahn noch eher zu betreten als es heute der Fall ist. Will man als Eltern den verkehrserzieherischen Verpflichtungn nachkommen, bleibt, wie alten Menschen wahrscheinlich auch, nur der diskriminierende Umweg zur nächsten Ampel.

Ein oder zwei zusätzliche Bedarfsfußgängerampeln (die dann aber auch pronto umspringen!) in den Straßenabschnitten (und Zebrastreifen dort, wo der Bus nicht mehr fährt) würden die Sache ganz schnell ganz anders aussehen lassen: Autos MÜSSEN hier halten, einen sichereren Überweg gibt es nicht. Für den Bus wird ein Busbeschleuniungssensor angebracht. Geht ja gerade überall woanders auch…

Frau Piening vom Bezirksamt antwortete auf meinen entsprechenden Hinweis dass man ja eben an die Fahrbahnverengungen gehen könne, wo man alles überblicken könne. Mit Theorie und Praxis ist das aber immer so eine Sache. Eine konkrete Antwort zu meinen Bedenken schon mal gleich gar nicht.

Der Taxistand kommt in den Heußweg gegenüber von Karstadt und Stadtradstationen dafür vor den Wurstgrill sowie an die Bushalte Schulweg. Ansonsten kommen schicke neue Bänke und Gehwegsteine in schöner Optik samt neuen trapezartigen Einfassungen um die Bäume, auf denen man, das wurde nicht so ganz klar, eventuell auch sitzen kann. Keine Frage – der Fußgänger ist, als der am häufigsten dort vorkommende Verkehrsteilnehmer, auf jeden Fall ein Gewinner. 

Die Pseudoverlierer Autofahrer büßen zwar ein wenig Platz ein und müssen diesen noch dazu mit den Radfahrern teilen, aber da sie ja mit Knautschzone und oftmals einem ganz anderem Selbstverständnis unterwegs sind dürfte klar sein, wer, trotz auf dem ersten Blick besserer Konditionen, die wahren Verlierer sein dürften: Alle diejenigen, die sich mit dem Rad bewegen. Nicht einmal durchgängige Schutzstreifen gibt es, Fahrradstreifen schon mal gleich nirgends. Dafür wird an allen Kreuzungen bis auf an der Methfesselstraße das indirekte Abbiegen eingeführt. Radfahrer brauchen also, wenn sie regelkonform abbiegen wollen, doppelt so viel Zeit wie Autofahrer und doppelt soviel Zeit als heute, wenn sie auf der Straße fahren. Das mag an großen Straßen vielleicht ganz sinnvoll sein, aber hey, dies ist nur die Osterstraße! Warum nicht den Radfahrer-Halteplatz komplett durchgezogen vor der Haltelinie der PKW’s – an Kreuzungen wie Hellkamp oder Schwenckestraße?!? Warum sagt keiner was? Wo bleibt der Aufschrei? Wollten die GRÜNEN nicht kämpfen, wenigstens für’s Rad, ein bißchen? Und ADFC schluckt nur mal kurz? Warum geht dieser „Skandal“ eigentlich nicht durch die Presse? Ist euch denn all dies plötzlich egal? Und das, obwohl der Wahlkampf beginnt?!

Das ist noch immer nicht alles, schließlich wird die Osterstraße in Zukunft sogar grüner werden. 3 Fällungen sind unvermeidlich, dafür denken die Planer aber tatsächlich auch einmal nachhaltig, denn bis zu 40 Bäume werden neu gepflanzt, ein großer Teil davon gleich auf die bisweilen sogar begrünten Mittelstreifen.

Was soll man nun davon halten?
Es wird sich zeigen müssen, wie sich diese „Designer-Straße“, die eigentlich keine solche sein will, nach dem Umbau in der Praxis bewähren wird. Es ist klar, dass diese Straße in Zukunft nicht mehr die gleichen (KFZ) Verkehrsmengen aufnehmen kann wie früher, dafür sorgt die Verlangsamung durch all die fleißig querenden Fußgänger und die verengten Stellen schon ganz von alleine – das ist auch gewollt. Die heutige Durchschnittsgeschwindigkeit, die bei etwa 40 Km/h liegt, dürfte sich noch mehr in Richtung Tempo 30 verschieben. Sehr kritisch dürfte es aber werden, wenn Lieferfahrzeuge oder Wildparker meinen, sich auf die Radschutzstreifen stellen zu müssen. Dann wird es richtig eng und der Kampf beginnt. Rechts ein LKW, kurz davor donnert gerade jemand die Autotür beinahe an die Rübe und in der Gegenrichtung steckt der Bus fest. Da steckt die geballte Ladung Konfliktpotenzial drinnen,  brauchen vor allem Radler ordentlich Nerven…

Sehr interessant jedenfalls ist die Tatsache, auf wie wenig Widerstand die geplante Halbierung der Parkplätze an der Osterstraße gestoßen ist. Die Planer – und auch das Amt – scheinen immerhin erkannt zu haben, worauf es in Zukunft vor allem ankommt, nur trauen sie sich einfach nicht (vielleicht dürfen sie auch noch nicht), den Weg konsequent zu Ende zu denken und zu gehen. Sollte es zu großes Konfliktpotential nach dem Umbau geben und deshalb nachgebessert werden müssen, wird es nur sehr schwer politisch vermittelbar sein, warum ausgerechnet an dieser Straße der den Fußgängern gerade neu gegebene Platz gleich wieder abgeknappst werden sollte. Da geht’s dann anderen platzmäßig an die Gurgel. Auf wundersame Weise wird sich auch dann noch irgendwo in Milliönchen auftun, um damit dann das einzig Richtige zu tun.

Denn „Osterstraße autofrei!“ war und ist die beste Alternative für Eimsbüttel, für Fußgänger UND Radfahrer, für die es sich lohnt sich weiter und offensiv einzusetzen! Neue, schöne und Schatten bringende Bäume sind ja dann schon in weiser Vorhersehung in die Mitte der dann autofreien Zone gepflanzt worden……

 

Die ganze Präsentation der letzten Informationsveranstaltung inklusive der Vorentwurfspläne gibt es hier vom Bezirksamt Eimsbüttel.

Einen recht ausführlichen Bericht über die Versammlung gab es in den Eimsbütteler Nachrichten („Osterstraße mit Rhythmus“, 29.10.2014)

 

 

 

 

 

Was Köln kann, kann auch Eimsbüttel – oder?

Schon zum  zweiten Mal fand am 31. August in Köln-Ehrenfeld ein autofreier Tag statt. Erfolgreich wurde ein buntes Fest gestartet, in dem die Menschen aus dem Viertel im Mittelpunkt standen und eingeladen wurden, Sofas und Tische auf die Straße zu stellen und es sich gemütlich zu machen.
Bremen kann es auch. „autofreier StadTraum“ nennt sich die Veranstaltung, die am 21. September von 11 – 18 Uhr an der Weser stattfindet.

In etwa so etwas stellt sich auch „Osterstraße autofrei!“ für Eimsbüttel vor. Möglichst ein paar Tage eine Straße nur für die haben, die sie am meisten nutzen – die Menschen aus Eimsbüttel, Fußgänger, Radfahrer und Kinder. „Ein paar Tage“ aus einem einfachen Grund: Ein Tag kann Event sein, die anderen wäre die Osterstraße schlicht und einfach mal autofrei.

Das muss kein Wunschtraum sein – es ginge tatsächlich. Zusammen mit vielen ließe sich eine tolle Sache planen und umsetzen. Mit Initiativen von vor Ort, Vereinen, Anwohnern und allen anderen Begeisterten könnte die Straße für ein paar Tage „umgestaltet“ werden. Etwas Besseres, um zu zeigen, dass eine autofreie Osterstraße tatsächlich erstrebenswert ist und dass sie auch funktionieren würde, gibt es nicht!

Was es aber offenbar gibt, wäre Unterstützung und Know How von Profis, die die Sache von der ersten Idee bis zur Umsetzung begleiten würden. Voraussetzung dafür ist nur eines:

Es braucht einen kleines Team von Enthusiasten, die bereit sind, die Aktion treiben und pushen zu wollen. Ich wäre natürlich dabei, ebenso haben schon „1,75“ weitere Leute ihre Bereitschaft signalisiert, mitmachen zu wollen. Trotzdem suche ich noch etwa 2 bis 3 weitere Leute, die Lust und Zeit haben, sich der Sache anzunehmen. Nur dann wird es möglich sein, Aufgaben auch unter sich aufteilen zu können ohne dass ein oder zwei Leute alles alleine schultern müssten, worauf ich auch keine Lust habe.

Also: Ohne eine  initiative Treibergruppe ist die Idee von Beginn an zum Scheitern verurteilt.
Köln kann’s, Eimsbüttel nicht? Ganz schön blöd, oder?

GRÜNE – habt mehr Mut!

Heute groß in der taz – Städte für Menschen und Räder“ (taz hamburg, 12.9.2014). Die GRÜNEN hatten Klaus Bondam, den ehemaligen technischen Bürgermeister der Stadt Kopenhagen eingeladen und sich anhören müssen, dass „Städte für Menschen gestaltet werden müssten – nicht für den Verkehr“. Richtig so! Genauso argumentiert „Osterstraße autofrei“ von Anfang an.

Warum dann nur Wahlkampf damit machen und nicht schon jetzt deutlich mehr dafür tun? In Kopenhagen geht es nicht nur um neue Wege, den Radverkehr zu fördern, sondern ebenso darum, den Fußgängerverkehr auf Trab zu bringen. Bitte, vergesst das nicht!

Gerade die so belebte und stark frequentierten Osterstraße könnte eigentlich ein toller Testfall werden. Für zukunftsweisende Stadtplanung. Sowohl für Radfahrer als auch für Fußgänger, die nachweislich kurz unter der sagenhaften 100% Marke aller Passanten kratzen. Das ist doch enorm!

Noch ist hier nichts in Asphalt gegossen, noch immer könnte vieles möglich sein, wenn rechtzeitig umgesteuert wird und politisch aktiv dafür gekämpft werden würde. Oder wollt ihr euch mit fragwürdigen Schutzstreifen, seltsamen Mittelstreifen und auch in Zukunft den wenigsten Platz für die Menschen an dieser Straße zufrieden geben?
Zeigt, dass ihr deutlich mehr wollt und zeigt es schon jetzt! Eine bessere Möglichkeit dafür, zu zeigen, dass ihr es tatsächlich ernst meint und es sich nicht nur um Wahlkampfgetöse handelt, werdet ihr nicht haben! Nicht noch eine neue Fuhlsbütteler Straße in Hamburg, die aufwendig umgestaltet wird und am Ende doch wieder vor allem eines flüssig macht – den Autoverkehr. Unterstützt die autofreie Osterstraße – mit Taten, nicht nur mit Worten!

Autogerechte Stadt ist Stadt von gestern

schwenckestrasse
Gutes Leben könnte so einfach sein….

Das erste, was ich tat, als ich die Idee zu „Osterstraße autofrei“ hatte, war, diverse „Gute Gründe“ aufzuzählen, warum die Osterstraße im Rahmen des geplanten Umbaus zu einer autofreien Zone werden sollte. Ende März 2014 verfasste ich diese Liste, die insgesamt 13 Punkte beinhaltet. Diese Liste habe ich alleine zusammengestellt, ohne dass irgendwer oder etwas mir „reingeredet“ hätte. Gleiches gilt für „Keine Parkplätze = Kunden weg?“, meinem Versuch, die Geschäftsleute von der Idee einer autofreien Osterstraße zu überzeugen. Als ich all das schrieb, hatte ich von Einem allerdings noch nie etwas gehört. Auf ihn bin ich erst jetzt gestoßen, weil mich dieses spannende Thema immer mehr interessiert. Auch wenn ich alles andere als ein Profi-Stadt- und Verkehrsplaner bin, so ist es doch erstaunlich, vieles von dem, was ich in meiner Liste aufgeführt habe, so oder in ähnlicher Form jetzt wieder zu lesen. Denn alles, was man braucht, um auf derartige Gedanken zu kommen, ist nichts weiter, als ein wenig gesunder Menschenverstand gepaart mit dem Wissen um die Tatsache, dass es immer auch anders und meist sogar besser geht.

Der Mensch, den ich meine, ist der in Kopenhagen lebende Däne Jan Gehl. Der heute 77 jährige ist Architekt und Stadtplaner – und weltweit gefeierter Star, wenn es darum geht, den Menschen wieder zurück in den öffentlichen Raum zu holen – oder besser: Den Menschen wieder Raum zu geben. Seit Jahrzehnten arbeitet der Däne daran, Stadt neu zu denken und zu gestalten. Dass Kopenhagen heute da ist, wovon viele andere nur träumen, liegt zu einem großen Teil auch an ihm.
Seine wichtigste Leitlinie ist dabei immer das „menschliche Maß“ und der „menschliche Blickwinkel“. Erst wenn man die Stadt aus diesem Blickwinkel betrachtet, wenn man studiert, wie Menschen sich verhalten und bewegen, wenn man im 5 Km/h statt im 60 Km/h Maßstab plane, kommt man tatsächlich zu Ergebnissen, in denen der Mensch im Mittelpunkt steht. Erst wenn man den Menschen als die wichtigste Komponente in der Stadtplanung sieht, bekäme man eine lebenswertere, sichere, nachhaltigere und gesündere Stadt, meint der Däne.

Gehl ist Experte darin, Städte von gestern, die von Modernismus und Motorisierung geprägt sind, in Städte von morgen zu transformieren. Weg vom Gedanken, in Straßen für Autos ein Allheilmittel zu sehen, weg davon, fremde Energie statt eigene für das eigene Fortkommen nutzen zu müssen. Ebenso allerdings auch weg von dem Gedanken, Hochhäuser seien gut für den Menschen. Hin zu einer humanen Stadt, die den Menschen das (zurück)gibt, was dieser für ein gesundes und glückliches Leben braucht: Platz dafür, um das zu tun, was des Menschen natürlichste Sache ist – zu laufen, Rad zu fahren, sich mit anderen Menschen zu treffen und austauschen zu können. „Heute haben wir den Beweis, dass die lebenswertesten Orte mit den glücklichsten Menschen die Städte sind, die nett zu ihren Fußgängern sind„, stellt Gehl fest.

Nun, was hat das mit der Osterstraße zu tun?
Eine ganze Menge!

Hier geht es nämlich um eine Straße, die inmitten eines beliebten und quirligen Viertels liegt. Hier geht es um eine Straße, in der beinahe 90% aller Passanten nicht mit dem PKW an diese Straße kommen, sich allerdings offenbar auch weiterhin mit dem wenigsten Platz zufrieden geben sollen. Es geht um eine Straße, an der zuweilen bis zu 200 Fußgängerquerungen je Stunde abseits der Ampelübergänge gezählt werden. Hier geht es um eine Straße, von der Bezirk und Planer in der Tat sehr viele sehr interessante Zahlen haben [Auswertung Bürgeranregungen Juni 2014, PDF Download, 887 KB] , die, so Jan Gehl, den Planern andernorts oftmals so nicht zur Verfügung stehen würden, dafür aber umso öfter nur die Zahlen, die den motorisierten Verkehr betreffen würden. Hier ist jede Menge Einzelhandel ebenso wie ein breites Gastronomie Angebot vorhanden, die sicherlich mehr als profitieren werden, würde diese Straße wieder den Menschen zurückgegeben werden. „Wir alle leben in einem kapitalistischem Wirtschaftssystem“, sagt Gehl. Trotzdem würden sich immer mehr Städte für eine Mobilitätswende öffnen. Dies würde nicht geschehen, wenn es kein gutes Geschäft wäre. „Geschäftsleute sind im Allgemeinen bloß etwas konservativ, sie wissen, was sie haben, und sind ein wenig unsicher, wenn es um die Zukunft geht. Bei jeglichen Veränderungen sind sie daher eher sehr kritisch, und danach hört man nichts mehr. Ich habe das schon sehr oft erlebt“, sagt Gehl. „Je lebenswerter eine Stadt ist, umso besser ist sie für die Wirtschaft“.

Die Wiener Zeitung hat Gehls Ansichten zu der Frage, wie Städte in menschenfreundliche Lebensräume umgewandelt werden können, in 8 Thesen dargestellt: „Wohnzimmer gestalten, nicht Korridore“, Wiener Zeitung, 1.7.2014

Immer wieder verweist Gehl auf seine Heimatstadt Kopenhagen, die vor 50 Jahren begann, den Autoverkehr wieder auf die Hauptstraßen zurückzudrängen. Inzwischen gilt die Stadt als eine der fahrrad- und fußgängerfreundlichsten Städte der Welt und sie hat gelernt, dass die Vorteile klar überwiegen. Die menschenfreundliche Politik, was den öffentlichen Raum und die Verkehrspolitik betrifft, wurde selbst von einem rechtsgerichteten Bürgermeister nicht mehr zurückgenommen, so sehr sei diese Art der Politik mittlerweile fest etabliert. Hier gebe es deswegen schon lange keinen Aufschrei mehr, „höchstens, wenn mal wieder ein paar Parkplätze weggenommen werden“. Dabei gibt es natürlich auch in Kopenhagen Autos. Es geht also auch abseits von „entweder oder“. Der Platz für fahrende und parkende Autos wurde allmählich verringert. Ebenso wurden Beschränkungen eingeführt, um sicherzugehen, dass sie langsamer fahren und an den wichtigen Plätzen nicht zu zahlreich sind. Über 100.000 m² Straßenfläche sind allein im Zentrum Kopenhagens autofrei – womit wir wieder an der Osterstraße wären.

Hier scheint nämlich schlicht zu fehlen, was Gehl zufolge unabdingbar für eine erfolgreiche Verkehrswende ist: Leute mit Visionen. Noch genauer: Politiker, Bürgermeister, Bezirkschefs mit Visionen. Haben wir nicht in Thorsten Sevecke sogar einen passionierten Fahrradfahrer als Bürgermeister vom Bezirk Eimsbüttel? Warum kommen dann keine Impulse von ihm? Weil er in der SPD ist? Weil er nicht „darf“? Weil er meint, dass sich das tolle Eimsbüttel nicht mit so „popeligen“ Städten wie Kopenhagen, Melbourne, New York, Wien, Zürich, Vancouver, Rom und Moskau messen lassen muss, die auch unter Gehls Hilfe erfolgreich dabei sind, sich zu transformieren? Dabei wohnt Herr Gehl gar nicht mal so weit entfernt. Könnte man ihn denn nicht mal einladen? Sich einen Rat holen?

Dabei muss man gar nicht unbedingt nach Kopenhagen schielen, wenn es auch an der Elbe so viele engagierte normale Bürger gibt, die teils visionäre Ideen haben. Viel darüber ist z.B. auf Next-Hamburg zu sehen, auch in der stadteigenen Stattwerkstatt   “Zufußgehen und Fahrradfahren sind Ausdrucksformen eines urbanen Lebenstils” in Stadtwerkstatt 4, Hamburgs mobile Zukunft [PDF Download, 804 KB] gibt es aufschlussreiches zu lesen. Und – ja, selbst an der Osterstraße haben viele Menschen ihre Ideen und Wünsche, von denen viele sogar sehr vorbildlich sind, zu Protokoll gegeben [PDF Download, 870 KB]. Ganz zu schweigen von all den Menschen, die die Petition für eine autofreie Osterstraße unterschrieben haben. Die Ignoranz, die die SPD an den Tag legt (siehe „Hamburg bald autofrei!“), ist nicht nur eine Riesenschweinerei – sie ist geradezu unerträglich und einer Stadt wie Hamburg absolut unwürdig! Die SPD scheint sich entschlossen zu haben, leider nur eine Partei von gestern zu sein.

Die GRÜNEN dagegen haben Jan Gehl offenbar für sich entdeckt. Im aufziehenden Wahlkampf versucht Till Steffen, seine Partei mit Gehls Thesen anzustecken, weil auch er meint, darin den Schlüssel für viele Probleme Hamburgs erkannt zu haben. Melbourne soll Hamburg als Vorbild dienen – 25.2.2014 Hamburger Abendblatt [€] Man darf gespannt sein, wie ernst es die GRÜNEN damit am Ende tatsächlich meinen, ob sich wirklich einiges ändern wird, es bei plumpen Rad- und-Schutzstreifen-auf-die-Fahrbahn-Malerei bleibt oder deutlich mehr dahinter steckt. Einen besseren Zeitpunkt als gerade jetzt, mit dem Umbau der Stadt tatkräftig zu beginnen, wird es wohl – wie Steffen es selbst erkannt hat und darlegt „Hamburgleben – von Kopenhagen lernen“ [PDF Download, 97 KB] , so schnell kaum wieder geben. „Osterstraße autofrei“ drückt jedenfalls alle Daumen.

Bis dahin muss sich Hamburg aber erstmal weiterhin mit der menschenfeindlichen Verkehrspolitik arrangieren, der gerade vorgestern wieder ein Mensch in Hamburg zum Opfer gefallen ist („LKW überrollt Radfahrerin“, BILD, 8.9.2014). Damit sind in dieser Stadt allein von Jahresbeginn an mindestens 13 Menschen auf unseren Straßen gestorben. In der dänischen Metropole dagegen werden z.B. Fußgängerwege mittels Schwelle durchgehend über Kreuzungen und Einmündungen gezogen, so dass Fußgänger und Radfahrer den Gehsteig nicht verlassen müssen, wenn sie die Kreuzung queren wollen. Was muss hier noch alles passieren, damit der Wind sich endlich dreht???

Vielleicht ist Gehl’s Idee ja gar nicht so schlecht, wenn er sagt: „Bauen Sie für die Menschen und Sie können alle Probleme lösen!“

 

 Mehr Informationen
Copenhagen’s Car-Free Streets & Slow-Speed Zones (7-Minuten Film, in denen Gehl und andere Kopenhagens autofreie Straßen vorstellen)

„The Human Scale“ – Wie soll man Städte bauen? Der Filmemacher Andreas Dalsgaard nimmt uns mit auf eine faszinierende Städtereise quer durch die Welt, von Kopenhagen nach Melbourne, Chongqing und Christchurch – auf den Spuren des dänischen Architekten Jan Gehl. 2012, DVD, 83 Minuten, OmU, Vorschau hier

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www.gehlarchitects.com

Bücher:
Städte für Menschen„, 2014, jovis Verlag
„Leben zwischen den Häusern“ (1971) , „Cities for People“ (2010), „How to study public life“ (2013)

Interviews mit Jan Gehl:
„Bauen für Menschen“ – fairkehr Magazin 6/2010„Gute Bedingungen zum Gehen und Rad fahren sind Voraussetzungen für einen guten Öffentlichen Verkehr“
– VCÖ Mobilität mit Zukunft, 2014
Stadt der Zukunft – Wien, 2014, sehr umfangreich und lesenswert, 12 Seiten [PDF Download, 165 KB]
„Die Menschen in Bewegung setzen“ – brandeins 12/2014

 

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Unterschriften im Zielhafen

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Eimsbüttels Bezirksamtsleiter, Dr. Torsten Sevecke, Kai Ammer

Geschafft!
Heute um 17.00 Uhr habe ich die gesammelten Unterschriften der Online-Petition „Osterstraße autofrei!“ im Bezirksamt Eimsbüttel übergeben. Bezirksamtsleiter Dr. Torsten Sevecke hat sie in zweifacher Ausführung (das zweite Exemplar ist für Herrn Pröwrock, dem Leiter des Fachamtes Management öffentlicher Raum) persönlich entgegen genommen.

Ob ich denn nun die 10.000 zusammen bekommen hätte, scherzt er, als ich in seinem Büro stehe. Nicht ganz, aber immerhin 530. Für eine in solcher Weise natürlich schon recht radikalen – aber auch sehr sinnvollen – Forderung sind 530 Unterschriften aber dennoch eine ganze Menge.

Die meisten Unterzeichner kommen dabei auch tatsächlich aus dem Stadtteil Eimsbüttel, das sind 54,7% . Allein 31 Unterschriften kamen direkt von Personen, die an der Osterstraße wohnen. Der Hamburg-insgesamt-Anteil liegt bei 88,3%. Nur 11,7% kommen von außerhalb, die meisten hiervon aber aus dem direkten Hamburger Umland. Einige Unterzeichner kamen sogar aus dem Ausland, allerdings haben diese zumeist einen Bezug zu  Stadtteil.

Den Unterschriftenlisten angehängt habe ich einen Brief an die beiden Empfänger, in dem ich kurz noch einmal erläutert habe, wofür ich die Aktion gemacht habe:

„Diese Aktion soll Ihnen den Rücken stärken, mit mehr Mut die weiteren Planungen sowie den Umbau der Osterstraße voranzutreiben. Für eine wirklich positive Veränderung des Zentrums von Eimsbüttels, für wegweisende Entscheidungen, mehr Nachhaltigkeit und Innovation.“

Bleibt zu hoffen, dass diese Aktion einen wie auch immer gearteten Eindruck im Bezirksamt hinterlassen hat und dass sie vielleicht auch nicht umsonst gewesen ist. Warten wir es ab.

Ich werde jetzt sicher ruhiger werden, die letzte Zeit war schon auch anstrengend, mit 2 kleinen Kindern, Arbeit, Familienleben. Ich denke dennoch, dass dieses Thema irgendwie gesetzt ist. Gerade jetzt werden Fahrradstraßen geplant, neue Wege eröffnet, ist viel in den Zeitungen zu lesen. Es wäre toll, wenn andere die Sache weiter am kochen halten, hier in Eimsbüttel und auch anderswo, schließlich gibt’s noch jede Menge „andere Osterstraßen“ in Hamburg. Es gibt viel zu tun.

Trotzdem werde ich am Ball bleiben, die weitere Entwicklung verfolgen und auch diese Seite weiter lebendig halten. Meldet Euch auch gerne, wenn ich Dinge übersehen sollte bzw. es sonst berichtenswertes zu autofreien Zonen in Hamburg geben sollte.

Ein herzliches Dankeschön an alle Unterstützerinnen und Unterstützer, die „Osterstraße autofrei“ unterzeichnet haben und besonders auch an alle, die unermüdlich mit mir Flyer verteilt haben. Danke auch an die Mitstreiter, die mich in der letzten Phase ganz toll unterstützt haben! DANKE! Ihr seid super! Weiter so!
Irgendwann wird das schon………….