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Butter bei die Fische, liebe GRÜNE und adfc Hamburg

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Seit zwei Jahren arbeitet der rot grüne Senat an der „Fahrradstadt Hamburg“. Extra dafür wurde ein Behördenbündnis Namens „Bündnis für den Radverkehr“ geschlossen und eine „Radverkehrsbeauftragte“ installiert. Seitdem wurde und wird an vielen Stellen in dieser Stadt für die Radfahrenden gebaut – mit einem ernüchternden Ergebnis. Geradezu als schallende Ohrfeige kann man die Resultate des aktuellen Fahrradklimatests 2016 bezeichnen, der vom Fahrradclub adfc in Auftrag gegeben und vor wenigen Tagen veröffentlicht wurde. In Hinblick auf Fahrradfreundlichkeit mischt Hamburg kräftig mit – in hintersten Rängen. So muss sich unsere Stadt mit einem lausigen 31. Platz vergnügen, von 39.

In der Kategorie „Komfort“ kommt Hamburg bei der Frage „…sind Wege für Radfahrer/innen angenehm breit und erlauben ein problemloses Überholen langsamerer Radfahrer/innen“ auf die mangelhafte Note von 5,1. Nur dürftig besser sieht es in Sachen „Sicherheit“ aus: „Bei uns fühlt man sich als Radfahrer/in sicher“ – Note 4,6. Ebenso mangelhaft auch der „Stellenwert“: „Bei uns überwacht die Stadt bzw. Gemeinde streng, dass Autos nicht auf Radwegen parken“ – Note 5,3.

Alle Hamburg Ergebnisse können hier eingesehen werden:
http://hamburg.adfc.de/fileadmin/redaktion/Verkehr/Fahrradklimatest/2016/ADFC_Fahrradklima-Test_Hamburg.pdf

Da gibt es nichts schön zu reden und da nützt es auch nichts, dass Hamburg sich vom 35. auf den 31. Rang vergleichbarer Städte hochschrauben konnte. Das geht nämlich allein auf das hervorragende Einzelergebnis von StadtRAD Hamburg zurück.

Die Hamburger Grünen sollten die ihrigen Schlüsse aus den miesen Noten ziehen. Der Hamburger adfc hingegen sollte sich ernsthaft fragen, ob die von ihm gefahrene Linie so weiter haltbar ist. Immer wieder bekomme ich Nachrichten von Leuten, die vom hiesigen adfc frustriert und wieder ausgetreten sind. Die Interessen der Fahrradfahrenden zu vertreten sollte eindeutig mehr bedeuten, als diese scheinbar in erster Linie an den Bedürfnissen sicherer und schneller RadfahrerInnen anzupassen, die mit Mischverkehr auf den Fahrbahnen kein Problem haben.

Vor allem sollte der Hamburger adfc endlich anfangen wirklich gute und sichere Lösungen einzufordern, statt hinterher über derartige Ergebnisse zu jammern, wie wieder einmal gestern in der Morgenpost zu sehen war: „Fahrradklima-Test Das schlechte Zeugnis für die Radstadt Hamburg„. Mehr Mut von der Politik zu erwarten ohne selbst mutig voranzuschreiten – das passt einfach nicht.

Die Zeit der halben Sachen ist vorbei!

Fordert sichere und gute Radwege nach dänischem und niederländischem Vorbild – sicher und gut für alle Menschen von „3 – 99“.

Fordert Fahrradstraßen, die es am Ende auch wirklich sind und nicht wie hier oftmals weiterhin verkappte Durchgangsstraßen für den MIV.

Fordert Velo-Routen, die sicher und zügig zum Ziel führen und sich nicht in Zick-Zack-Kursen mit diversen Stopps erschöpfen.

Fordert „protected Bikelanes“ und Kreuzungsdesigns, welche Unfallzahlen minimieren können.

Stellt euch den tatsächlichen Herausforderungen, vor denen der Radverkehr in Hamburg steht. Unterstützt öffentlich und berichtet auch euren Mitgliedern gegenüber von den Aktionen „Radentscheid Hamburg“ und KURS FAHRRADSTADT.

Für KURS FAHRRADSTADT haben bis heute bereits 1.353 Menschen den offenen Brief an Bürgermeister Olaf Scholz unterzeichnet, um den politischen Druck von unten weiter aufzubauen. Täglich werden es mehr. Wer es noch nicht getan hat, mit „mangelhaft“ aber auch nicht wirklich zufrieden ist, sollte es gerne jetzt tun.
Offenen Brief unterzeichnen: www.change.org/p/kurs-fahrradstadt
Mehr Infos rund um KURS FAHRRADSTADT: https://kursfahrradstadt.wordpress.com

Neues aus der Fahrradstadt

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Ganz neu und mehr City geht nicht mehr. Trotzdem vergisst die „Fahrradstadt Hamburg“ sogar hier den Radweg. Nur gepennt? Oder sogar Sabotage?

Heute morgen, mein Blick geht ins Abendblatt, sehe ich schon auf der Titelseite, dass die GRÜNEN (Bezirk Nord) die Bürger ermutigen wollen, die Stadt zu verklagen, weil diese außer bis in alle Ewigkeit irgendwelche Pläne zu erarbeiten bisher nichts, absolut gar nichts unternimmt, den Kampf gegen die Luftverschmutzung endlich anzugehen. [„Grüne ermutigen Bürger: Klagt gegen schlechte Luft!“, Hamburger Abendblatt, 27. Oktober 2016 (googlen)] Das ist eigentlich eine gute Sache, das Problem ist nur, dass es da diese andere Kleinigkeit gibt. Die Stadt klagt nämlich gegen ein Urteil, das mahnt, zügig einen Luftreinhalteplan vorzulegen [„Senat ficht Urteil zum Luftreinhalteplan an“ Zeit Online, 4. August 2016]. „Die Stadt“ – das ist rot-GRÜN.

Wie arm ist das denn?! Wenn ich als GRÜNE Partei aus Koalitionsfriedensgründen gegen ein solches Urteil klage, welches übrigens der Bund für UMWELT- und NATURSCHUTZ Deutschland erwirkt hat, dann verbietet es sich schlicht, andere, wahrscheinlich sogar am besten die eigenen GRÜNEN-Wähler, die Drecksarbeit machen zu lassen, indem diese nun wieder gegen die Stadt (also gegen rot-GRÜN) klagen sollen. Ich habe diese GRÜNEN natürlich gleich mal darauf angesprochen:

tja, das ist eben 1 komplexer Prozess. Darum die Veranstaltung. Komm doch vorbei+diskutier mit:

Da gibt’s nix komplexes! Was ihr da macht, ist einfach krank. Und Verarsche. Sorry.

Es ist komplex, lasst uns diskutieren – soso. Das nennt man wahrscheinlich auch gleich die neue Bürgerbeteiligung 3.0.. So armselig zu scheitern und dann noch auf solche spitzfindigen Ideen zu kommen. Interessanter Ansatz. Und mit diesen Leuten soll Hamburg nun Fahrradstadt  werden?!

Und das, wo es ohnehin wieder gefährlicher geworden ist, auf hanseatischen Straßen als Radfahrer oder Fußgänger unterwegs zu sein? Entgegen fast allen anderen Bundesländern, in denen der Trend in eine andere, eine bessere Richtung zeigt? Das ist leider kein Witz, wie ganz aktuelle Zahlen es eindrucksvoll unter die Augen reiben. Allein vor wenigen Tagen gab es in Hamburg eine Serie heftigster und tödlicher Unfälle, die sicher den meisten Hamburgern, denen ihre Stadt nicht restlos egal ist, noch gut in Erinnerung sein müsste und die in den neuesten Zahlen nicht einmal enthalten sind. Traurig. Weit entfernt von „Vision Zero“. Alltag auf Hamburgs Straßen. #RadSkandal. [„Gegen Bundestrend: Zahl der Verkehrstoten in Hamburg nimmt wieder zu“, NahverkehrHAMBURG, 25. Oktober 2016] Dass so ganz nebenbei auch die Luft nicht besser wird – Stichwort Abgasskandal -, zeigt schonungslos die neue 44 minütige Doku „Das Märchen vom sauberen Auto“ des SWR. Auch wenn die Hauptfigur einen leicht naiven Eindruck macht – das Drumherum ist top. So lernen wir, dass auch die Bundesregierung schon vorher Bescheid wusste – und bis heute untätig bleibt.

Mit den GRÜNEN, die im Wahlkampf außer dem Wörtchen „Fahrradstadt“ nicht viel sagen konnten, die leider nicht das Verkehrsressort bekommen haben, nur eine Fahrradkoordinatorin installieren konnten, welche den Radverkehr (man höre und staune!) mitdenken will, soll nun alles besser werden. GRÜNE, die nun mitverantwortlich sind für vieles, was einfach nur noch Murks ist:
Schrägparkplätze an der neu gestalteten Fuhlsbütteler Straße hinter Schutzstreifen, teilweise keine Schutzstreifen mehr in der neuen Osterstraße, erst recht nicht, wenn man bald aus dem umgebauten Kreisel am Klosterstern in die abzweigenden Straßen abbiegen möchte oder eben, auch ganz neu, wie am Großen Burstah, mitten in der City, wo man den Radweg der einfachheithalber gleich ganz vergessen hat. Oder Fahrradstraßen, auf denen gefühlt alle 100 Meter angehalten werden muss (Uferstraße). Oder, oder, oder.

Dabei gibt es natürlich viel zu tun, wie es auch eine GRÜNE richtig erkannt hat. „Rausgeschmissenes Geld“ [Mopo, 19. Oktober 2016], nennt die GRÜNEN Sprecherin Julia Offen den geplanten Fahrradstraßen Umbau am Leinpfad und fordert, stattdessen lieber die Sierichstraße in Angriff zu nehmen. Da traue sich aber keiner ran. Recht hat sie. Auch die GRÜNEN trauen sich nicht und der Tweet von Julia Offen, der der Sache zugrunde liegt, wurde gelöscht. Alles klar?

Wir werden uns in den nächsten Tagen auch mit dem adfc-Hamburg Vorstand und einigen Verkehrsexperten zusammensetzen. Es geht darum, ob wir zu gemeinsamen Linien finden und sich auch der adfc Hamburg für KURS FAHRRADSTADT einsetzen kann. Da gibt es sicher sehr viele Gemeinsamkeiten. Aber auch einige Dinge, die wir ganz klar ganz anders sehen. Ein „Hauptknackpunkt“ stellt wahrscheinlich gleich unsere erste der fünf Forderungen dar, in der es heisst: Wir erwarten eine inklusive, geschützte Radwege-Infrastruktur nach besten Vorbildern“. Das passt noch nicht ganz zur Linie des Hamburger adfc’s, der nach wie vor auf das Radfahren auf der Fahrbahn setzt [„Was soll die Streifenmalerei“, adfc Hamburg, 28. 03. 2015]. Vor allem tut er es deshalb, weil es „auf dem Weg hin zu null Verkehrstoten und null Schwerverletzten (»Vision Zero«), dem eigentlichen Ziel des adfc,  größere Schritte notwendig wären – die sind aber politisch noch nicht durchsetzbar.“
Genau darum gibt es ja aber KURS FAHRRADSTADT. Weil wir nicht an das glauben, was durchsetzbar ist, sondern an das, was alles geht. Z.B. in Kopenhagen. „Wenn Sie bei einer fixen Fläche den Fahrradanteil erhöhen wollen, gibt es nur eines: Sie müssen dem Autoverkehr Raum wegnehmen“, sagt Mikael Colville-Andersen, CEO von „copenhagenize design“ im Zeit Artikel „Mach’s wie Kopenhagen“[Zeit Online, 16. 02. 2012]. Oder wie in den Staaten: Auch dort hat man gelernt, dass es eine deutliche Steigerung des Radverkehrs nur mit guten Radwegen, Bike-Lanes, gibt. 46% der der Befragten in einer Studie in Portland gaben an, dass sie viel öfter Rad fahren würden, wenn es eine physische Barriere zwischen Autos und Radfahrern gibt. [http://trec.pdx.edu/research/project/583]

In Deutschland stimmten in einer Umfrage der ZEIT Online 80% mit „Nein“ auf die schlichte Frage, ob „Sie sich sicher im Straßenverkehr fühlen“. [„Wo Radfahrer in ihrer Zone auf Grün warten“, ZEIT Online, 20. 10. 2016, am Ende des Artikels]

Vor diesem Hintergrund: Dagegen, einfach das Beste zu fordern, kann eigentlich keiner etwas haben. Auch nicht der adfc.

Neben dem Fahrradclub möchten uns auch gerne die Macher der „Fahrradsternfahrt Hamburg“ kennenlernen. Auch darüber freuen wir uns!

Es gibt noch ein paar Dinge, die erfreuen. So ist der Umbau der Osterstraße angeblich, so berichtet es der NDR, mit dem „Deutschen Verkehrsplanungspreis“ ausgezeichnet worden. Auch das Hamburger Abendblatt lässt sich nicht lumpen und macht aus einer Anerkennung einen Preis. Normal für Hamburg, wo ohnehin alles immer in Superlativen gedacht wird? Den Preis hatten aber nicht die Ingenieure  von ARGUS gewonnen, sondern die Stadt Kassel mit dem „Ausbau der Frierich-Ebert-Straße – Von der Verkehrsachse zum Boulevard“. Die Jury votierte sogar einstimmig.

Zum Schluss noch etwas richtig Schönes:
Wir haben bereits drei prominente Unterzeichner hinter KURS FAHRRADSTADT versammeln können: Prof. Dr. Alexander Bassen von der Universität Hamburg. Bassen ist Mitglied im „Rat für NACHHALTIGE Entwicklung“ der Bundesregierung. https://www.nachhaltigkeitsrat.de/der-rat/mitglieder-des-rates/prof-dr-alexander-bassen/

Schön auch, dass der Umweltwissenschaftler Mathias Lintl KURS FAHRRADSTADT unterstützt. Bekannt wurde er vor allem auch durch den Betrieb der Soulkitchenhalle 2010 – 2013 als freien Kunst – und Kulturort. Aktuell betreut er das Projekt „Refugium für urban gestresste Menschen“ in Hamburg Neuenfelde.

Gerade haben wir uns sehr gefreut, als gestern der Schauspieler und bekennende Radfahrer Peter Lohmeyer KURS FAHRRADSTADT unterzeichnet hat und nun zu unseren prominenten Unterstützern gehört. „ich unterschreibe, weil ich mich ohne große Sorgen auf mein Fahrrad schwingen möchte, immer die Nase im Wind.“ Wie engagiert sich der Schauspieler für das umweltfreundliche Verkehrsmittel einsetzt, konnten viele Hamburgerinnen und Hamburger erst kürzlich auf der ZEIT-Veranstaltung „Straßenkampf in der Hansestadt oder lassen sich Fahrrad- und Autoverkehr versöhnen“ am 5.10.2016 erleben. Dieses Jahr ist Peter Lohmeyer zudem Preisträger als die „Fahrradfreundlichste Persönlichkeit 2016“. http://www.der-deutsche-fahrradpreis.de/preistraeger/preistraeger-archiv/2016.html#c1907

Schwache GRÜNE antworten auf offenen Brief

Leider schon fast ein gewohntes Bild: Stau in erster Osterstraßenbaustelle
Leider schon fast ein gewohntes Bild: Stau in erster Osterstraßenbaustelle

Die GRÜNEN haben am 19. Oktober geantwortet: *

(*Fragestellung gibt’s hier:)

Lieber Kai Ammer,

vielen Dank für deinen Brief. Offensichtlich teilst du – zumindest verkehrspolitisch – unsere Grünen Ziele und unsere Programmatik. Wir haben sie in unserem Wahlprogramm, Bürgerschaftsreden und Anträgen in der Bezirksversammlung ganz ähnlich formuliert.
Aber wie du es richtig benannt hast, haben wir mit einer Flächenkonkurrenz zu kämpfen. Wir Grünen sind nicht die einzigen, die Verkehrspolitik in dieser Stadt bestimmen, vielmehr findet sich in Wahlergebnissen und Medien immer wieder eine überwältigende Mehrheit für die alte autogerechte Stadt. Mit den vielen Stimmen, die zu diesem Umbau der Osterstraße ernsthaft fragen „warum geht schick nur ohne Autos?“, musst du dich offensichtlich nicht auseinandersetzen, wir aber schon.

Wir wünschen uns die selben Dinge wie Du, aber wir müssen uns mit Leuten einigen, die überhaupt nichts davon halten, Eimsbüttel zu einem „Experimentierfeld“ zu erklären. Wir haben über zehn Jahre lang über verschiedene Möglichkeiten für die Osterstraße – Bussiness-Improvement-District, Sperrungen, Einbahnstraßen, Diagonalsperren und Tempolimits – diskutiert. Du weißt, dass der Grüne Favorit eine Shared-Space Strecke war. Wir konnten sie am Ende nicht durchsetzen.

Aber auch mit der jetzt verwirklichten Planung gebieten wir dem Flächenverbrauch des Kfz-Verkehrs Einhalt, genau wie du es gefordert hast. Über 100 Kfz-Parkplätze sind weggefallen und Radfahren Fußgänger haben mehr Raum erhalten. Auch der ÖPNV wird mit den neuen Haltestellen am Fahrbahnrand flüssiger laufen.

Du misst Deine Erwartungen daran, „daran, was möglich wäre“. Davon ausgehend musst Du alles, was verwirklicht wird, für eine Verschlechterung halten. Wir messen die Veränderung daran, wie es vorher war. Dass dabei Verbesserungen für Rad- und Fußverkehr zustande gekommen sind, ist wohl kaum zu bestreiten.

In diesem Sinne werden wir weiter kämpfen, für eine sichere Fahrradstraße im Harvestehuder Weg, den Radfahrstreifen auf der Grindelallee und mehr Tempo 30. Wir würden uns freuen, wenn du uns in diesem Kampf unterstützt.

Beste Grüße
Fabian Klabunde,
verkehrspolitischer Sprecher der Grünen Bezirksfraktion Eimsbüttel

Dazu stellt „Osterstraße autofrei!“ fest:
von Kai Ammer

Die GRÜNEN machen den Eindruck, als ob sie, was die Verkehrspolitik in dieser Stadt betrifft, längst resigniert haben. 10 Jahre Kampf für Shared Space, dem selbst Experten skeptisch gegenüber stehen, scheinen nicht nur die Eimsbütteler GRÜNEN zermürbt zu haben. Das zeigt sich vor allem auch daran, dass nur wenig einfällt, um den Kern von Eimsbüttel wirklich nachhaltig vom Verkehr zu befreien. Auch wenn kürzlich Vorschläge für weitere Tempo 30 Straßen erneut bekräftigt wurden und wenn zusammen mit der SPD Eimsbüttel beschlossen wurde, Experten zum Thema zu noch stattfindenden Bezirksversammlungen einzuladen, entspricht dies nicht dem Engagement, welches ich von einer Partei wie den GRÜNEN erwarten würde.

Es ist billig, darauf zu verweisen, welche „überwältigenden Mehrheiten“ keinerlei Verständnis für Änderungen  der städtischen Mobilität hätten. Anstrengend wird es dagegen, diese Leute zu überzeugen. Nur dafür müssten die Grünen selbst erst einmal überzeugen. Abgesehen davon – gibt es nicht auch eine immer größer werdende Menge an Menschen, die kein Auto haben, nicht nur, weil sie es sich nicht leisten können, sowieso noch nie eines haben wollten oder es sogar wieder bewusst angeschafft haben, um z.B. auf Rad und ÖPNV umzusteigen? So haben in Hamburg von 1000 EinwohnerInnen „nur“ noch 402 ein eigenes Auto, Tendenz sinkend. Schade, dass hier nicht Potential entdeckt wird.

Die Wahrheit dürfte tiefer liegen. In Wahrheit werden GRÜNE vor allem auch von gut situierten Menschen gewählt, die natürlich auch viele Autos haben.  So gibt man sich mit ein paar neuen StadtRADStationen zufrieden, einer Fahrradkoordinatorin, die den Spaten erstmal für eine neue Autostraße sticht, ebenso damit, in dieser Legislaturperiode neue Express-Velorouten lediglich zu prüfen und zu planen. Man gibt sich zufrieden mit einem eigenem Umweltsenator, der zum Verkehrskomplex, einem der größten Verursacher von CO² und Stickoxiden, die eben darum sehr wohl auch die Umweltbehörde anzugehen haben, so gut wie gar nichts sagt sowie mit einigen wenigen Projekten, wie z.B. der Fahrradstraße im Harvestehuder Weg, dem Osterstraßenumbau und anderem, die größtenteils unter SPD Alleinherrschaft angeschoben wurden. Jede Wette, dass „Radwege auf die Straßen“ genauso gut auch ohne GRÜNE zu haben wäre. Vorläufig gibt es nämlich schlicht überhaupt keine andere auch nur annähernd glaubwürdige Möglichkeit mehr, dem Autoverkehr auf diese Weise noch immer größtmöglichen Platz zu sichern.

Die Sache hat nur einen Haken: Es würde bedeuten, sich nicht mehr irgendwelchen Mehrheiten anbiedern zu können, es würde bedeuten, es nicht mehr allen gerecht machen zu wollen, weil es ohnehin nicht funktioniert, würde bedeuten, die Sache verantwortungsvoll in die Hand zu nehmen und noch viel mehr bedeuten, einen Plan zu haben. Einen Plan, den man nicht nur vor Wahlen aus taktischen Gründen an die große Glocke hängt, sondern erst recht nach Wahlen verteidigt oder gar weiterentwickelt. Einen, für den es sich zu kämpfen lohnt.
Nur deshalb gibt es übrigens „Osterstraße autofrei!“.

PS: Aus Oslo kommt gerade die Neuigkeit, dass die Ölpump-Landeshauptstadt den Autoverkehr aus der gesamten Innenstadt radikal verbannen will. In 5 Jahren sollen durch so eingesparte CO² Tonnen wieder Werte mit dem Stand von 1990 erreicht werden und somit um 50% reduziert sein. Der Anteil privater PKWs mit Verbrennungsantrieb soll bis 2030 um fast ein Drittel sinken. „Es gehe nicht an, KLIMApolitische Maßnahmen immer nur zu verschieben“, ist die Begründung von Oslos Oberbürgermeister Johansen.
DAS wäre mal ein Plan für Hamburg!

Aber dafür braucht es GRÜNE, die wirklich kämpfen, und keine, die kneifen und froh sein können, überhaupt noch zweistellig wiedergewählt zu werden.

offener Brief an die GRÜNEN in Hamburg und Eimsbüttel – Verkehrsberuhigung Eimsbüttel

Leider schon fast ein gewohntes Bild: Stau in erster Osterstraßenbaustelle
Leider schon fast ein gewohntes Bild: Stau in erster Osterstraßenbaustelle

Liebe GRÜNE in Hamburg und Eimsbüttel,

an der Osterstraße beginnt der Umbau des Straßenraumes, die ersten Bagger sind zu sehen und in diesen Tagen findet der offizielle erste Spatenstich statt. Die Baustelle für den ersten Bauabschnitt wird eingerichtet, die Osterstraße ist bereits Einbahnstraße und die Autos – sie stehen im Stau. Schon mehrmals gesehen, von Schwenckestraße bis zum Heußweg geht es nur im Stop and Go vorwärts. Wahrscheinlich  ein Vorgeschmack auf das, was ab jetzt in den kommenden zwei Jahren zum Dauerzustand wird.

Dabei ginge es auch ganz anders. Wohl eher unfreiwillig hat die Stadt durch zahlreiche Sperrungen, bedingt durch Baustellen im Langenfelder Damm, Müggenkampstraße, Lappenbergsallee und Schwenckestraße, eindrucksvoll bewiesen, dass es sehr wohl möglich ist, sowohl Tempo als auch Verkehr und somit Lärm und Abgase insgesamt aus dem Quartier herauszuhalten. Zumindest in West-Eimsbüttel hat das bestens und vor allem spürbar geklappt. (Bitte seht dazu auch den Eintrag „Merkste was?! Eimsbüttel fast verkehrsberuhigt!“ auf den Seiten von „Osterstraße autofrei!“) Kaum sind die Baustellen hier wieder weg oder offen, sind die Autos alle wieder da. Und stehen in und vor der neuen Osterstraßenbaustelle in langer Kolonne.

Was hier in den letzten Wochen stattfand, kann man getrost als einen riesigen, auf Eimsbüttel maßgeschneiderten Laborversuch bezeichnen, der ganz offenbar nicht nur sehr wohl handhabbar war, sondern ebenso offenbar recht wenig Empörung in der hier lebenden Bevölkerung ausgelöst hat.

Warum nutzt ihr GRÜNEN nicht diese Steilvorlage, um deutlich mehr zu fordern? Etwas besseres kann euch doch gar nicht passieren?

Die Müggenkampstraße ist dicht gewesen. Durchgangsverkehr hatte von daher dort keine Chance. Wenn schon nicht autofrei auf Teilen der Osterstraße (warum eigentlich nicht?), dann wenigstens eine Diagonalsperre, Müggenkampstraße zur Sackgasse machen und Tempo 30 überall außer auf großen Haupt- und Bundesstraßen.

Wirklich etwas Positives von den GRÜNEN kann ich vor allem zur Verkehrspolitik in Eimsbüttel und auch hamburgweit noch immer nicht vernehmen.

Es geht um nichts mehr, als eine menschenfreundlichere städtische Umgebung zu gestalten, die selbstverständlich auch eine flexible und den unterschiedlichen Bedürfnissen gerecht werdende Mobilität einschließt, da gerade diese ein wichtiger Aspekt urbaner Ballungsräume ist. Es geht darum, ein friedlicheres und entschleunigteres, dadurch  sichereres und klimafreundlicheres Miteinander zu fordern (Oder bleibt es nur beim Brief an VW, Herr Umweltsenator Kerstan?). Dies gelingt nur, wenn den unterschiedlichen Akteuren im Straßenverkehr die für sie jeweils sicherste und effektivste Flächenplanung zugestanden wird, die sie für individuelle Mobilität benötigen. Das bedeutet vor allem, den ungerechten Flächenverbrauch des KFZ Verkehrs mehr als nur Einheit zu gebieten. Also mehr Platz für Fußgänger und Radfahrer, Platz auch für autofreie Zonen, Platz für Ladestationen von E-Autos sowie Platz für weitere Rad- und Lastenradstationen. Bei gleichzeitiger Steigerung der Attraktivität des öffentlichen Nahverkehrs und somit der Motivation, in dicht besiedelten Stadtquartieren auf das eigene Auto zu verzichten, wird auch der Platz vorhanden sein für all jene, die, aus welchen Gründen auch immer, auf ein eigenes KFZ unbedingt angewiesen sind.

Klein anfangen ist aber immer gut.
Das Versuchslabor Eimsbüttel bietet sich da bestens an.

Was sagen die GRÜNEN dazu, wie wollen sie oben beschriebene Effekte hier konkret erreichen? Kann man aus den diversen Bausstellensperrungen der letzten Zeit wirklich nichts lernen?

Nur zwei Dinge möchte ich bitte nicht von euch hören: Dass vieles nicht geht, weil der Verkehr sonst durch die Nebenstraßen fließt (auch im Stellinger Weg ist kreativ-sein zur Beruhigung schließlich erlaubt!). Und dass zweitens anderes nicht ginge, weil es erst stadtweit Lösungen geben müsse, die vielleicht mal irgendwann, wenn überhaupt, nach dem Sankt Nimmerleinstag kommen.

Es wäre schön, wenn die GRÜNEN das Experimentierfeld Eimsbüttel nicht achtlos dem Gang der Dinge selbst überließen, sondern sich offensiv und für jedermann sichtbar und nachvollziehbar für wirklich starke Verbesserungen der Lebensqualität in diesem Quartier (und anderswo) einsetzen würden. Ich kann und will nicht glauben, dass grüne Politik tatsächlich nur noch darin bestehen soll, durch Krötenschlucken hart erkämpfte kleine Erfolge im nächsten Moment gleich wieder in den Sand zu setzen. Traurig genug, dass Hamburgs neue Fahrradkoordinatorin ausgerechnet für den Osterstraßenumbau ihren ersten medienwirksamen Spatenstich machen soll, wo doch vor allem die Radfahrer am Ende – gemessen daran, was möglich wäre – die größten Verlierer sind (siehe auch „Bummler stechen Radler aus“ und „So sieht’s aus…“).

Mit den besten Grüßen

Kai Ammer

Verkehr und Umweltschutz gemeinsam denken – Brief an GRÜNE

Gastbeitrag

von Christine Stecker
Ein Brief an die GRÜNEN

Liebe GRÜNE,
als engagierte Bürgerin, die sich seit langem politisch neutral für ein umweltfreundlicheres Hamburg einsetzt, möchte ich Sie im Zuge der Koalitionsverhandlungen zu einer ganz konkreten Projektidee informieren (s.u. = Neuland STRASSE und „Alles Glück liegt auf der Fahrbahn“).

Geben Sie nicht nur Kai Ammer sondern auch mir die Zuversicht zurück, dass es sich noch lohnt, sich für diese Stadt mit den richtigen weil für alle menschenfreundlichen, zukunftsweisenden und nachhaltigen Ideen einzusetzen! Gerade in Eimsbüttel herrscht Bürokratie pur und selbst in bezirklichen Entwicklungsworkshops hört Bürgerin und Bürger nur Bedenken, Ängste und Einschränkungen von der Politik was diesen Stadtteil angeht. Die Zukunft wird jedoch nur so wie wir sie selbst gestalten. Für die Osterstraße werden gerade kostenintensiv die Weichen für die nächsten Jahre gelegt und wieder wird anscheinend eine Chance vertan, konsequent zu Ende gedachte Konzepte umzusetzen.

Gerade Verkehrspolitik ist auf langjährige Sinnhaftigkeit anzulegen – hier muss Politik über seinen eigenen zeitlich getakteten Rhythmus weit hinausdenken. Das intelligenteste Konzept sollte siegen, nicht die Parteicouleur und momentane Stimmung. Machen Sie uns also bitte z.B. in einem Faktencheck positiv verständlich wie sich die Verkehrsströme in Hamburg entwickeln werden, was das für unsere Luft und Sicherheit bedeutet, welche Konzepte eine gute, gesunde und stressfreie Fortbewegung unter- und überirdisch in einer sich verdichtenden Stadt beinhalten. Das sollte m.E. ebenfalls mehr sein als das alleinige Rufen nach der Stadtbahn. Ein attraktiver ÖPNV, Velorouten, Lastenradstationen, Vorrang für Fußgänger (siehe Niederlande,) gefahrlose Fußwege uvm bestärken den Umstieg auf PKW-freie Mobilität. Momentan verteuert sich der ÖPNV jährlich, ist in einem unverständlichen Tarifsystem verzettelt und sozial unverträglich. Die Kosten für den Erhalt der Straßen werden dagegen nicht auf die Nutzer umgelegt? Schauen Sie sich für eine x-beliebige Straße den Flächenverbrauch an, der momentan alleine für PKW-Fahrstreifen und -parkplätze verbraucht werden. Hamburg hat so lange Themen ausgesessen, dass man jetzt von anderen Städten lernen kann ob und wenn ja was City-Maut und Umweltzone, Beschleunigungen etc. ökologisch bringen. Politik wird dann wieder sympathisch, wenn dieser Allmachtsgedanke des „wir wissen es besser“ begraben wird. Keiner weiß alles, auch Politik nicht. Komisch, dass andere Städte sich nicht zu schade sind, Experten wie Jan Gehl zu Rate zu ziehen (s.u. = „Alles Glück liegt auf der Fahrbahn“), Hamburg gefühlt aber immer alles ordentlich durchregiert alleine hinbekommen will und sich noch nicht einmal schämt wenn es dabei im Vergleich zu anderen Bundesländern bzw Metropolen ordentlich hinschlägt.

Vielen Dank und viel Erfolg bei der Aushandlung der notwendigen Forderungen, damit Hamburg endlich visionär und experimentierfreudig in seiner Entwicklung unter den Metropolen mitspielt, bei dem auch die Kreativität der HamburgerInnen nicht nur in bunte Broschüren Einzug findet, sondern umgesetzt wird. Ansonsten wird es hier vielleicht mit Bürgerwillen olympische Spiele geben aber in die Geschichte wird Hamburg als autofreundlichste und damit städteplanerisch rückständigste Metropole eingehen.

Herzliche Grüße
Christine Stecker

Alles Glück liegt auf der Fahrbahn!

schwenckestrasse
Gutes Leben könnte so einfach sein….

Dieser Artikel ist bereits im September 2014 von mir geschrieben geworden. Weil sich aber inzwischen vieles getan hat, Wahlen inklusive, weil mittlerweile viele weitere Menschen diesem Blog folgen und vor allem auch, weil „Osterstraße autofrei!“ im Spätsommer das Straßenfest Neuland STRASSE plant, habe ich diesen Beitrag aktualisiert und umfassender erneut nach ganz oben auf diese Seite geholt. Denn in ihm steckt mit das Wichtigste, was es braucht, um Stadtraum wirklich und umfassend zu ändern.
Lesen und Links folgen lohnt sich – denn hinterher sieht Stadt ganz plötzlich ganz anders aus….

Das erste, was ich tat, als ich die Idee zu „Osterstraße autofrei“ hatte, war, diverse „Gute Gründe“ aufzuzählen, warum die Osterstraße im Rahmen des geplanten Umbaus zu einer autofreien Zone werden sollte. Ende März 2014 verfasste ich diese Liste, die insgesamt 13 Punkte beinhaltet. Diese Liste habe ich alleine zusammengestellt, ohne dass irgendwer oder etwas mir „reingeredet“ hätte. Gleiches gilt für „Keine Parkplätze = Kunden weg?“, meinem Versuch, die Geschäftsleute von der Idee einer autofreien Osterstraße zu überzeugen. Als ich all das schrieb, hatte ich von Einem allerdings noch nie etwas gehört. Auf ihn bin ich erst jetzt gestoßen, weil mich dieses spannende Thema immer mehr interessiert. Auch wenn ich alles andere als ein Profi-Stadt- und Verkehrsplaner bin, so ist es doch erstaunlich, vieles von dem, was ich in meiner Liste aufgeführt habe, so oder in ähnlicher Form jetzt wieder zu lesen. Denn alles, was man braucht, um auf derartige Gedanken zu kommen, ist nichts weiter, als ein wenig gesunder Menschenverstand gepaart mit dem Wissen um die Tatsache, dass es immer auch anders und meist sogar besser geht.

Der Mensch, den ich meine, ist der in Kopenhagen lebende Däne Jan Gehl. Der heute 77 jährige ist Architekt und Stadtplaner – und weltweit gefeierter Star, wenn es darum geht, den Menschen wieder zurück in den öffentlichen Raum zu holen – oder besser: Den Menschen wieder Raum zu geben. Seit Jahrzehnten arbeitet der Däne daran, Stadt neu zu denken und zu gestalten. Dass Kopenhagen heute da ist, wovon viele andere nur träumen, liegt zu einem großen Teil auch an ihm.
Seine wichtigste Leitlinie ist dabei immer das „menschliche Maß“ und der „menschliche Blickwinkel“. Erst wenn man die Stadt aus diesem Blickwinkel betrachtet, wenn man studiert, wie Menschen sich verhalten und bewegen, wenn man im 5 Km/h statt im 60 Km/h Maßstab plane, kommt man tatsächlich zu Ergebnissen, in denen der Mensch im Mittelpunkt steht. Erst wenn man den Menschen als die wichtigste Komponente in der Stadtplanung sieht, bekäme man eine lebenswertere, sichere, nachhaltigere und gesündere Stadt, meint der Däne.

Gehl ist Experte darin, Städte von gestern, die von Modernismus und Motorisierung geprägt sind, in Städte von morgen zu transformieren. Weg vom Gedanken, in Straßen für Autos ein Allheilmittel zu sehen, weg davon, fremde Energie statt eigene für das eigene Fortkommen nutzen zu müssen. Ebenso allerdings auch weg von dem Gedanken, Hochhäuser seien gut für den Menschen. Hin zu einer humanen Stadt, die den Menschen das (zurück)gibt, was dieser für ein gesundes und glückliches Leben braucht: Platz dafür, um das zu tun, was des Menschen natürlichste Sache ist – zu laufen, Rad zu fahren, sich mit anderen Menschen zu treffen und austauschen zu können. „Heute haben wir den Beweis, dass die lebenswertesten Orte mit den glücklichsten Menschen die Städte sind, die nett zu ihren Fußgängern sind„, stellt Gehl fest.

Nun, was hat das mit der Osterstraße zu tun?
Eine ganze Menge!

Hier geht es nämlich um eine Straße, die inmitten eines beliebten und quirligen Viertels liegt. Hier geht es um eine Straße, in der beinahe 90% aller Passanten nicht mit dem PKW an diese Straße kommen, sich allerdings offenbar auch weiterhin mit dem wenigsten Platz zufrieden geben sollen. Es geht um eine Straße, an der zuweilen bis zu 200 Fußgängerquerungen je Stunde abseits der Ampelübergänge gezählt werden. Hier geht es um eine Straße, von der Bezirk und Planer in der Tat sehr viele sehr interessante Zahlen haben [Auswertung Bürgeranregungen Juni 2014, PDF Download, 887 KB] , die, so Jan Gehl, den Planern andernorts oftmals so nicht zur Verfügung stehen würden, dafür aber umso öfter nur die Zahlen, die den motorisierten Verkehr betreffen würden. Hier ist jede Menge Einzelhandel ebenso wie ein breites Gastronomie Angebot vorhanden, die sicherlich mehr als profitieren werden, würde diese Straße wieder den Menschen zurückgegeben werden. „Wir alle leben in einem kapitalistischem Wirtschaftssystem“, sagt Gehl. Trotzdem würden sich immer mehr Städte für eine Mobilitätswende öffnen. Dies würde nicht geschehen, wenn es kein gutes Geschäft wäre. „Geschäftsleute sind im Allgemeinen bloß etwas konservativ, sie wissen, was sie haben, und sind ein wenig unsicher, wenn es um die Zukunft geht. Bei jeglichen Veränderungen sind sie daher eher sehr kritisch, und danach hört man nichts mehr. Ich habe das schon sehr oft erlebt“, sagt Gehl. „Je lebenswerter eine Stadt ist, umso besser ist sie für die Wirtschaft“.
Das sagen übrigens auch diverse Kaufleute, die ich selber befragen konnte – in Hamburg, Bergedorf.

Die Wiener Zeitung hat Gehls Ansichten zu der Frage, wie Städte in menschenfreundliche Lebensräume umgewandelt werden können, in 8 Thesen dargestellt: „Wohnzimmer gestalten, nicht Korridore“, Wiener Zeitung, 1.7.2014

Immer wieder verweist Gehl auf seine Heimatstadt Kopenhagen, die vor 50 Jahren begann, den Autoverkehr wieder auf die Hauptstraßen zurückzudrängen. Inzwischen gilt die Stadt als eine der fahrrad- und fußgängerfreundlichsten Städte der Welt und sie hat gelernt, dass die Vorteile klar überwiegen. Die menschenfreundliche Politik, was den öffentlichen Raum und die Verkehrspolitik betrifft, wurde selbst von einem rechtsgerichteten Bürgermeister nicht mehr zurückgenommen, so sehr sei diese Art der Politik mittlerweile fest etabliert. Hier gebe es deswegen schon lange keinen Aufschrei mehr, „höchstens, wenn mal wieder ein paar Parkplätze weggenommen werden“. Dabei gibt es natürlich auch in Kopenhagen Autos. Es geht also auch abseits von „entweder oder“. Der Platz für fahrende und parkende Autos wurde allmählich verringert. Ebenso wurden Beschränkungen eingeführt, um sicherzugehen, dass sie langsamer fahren und an den wichtigen Plätzen nicht zu zahlreich sind. Über 100.000 m² Straßenfläche sind allein im Zentrum Kopenhagens autofrei – nun folgen ähnliche Schritte auch in Vierteln, die weiter entfernt vom Zentrum liegen – womit wir wieder an der Osterstraße wären. Denn genau dies soll offizielles Ziel der Stadt Hamburg sein, wie es im Masterplan Klimaschutz heisst, den der Senat der Bürgerschaft bereits am 25. Juni 2013 (!) mitgeteilt hat. Interessant ist Seite 7, rechts unten, vorletzter Absatz:

„Integrierte Stadt- und Verkehrsentwicklung: Klimaund
umweltschonende Mobilität und Stadtentwicklung
werden integriert betrachtet und sind auf ein gemeinsames
Ziel gerichtet: u.a. kompakte Stadt/Stadt der
kurzen Wege, Siedlungsentwicklung entlang des
schienengebundenen ÖPNV, autoarme Siedlungen
und Quartiere, Qualität, Nutzung und Umgestaltung
des öffentlichen Raumes, mehr Platz und Aufenthaltsqualität für alle im öffentlichen Raum.“

Also – helfen wir ein wenig mit!
Zuvorderst scheint hier nämlich schlicht zu fehlen, was Gehl zufolge unabdingbar für eine erfolgreiche Verkehrswende ist: Leute mit Visionen. Noch genauer: Politiker, Bürgermeister, Bezirkschefs mit Visionen. Haben wir nicht in Thorsten Sevecke sogar einen passionierten Fahrradfahrer als Bürgermeister vom Bezirk Eimsbüttel? Warum kommen dann keine Impulse von ihm? Weil er in der SPD ist? Weil er nicht „darf“? Weil er meint, dass sich das tolle Eimsbüttel nicht mit so „popeligen“ Städten wie Kopenhagen, Melbourne, New York, Wien, Zürich, Vancouver, Rom und Moskau messen lassen muss, die auch unter Gehls Hilfe erfolgreich dabei sind, sich zu transformieren? Dabei wohnt Herr Gehl gar nicht mal so weit entfernt. Könnte man ihn denn nicht mal einladen? Sich einen Rat holen?

Man muss auch gar nicht unbedingt nach Kopenhagen schielen, wenn es auch an der Elbe so viele engagierte normale Bürger gibt, die teils visionäre Ideen haben. Viel darüber ist z.B. auf Next-Hamburg zu sehen, auch in der stadteigenen Stattwerkstatt   “Zufußgehen und Fahrradfahren sind Ausdrucksformen eines urbanen Lebenstils” in Stadtwerkstatt 4, Hamburgs mobile Zukunft [PDF Download, 804 KB] gibt es aufschlussreiches zu lesen. Und – ja, selbst an der Osterstraße haben viele Menschen ihre Ideen und Wünsche, von denen viele sogar sehr vorbildlich sind, zu Protokoll gegeben [PDF Download, 870 KB]. Ganz zu schweigen von all den Menschen, die die Petition für eine autofreie Osterstraße unterschrieben haben. Die Ignoranz, die die SPD bisher an den Tag legt (siehe „Hamburg bald autofrei!“), ist nicht nur eine Riesenschweinerei – sie ist geradezu unerträglich und einer Stadt wie Hamburg absolut unwürdig! Die SPD scheint sich entschlossen zu haben, leider nur eine Partei von gestern zu sein.

Die GRÜNEN dagegen haben Jan Gehl offenbar für sich entdeckt. Im aufziehenden Wahlkampf versuchte Till Steffen, seine Partei mit Gehls Thesen anzustecken, weil auch er meint, darin den Schlüssel für viele Probleme Hamburgs erkannt zu haben. Melbourne soll Hamburg als Vorbild dienen – 25.2.2014 Hamburger Abendblatt [€] Einen besseren Zeitpunkt als gerade jetzt, mit dem Umbau der Stadt tatkräftig zu beginnen, wird es wohl – wie Steffen es selbst erkannt hat und darlegt „Hamburgleben – von Kopenhagen lernen“ [PDF Download, 97 KB] , so schnell kaum wieder geben.
Aktuell gehen die GRÜNEN in Koalitionsverhandlungen mit der SPD. Man darf wohl mehr als gespannt sein, was dabei am Ende herauskommen wird. Scholz hatte vorsorglich schon mehr als einmal auf sein Wahlergebnis hingewiesen und die GRÜNEN zu einer REALISTISCHEN Sicht auf die Dinge gemahnt…

Bis dann eventuell etwas tut, muss sich Hamburg aber erstmal weiterhin mit der menschenfeindlichen Verkehrspolitik arrangieren, der gerade vorgestern wieder ein Mensch in Hamburg zum Opfer gefallen ist („LKW überrollt Radfahrerin“, BILD, 8.9.2014). Damit sind in dieser Stadt allein von Jahresbeginn an mindestens 13 Menschen auf unseren Straßen gestorben. In der dänischen Metropole dagegen werden z.B. Fußgängerwege mittels Schwelle durchgehend über Kreuzungen und Einmündungen gezogen, so dass Fußgänger und Radfahrer den Gehsteig nicht verlassen müssen, wenn sie die Kreuzung queren wollen. Was muss hier noch alles passieren, damit der Wind sich endlich dreht???

Ein paar weitere Tote auf Hamburgs Straßen reichen jedenfalls nicht aus, wie es scheint.

An der Bundesstraße in Eimsbüttel, der direkten Verlängerung der Osterstraße kam es im Januar zu einem tödlichen Unfall, bei dem eine Joggerin trotz Grün an der Fußgängerampel am Kaifu überfahren wurde. Seitdem tritt auch hier verstärkt Protest in den Vordergrund, gefordert wird Tempo 30. Eine ähnliche Initiative formiert sich im Stellinger Basselweg und auch der adfc will „Tempo 30“ als Regelgeschwindigkeit innerorts ordentlich Beine machen.
Um all das und vieles mehr geballt in die Öffentlichkeit und mitten auf die Osterstraße zu tragen, planen wir zudem das neue Straßenfest Neuland STRASSE, welches, wenn alles gut läuft, im September steigen soll. Wir freuen uns über jede Hilfe dafür! Denn Argumente für eine lebendige, nachhaltige, sichere und gesunde Stadt gibt es ohne Ende.

Jan Gehl sagt:

„In jedem Fall sind menschenfreundliches Engagement und Sorgfalt die wichtigsten Investitionen – und die Rendite ist enorm!“

oder:

 „Bauen Sie für die Menschen und Sie können alle Probleme lösen!“

Und nun die Preisfrage:
Wie ist DEIN Gegenargument?

 

Gehl_Logo_RGB_blue

 www.gehlarchitects.com

Mehr Informationen

Film:

Copenhagen’s Car-Free Streets & Slow-Speed Zones (7-Minuten Film, in denen Gehl und andere Kopenhagens autofreie Straßen vorstellen)

„The Human Scale“ – Wie soll man Städte bauen? Der Filmemacher Andreas Dalsgaard nimmt uns mit auf eine faszinierende Städtereise quer durch die Welt, von Kopenhagen nach Melbourne, Chongqing und Christchurch – auf den Spuren des dänischen Architekten Jan Gehl. 2012, DVD, 83 Minuten, OmU, Vorschau hier

Making life visible„, Jan Gehl, Video, 3:29

Bücher:

Städte für Menschen„, 2014, jovis Verlag, €32.-
„Leben zwischen den Häusern“ (1971) , „Cities for People“ (2010), „How to study public life“ (2013)

Interviews mit Jan Gehl:
„Bauen für Menschen“ – fairkehr Magazin 6/2010
Gesammelte Interviews und weiteres zu Jan Gehl – PDF zum Downloaden
Stadt der Zukunft – Wien, 2014, sehr umfangreich und lesenswert, 12 Seiten [PDF Download, 165 KB]
„Die Menschen in Bewegung setzen“ – brandeins 12/2014

Weitere, sehr informative und umfangreiche Info-Broschüren der EU – Kommission, englisch

„Reclaiming city streets for people” [5,9 MB, PDF Download]

„Kids on the move“ [ 1,33 MB, PDF Download]

„Cycling – the way ahead for towns and cities“ [1,6 MB, PDF Download] 

 

Neuland-Strasse-Logo-final

Hier geht’s lang zum geplanten Event im September 2015

GRÜNES Dickicht entwirren

twitter GRÜNE

Anlass zu diesem Beitrag war der Kommentar eines Besuchers, der von mir wissen wollte, wie denn nun eigentlich die GRÜNEN zu den aktuellen Osterstraßen-Umbauplänen des Bezirks Eimsbüttel stehen würden. Ich habe versucht, darauf so gut ich eben konnte zu antworten, schließlich bin ich ja selbst kein GRÜNER.
Wie ich es sehe, kann man hier noch einmal lesen:

Das mit den GRÜNEN ist in der Tat eine sehr gute Frage. So ganz und höchstoffiziell hat man schon lange nichts mehr zu deren Meinung zur aktuellen Umbauplanung vernommen, die ja in der Tat schon sehr weit und auch schon bis in die Details vorangeschritten ist (siehe Seite http://www.hamburg.de/eimsbuettel/osterstrasse/ ).
Also, im Grunde ist es schon so, dass die GRÜNEN diese offizielle Planung mittragen. Über weiterreichende Forderungen der Verkehrsreduzierung bzw. -Verbannung, wie “Osterstraße autofrei!” fordert, konnten und oder wollten sich die GRÜNEN noch nicht verständigen.

Gerade gestern gab es eine interessante Wahlveranstaltung der GRÜNEN, in der es genau darum ging: “Wie packen wir die Wende?”. Sie denken das Richtige, glauben, dass viele einzelne Maßnahmen insgesamt betrachtet zum Ziel führen werden aber eben auch: “…es gibt Leute, die fahren gerne Fahrrad, es gibt Leute, die fahren öffentlich und solche, die fahren gerne Auto, weil es ihnen Spaß bringt.” Natürlich sollen alle eingebunden werden und niemand vergrault werden. Nur eben vielleicht hier und da WENIGER Platz für Autos. An wirklich autofreie Zonen scheinen die sich – wenn ich jetzt nicht falsch liege (GRÜNE, dann bitte sofort Bescheid sagen!!!!) jedoch nicht heranzutrauen. Somit scheinen sie sich auch irgendwie selbst im Weg zu stehen. Das ist schade. Genau darum braucht es so etwas wie “Osterstraße autofrei!”. (Kai, 27. Januar 2015)

Via Twitter habe ich die GRÜNEN auf meine Antwort hingewiesen und sie gebeten, mich zu korrigieren, falls ich falsch liegen sollte. Ich glaube, ich lag tatsächlich falsch. Denn ich bekam eine Antwort von den GRÜNEN aus Eimsbüttel. Phillip Engler, Mitglied der Bezirksversammlung Eimsbüttel, zwitscherte:

„Natürlich sind wir GRÜNE für autofreie Zonen in HH. Steht auch im Wahlprogramm“

Gute Idee, da schauen wir gleich mal rein:

„Zwischen den Häusern nimmt der Straßenverkehr einen Großteil des Raums ein. Überproportional viel Platz hat die Mobilität auf vier Rädern. Aber nicht die Autos brauchen die Straßen, sondern die Menschen. Daher ist es sinnvoll, sich die Verkehrsflächen anzuschauen und neu zu bewerten.“

Das steht im aktuellen Wahlprogramm für die Bürgerschaftswahl am 15. Februar, in der Einleitung zum zweiten Kapitel – „2. Mobilität und Stadtentwicklung. Hamburg in Bewegung. Freiraum für alle.“ -, welches sich über stolze 15 Seiten zieht. Auf Seite 46 steht tatsächlich folgendes:

„Um die Innenstadt und Quartierszentren für alle zu einem Ort der Begegnung zu machen, die Umweltbelastung zu senken und den Fuß- und Radverkehr zu stärken, sollen vermehrt autofreie Straßen eingeführt werden. Vorschläge für autofreie Straßen wollen wir im Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern sammeln und dann vorantreiben.
Langfristig setzen wir GRÜNE uns für eine so weit wie möglich autofreie Innenstadt und Quartierszentren ein.

Boooaaahh. Da muss man erstmal Luft holen…. Genau das, was auch „Osterstraße autofrei!“ fordert. Absoluter Wahnsinn!

Philipp Engler konkretisiert das dann noch weiter:

„Grundsätzlich überall dort, wo Fuß- und Radverkehr dominieren“

Die GRÜNEN, die die Ansichten Jan Gehls auch für sich entdeckt haben und sich von ihnen inspirieren lassen, haben gerade vor zwei Tagen auf einer Wahlkampfveranstaltung einen sehr interessanten Film präsentiert („The Human Scale“), der das Wirken eben dieses dänischen Stadtplaners und Architekten zum Gegenstand hat. Man erfährt hier zum Beispiel, dass die Grundlage allen zukünftigen Handelns ist, zu zählen, worauf es ankommt. Fußgänger zu zählen. An der Osterstraße habe ich das zwar noch nicht gemacht, halte es aber in der Tat für eine sehr sinnvolle Idee. Sollte man mal machen.

So ungefähr zu zählen bekommen wir aber auch auf die Schnelle hin:

16.000 PKWs passieren die Osterstraße etwa täglich (Quelle:  Bachelor-Thesis zu dem Thema Shared Space – Ein neuer Ansatz der Verkehrsraumnutzung , Seite 30 [PDF Download, 5,39 MB]). Dagegen steigen 7.327 Fahrgäste täglich an der U-Bahn Osterstraße ein und aus. NICHT aus der U-Bahn, NUR aus dem Bus!!! (Quelle: Hamburger Abendblatt, „Hochbahn – An diesen Stationen steigen die meisten Hamburger n den Bus“, 15. Januar 2015), Wohlgemerkt – die PKWs gelten für den gesamten Straßenverlauf, die Hochbahn hat ihre Kunden NUR an der Bushalte gezählt. Leute, die im Viertel wohnen und eben fix was einkaufen oder schlicht spazieren gehen gibt’s natürlich auch noch. Und dann, fast vergessen: All die FahrradfahrerInnen. Könnte eng werden mit der Dominanz der PKWs, die quasi als Freibrief herhalten muss, dass die GRÜNEN leider nichts machen können.

Aber der GRÜNE aus der Bezirksversammlung weiß es ganz genau:

„Bei aber passt es nicht.“

Im Wahlprogramm geht’s dagegen wunderschön weiter:

„Wir möchten den Trend verstärken: weg von einer Fokussierung auf den Autoverkehr, hin zu einer Stärkung von Fuß, Rad, Bus und Bahn, insbesondere einer neuen Stadtbahn“

Ach ja, Philip Engler twitterte natürlich auch gleich noch, warum es nicht passt:

„1. gibt derzeit keine politische Mehrheit. 2.Osterstraße hat wichtige Funktion im Straßennetz & Sperren heißt auch Verlagern“ 

„Das bedeutet, dass wir ohne wesentliche Beeinträchtigung anderer Funktionen viele Straßen für dringend benötigte Flächen zum Leben und Begegnen der Menschen beruhigen oder umbauen können. Straßen sind die Konversionsflächen der Zukunft.“

So. Die Verwirrung scheint perfekt zu sein. Und was nun? Einen geplanten Umbau kann man immer noch umplanen. Was man aber vor allem kann, ist – gerade in Wahlkampfzeiten – zu sagen, was man will. Auch und gerade ihr GRÜNEN dürft das. Diese Seite lädt Euch jederzeit dazu ein.
Was aber gar nicht geht, ist nicht zu wissen, was man will. Schlimmer wäre nur noch, wenn mehr als nur „nicht wissen wollen“ dahinter steckt. Es könnte glatt der Eindruck entstehen, dass ihr uns für dumm verkaufen wollt.

PS: zum Thema „politische Mehrheit“ war übrigens auch schon mal was: „GRÜNE – habt mehr Mut!“

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