Schlagwort-Archive: griffelpflastermittelstreifen

Kuscheln auf der neuen Osterstraße

_MG_6351
…und da lässt du dein Kind radeln??? Oder Oma?

Nun ist zu sehen, was bisher fast niemand sehen wollte: Vom neuen „Schutzstreifen“ auf der Osterstraße bleibt de facto nicht wirklich etwas über. Zumindest nicht, wenn Autos und Busse die neuen Mittelinseln passieren. Dann wird es eng, richtig eng. 7,5 Millionen Euro wurden aus der Radförderung genommen und du bekommst – das:

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Nur etwa 5 Minuten stand ich heute Mittag an der neuen Osterstraße auf Höhe des Zugangs zum Unna Parks vor den Mittelinseln und konnte den ganzen Radler-Horror sofort bestaunen. Alles war dabei. Etwa jedes zweite Auto fuhr über die Schutzstreifen-Markierung. Das dürfen sie, sollen es aber nicht, wenn Radfahrer vor ihnen sind. Dann wird überholt – und die enge Fahrbahn keinen Zentimeter breiter.

Gestern gab es einen schweren Unfall mit einem 9 jährigen Jungen in Hamburg Horn. Genaue Umstände sind noch nicht bekannt, aber immerhin soviel: „Plötzlich tauchte der Junge mit seinem Fahrrad auf der Fahrbahn auf“.
Vor etwa zwei Wochen ereignete sich im Hofweg auf der Uhlenhorst ein heftiger Unfall, bei der eine Radfahrerin schwer verletzt wurde. Die Ursache war offenbar ein Fahrzeug, welches wegen Gegenverkehr ausgewichen ist und dabei in die Radfahrerin krachte. „Vision Zero“ (Trafikverket, Schweden) sieht anders aus.

Im Hofweg gibt es keine Schutzstreifen, von der Horner Speckenreye weiß ich es nicht. Was aber bleibt ist etwas anderes: Das, was man hier oben auf den Bildern sieht, kann es jedenfalls nicht sein.

Radeln auf der Fahrbahn schützt vor nichts – höchstens vor Platzwegnahme zuungunsten des KFZ-Verkehrs. Wann begreift Hamburg, dass die Streifenmalerei nicht den Radverkehr fördert, sondern ein Spiel mit der Unversehrtheit und dem Leben der eigenen Bürger ist?

siehe auch:
„Einladen(d)“
„Schutzstreifen“ auf „Hamburg steigt auf“

Advertisements

Griffelpflasterwunder- mittelstreifen oder: Wie die neue Osterstraße werden soll

tatsächlich
„Mehr-Platz-Wunder“ Griffelpflaster-Mittelstreifen

Langsam kristallisiert sich heraus, wohin die Reise auf der Osterstraße gehen soll. Gestern fand nämlich die zweite Informationsveranstaltung statt – für die Gewerbetreibenden. Etwa 30-40 Geschäftsleute waren anwesend – ich hätte doch deutlich mehr Interesse seitens der Gewerbetreibenden erwartet.

Mit Spannung verfolgten wir, was die Ergebnisse der Bürgerbeteiligung wohl aussagen würden. Diese fand in zwei wesentlichen Teilen statt: Erstens gab es eine Passantenbefragung, zweitens eben die „Container-Woche“.

Bei der Passantenbefragung wurden vom 10. – 28. Mai 1722 Leute überall auf der Osterstraße interviewt. Fragen waren: Woher kommen Sie? Wie sind Sie hier? Wo wollen Sie hin? Wo wohnen Sie? Haben Sie hier eingekauft?

Interessant fand ich vor allem diese Ergebnisse:
wie gekommen

86,6% der befragten Passanten kamen NICHT mit dem Auto an die Osterstraße. Sie kamen zu Fuß (34%), mit der Bahn (22,4%), mit dem Rad (19,2%) und mit dem Bus (10,6%) = autofrei!

wo wohnen

Woher kommen Sie? 87,4% kommen aus dem Bezirk Eimsbüttel, allein 50% sogar nur aus dem Stadtteil. Diese 50% erreichen die Osterstraße in wenigen Minuten auch anders als mit dem Auto. Mit dem Auto an die Osterstraße zu fahren muss also ganz offensichtlich nicht unbedingt sein = autofrei!

tempo

Schnelles Vorankommen kann man vergessen: 85% des täglichen Verkehrs ist mit weniger als 40 Km/h unterwegs, 45% sogar schleichen mit weniger als Tempo 30 daher. Die Straße als schnelle Durchfahrtsstraße muss also auch nicht sein – weil sie es eh schon nicht ist. Also warum dann nicht autofrei?

Die Ergebnisse der Container-Woche ließen – wie ich fand – allerdings zu wünschen übrig. Es wurde nicht klar, wie viele Menschen überhaupt einen Vorschlag eingereicht hatten. Deutlich waren nur die Tendenzen:

  • Radwege auf die Straßen
  • Bäume sollen bleiben – besser mehr werden
  • Tempo 30
  • Querungsmöglichkeiten
  • Mehr Fahrrad-Parkmöglichkeiten
  • Mehr Platz für Fußgänger

Zu einigen Dingen gab es auch „Gegensätze“, also Leute stimmen sowohl dafür als auch dagegen. Gegensätze waren z.B.:

  • Mehr/weniger PKW Parkplätze
  • Kreisverkehre ja/nein
  • autofrei ja/nein

Auch hier wurde leider überhaupt nicht deutlich, wie viele Leute genau was eigentlich vorgeschlagen haben, schade. Mit der Durchführung/Ausarbeitung der Bürgerbeteiligung wurde die steg betraut, die diese Ergebnisse auch vorführte. Ich habe dort gestern schon mal um Nachreichung konkreterer Ergebnisse gebeten.

Danach stellten die planenden Firmen, sowohl eine für die verkehrstechnischen Belange als eine für die Freiraumplanung ihre ersten Pläne vor. Zunächst gab es nochmals eine detaillierte Analyse der Straße, vom Baumbestand und den Arten, der Besonnung, Topographie und natürlich fehlten auch die so wichtigen Sichtachsen nicht. Dann flimmerten erste Detailansichten der konkreteren Planung über die Leinwand.

Um es kurz zu sagen: Es ist bisher nicht geplant, auch nur irgendeinen Teilabschnitt autofrei zu gestalten. Stattdessen fahren die Autos ähnlich wie heute – von überall nach überall. Um aber den Fußgängern mehr Beachtung zu schenken, sind vor allem im Bereich zwischen Emilienstraße und Heußweg, sowie zwischen Heußweg und Schwenckestraße neuartige Mittelstreifen geplant, mit Griffelpflaster (Kommentar von jemandem dazu: „Ganz was  neues, kennt keine Sau“). Diese Streifen sind ebenerdig mit der Fahrbahn. Fußgängern soll es so erleichtert werden, die Straße passieren zu können. Erst irgendwo bis zur Mitte, dann weiter ganz rüber. Denn auch dies hat die Analyse ganz eindeutig ergeben: Zum Teil wird die Osterstraße an einigen Stellen von bis zu 200 Menschen in der Stunde überquert, weil Ampeln schlicht zu weit weg sind. Nur: Wenn dem so ist, warum wird es dann nicht so gestaltet, dass der Fußgänger Vorfahrt hat? Warum  nicht  einfach ein paar Zebrastreifen? Warum sollen sie sich in die Mitte zwängen und warten, bis der Autostrom durch die nächste Rotphase irgendwann unterbrochen wird? Wenn es die denn überhaupt noch gibt, weil sowohl an der Kreuzung Emilienstraße, als auch an der Methfesselstraße Kreisel in die engere Auswahl kommen.

Ansonsten werden Schrägparkplätze in gerade umgewandelt, werden hie und da neue Fahrradparkplätze eingeplant und wird es zwischen Schulweg und Heußweg beinahe durchgehend richtige Radfahrstreifen in beide Richtungen auf den Straßen geben. Anders sieht es im hinteren, engeren Abschnitt Richtung Methfesselstraße aus: Hat einer keinen Platz, ist klar, wer den kürzeren zieht: Das Rad, welches sich leider nur mit dürftigen Schutzstreifen zufrieden geben muss.

Am Ende gibt’s eine Art Fazit:
„Man solle die Osterstraße als lebens- und liebenswerten Mittelpunkt im Stadtteil begreifen und die bereits vorhanden Qualitäten zur Marke (weiter)entwickeln. Das merkantile Zentrum ist im Gegensatz zu so mancher Fußgängerzone eben auch ein Wohnort“

„Fußgänger sollten mehr in Betrachtung gezogen werden. Die sogenannten Nebenflächen sind beim Stadt- und Einkaufsbummel die eigentlichen Hauptflächen“

„Erhöhung der Attraktivität“

Es wäre wünschenswert, wenn sich die Damen und Herren Planer zu Herzen nehmen, was sie selber analysiert und präsentiert haben. Fußgänger und Radfahrer brauchen mehr Platz. Und vor allem sollten die tatsächlichen Verhältnisse beachtet werden: Nur 13% der Passanten an der Osterstraße kommen mit dem Auto! Also sollte man den Platz von denen nehmen, die ihn jetzt am meisten haben – und am wenigsten brauchen!!!

Kommt alle zur öffentlichen Veranstaltung am 3.7. um 19:00 Uhr ins Hamburg-Haus. Zeigt Flagge! Sagt deutlich, dass Ihr mehr wollt – viel mehr!

Jetzt noch Petition für die autofreie Osterstraße unterzeichnen – HIER!