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Protokoll des Jammers

‚Nicht können, nicht wissen, nicht wollen‘ – das in etwa ist kurz gesagt das Bild, welches der Bezirk Eimsbüttel und die planenden Firmen auf der letzten allgemeinen Informationsveranstaltung am 3.7.2014 im Hamburg Haus dem Publikum abgeliefert hat. Auf Osterstraße autofrei! hat es dazu bereits einen recht schonungslosen Kommentar eines Insiders gegeben, der die größten Mängel ganz klar benannte. Für alle, die damals nicht anwesend waren, gibt es jetzt endlich die Möglichkeit, im Protokoll [PDF Download, 205 KB] die Veranstaltung noch einmal nachzuholen.

Es grenzt schon an ein starkes Stück, wenn der Bezirk sagt, was er nicht kann und wofür er nicht zuständig ist, z.B. die Idee eines autofreien Abschnittes überhaupt einmal ernsthaft prüfen zu wollen. Weil dafür ja gar nicht der Bezirk, sondern die Verkehrsbehörde zuständig sei. Die Verkehrsbehörde mit dem Anliegen vielleicht auch nur einmal zu konfrontieren übersteigt ganz offenbar das Vorstellungsvermögen der Damen und Herren im Bezirksamt.

Ein ebenso dolles Ding ist es, wenn die Planer behaupten, der größte Teil des Durchgangsverkehres seien Anlieger der umliegenden Quartiere, die schlicht anders nicht ihr zu Hause erreichen könnten ohne die Nebenstraßen zu verstopfen. Auch hier scheint der Fantasie-Horizont arg begrenzt zu sein. Natürlich ist es möglich, die Autobahn, Lokstedt, Nord-Eimsbüttel und Stellingen anders zu erreichen. Klar, der schöne Schleichweg wäre weg. Ein paar neue Schilder rechts und links könnten sicherstellen, dass möglichst nicht in Nebenstraßen ausgewichen wird. Da sind wir wieder bei der Verkehrsbehörde – und die scheint, zumindest für das Bezirksamt und die Planer in einer anderen Galaxie zu wohnen. Wie sonst ist es zu erklären, dass sich der Bezirk sogar außerstande sieht, zumindest eine testweise Sperrung der Osterstraße zu veranlassen bzw. zu prüfen? Traurig, sehr traurig!

Die Einbeziehung der Bürger scheint nun offenbar auch komplett gelaufen zu sein, ergo: „Nun können wir ja durchstarten mit dem, was wir eh längst wollen!“ Zum Thema Bürgerbeteiligung sei hier noch einmal der Hinweis auf einen Kommentar im Elbe-Wochenblatt genannt in dem es um die „Bürgerbeteiligung“ am Isebek-Grünzug ging. Im Kommentar dazu geht’s aber um Bürgerbeteiligung im Allgemeinen bzw. darum, was offenbar mit „Bürgerbeteiligung“ unter Scholz‘ SPD gemeint ist. Nach der Lektüre (und vor allem auch nach einem Besuch der angegeben Links dort –  jeweiliges Impressum nicht vergessen!) lässt sich das Gebaren des Bezirksamtes deutlich besser verstehen. Lassen wir uns nicht für dumm verkaufen! Bald ist Wahl, mal sehen, was sich da vielleicht noch dem einen oder anderen Politiker entlocken lässt. Bis der obere Teil der Osterstraße tatsächlich umgebaut wird, ist’s bekanntlich noch ein langer Weg…. 

+++ Wir sind 500! +++ Presse +++ Präsentationen +++

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Flyer vor der Informationsveranstaltung im Hamburg Haus am 3.7. – Initiator Kai Ammer (rechts) und Mitstreiter Thomas Baehr    Foto: Carsten Vitt, Elbe-Wochenblatt

Wow, wer hätte das gedacht – seit zwei Stunden haben stolze 500 Leute unterzeichnet! 500, die fordern, die Osterstraße autofrei zu machen. 500, von denen viele Kommentare geschrieben haben, warum sie diese Idee unterstützen. 500, die allermeisten aus Eimsbüttel. 500 – und in einer Woche werden wir noch mehr sein. Das ist schon jetzt ein deutliches Signal an die Politik in Eimsbüttel. Zum Vergleich: In den Bürgerinformations- und „Wünsch-dir-was“ Container an der U-Bahn kamen gerade mal 149 Menschen… Für diesen Erfolg möchten wir uns schon jetzt bei Euch herzlich bedanken! Wenn es so weiter geht, allein fast 100 an einem Tag, kratzen wir zum Ende der Woche und dem Ende der Petitionslaufzeit womöglich an der 1000er Marke. Traumhaft! Also – heute Abend WM genießen und dann mit Vollgas ins Finale auf der Osterstraße autofrei!

Neue Presse gibt’s auch. Das Elbe Wochenblatt hat einen Artikel über die letzte öffentliche Informationsveranstaltung veröffentlicht. Osterstraße autofrei ist mit an Bord.

Auch das Bezirksamt lässt sich nicht lumpen und veröffentlicht, wie angekündigt, die Präsentationen der letzten Informationsveranstaltung vom 3.7.2014. Für alle, die nicht anwesend waren, eine gute Gelegenheit, versäumtes trotzdem nicht verpassen zu müssen. Hier sind (werden) auch die Protokolle der Diskussionen im Anschluss der Veranstaltungen hinterlegt. Interessant: Hier sind jetzt auch die detaillierten Ergebnisse der Bürgerbeteiligung veröffentlicht worden! [PDF Download, 0,8 MB]

Jämmerliches Bild! Insider-Kommentar zur Informationsveranstaltung am 3.7.2014

Dieser Kommentar stammt von einem anonymen Unterstützer

Die Eröffnung der Veranstaltung durch den Bezirksamtsleiter, Herrn Dr. Torsten Sevecke, ließ aufhorchen und spannendes erwarten. Eine Chance, die nur alle 50 Jahre möglich sei, würde hier geboten. Wow, was für eine Aussage.

Was danach präsentiert wurde ist ob der geweckten Zuversicht, eine zukunftsorientierte Planung anzustreben, als reine Enttäuschung zu bezeichnen.

Das gezeigte und sogar wörtlich betonte, ist eine reine Bestandspflege, die alte Hüte der Stadt-, Landschafts- und Verkehrsplanung beinhaltete. Wo ist hierbei, wie von der Aktion „Osterstraße autofrei“ und von den Besuchern richtig angemerkt, der Raum für kreative, innovative Konzepte?

Auch die Wahl der Auftragnehmer, steg und weitere, lässt vermuten, dass man es sich einfach machen will und nach Schema F verfährt. Experimente sind nicht gewünscht und man geht lieber den unaufgeregten Weg.

Die steg bspw. ist zwar sehr professionell in ihrem Auftreten aber lässt Innovation und Kreativität arg vermissen. Auch die Wahl der anderen Büros, alle mit Referenzen aus Hamburg, zeigt die Ideenlosigkeit des Bezirks. Aber man weiss wahrscheinlich, was man hat.

Das schwache Bild sowie das ausweichende Auftreten der Bezirksamtsvertreterin zu Nachfragen aus dem Publikum zu den eigentlich zu behandelnden Fragen des ‘Stadtraums Osterstrasse’ ist einer moderneren Verwaltung nicht mehr sachgerecht. So wurde u.a. seitens der Bezirksamtsvertreterin lediglich auf andere Fachplanungen (Stadtplanung, Verkehr, …) verwiesen ohne entsprechende Angebote zu machen, diese Fragen durch die Fachämter beantworten zu lassen. So funktioniert Verwaltung heutzutage nicht mehr. Ein bürgernaherer Service wäre sehr wünschenswert.

Die einzige Ehrenrettung die man dem Bezirk evtl. zugestehen kann, ist das schmale Budget von 7 Millionen Euro. Damit macht man bei solch einem Projekt wahrscheinlich keine großen Sprünge.