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Das Auto – wirklich ein Existenzbedürfnis?

Der Traum vom Auto
Foto: Thorben Wengert / pixelio.de

100 Milliarden Dollar weltweit gab die Autoindustrie im Jahre 2013 aus, um eine mehr als geniale Marketingstrategie weiterhin mit Leben zu füllen: Über Jahrzehnte hat sie es geschafft, uns soweit zu manipulieren, dass wir glauben, ein Auto zu besitzen gehöre zum absoluten Existenzbedürfnis. 7,3 Millionen Euro „spendeten“ allein deutsche Lobbyisten 2014 von VW, BMW und Daimler in Brüssel, um Einfluss zu nehmen auf Beschlüsse und Regularien der EU. Damit sind sie sogar relativ erfolgreich – selbst nach dem Abgasskandal schaffen sie es wieder, strengere Abgastests abermals zu verwässern [„Testfahrt im Schrank“, taz, 25.09.2015]. In unseren Köpfen landet ein „Ohne Auto bin ich nur ein halber Mensch“ und so ganz nebenbei wird alles rationale, selbstständige Denken ausgebremst. Dabei sollte man meinen, dass gerade Erwachsene die Fähigkeiten haben sollten, Dinge auch kritisch hinterfragen zu können. Die Deutschen können es offenbar nicht und fallen auf einen der größten Marketing-Fakes aller Zeiten herein.
Dieser Beitrag versucht, den Nebel ein wenig zu lichten.

Seit über eineinhalb Jahren gibt es jetzt diesen Blog und damit die Aktion „Osterstraße autofrei!“. Ich habe viel geschrieben (z.B. „Alles Glück liegt auf der Fahrbahn“) über all die Vorteile, die ein anderes Denken in der Verkehrs- und Mobilitätspolitik zur Folge haben würde; sowohl im Kleinen – hier in Eimsbüttel – als auch im Großen, denn neue Lösungen braucht es rund um den Globus. Auf diesen Seiten und mehr noch auf Twitter und Facebook sind im Laufe der Zeit etliche gute Beispiele aus anderen Städten und Ländern zusammengekommen. Ein wenig scheint sich auch hier in Eimsbüttel zu tun, und wenn es in  erster Linie ist, dass über das Thema im allgemeinen diskutiert und gestritten wird. Immer tiefer bin ich im Laufe der Zeit in die Materie gestiegen, immer mehr fasziniert sie mich und immer wieder bleibe ich dabei an einer Frage hängen, die meiner Meinung nach die alles entscheidende ist:

Warum ist es so verdammt schwer, die Deutschen von anderen als den herkömmlichen Mobilitätskonzepten zu überzeugen? Warum gilt hier immer noch und nur: „Hauptsache Auto“?

„Deutschland ist Autoland“, ein Fakt, betoniert über Jahrzehnte. Man hat sich daran gewöhnt, war schon immer so, bleibt auch immer so. Genau diese Sichtweise möchte ich aber außen vor lassen. Die eigentliche Lösung dieser Frage muss tiefer liegen. Ich werfe einfach mal viele Fakten und meine Ansichten – oder besser oftmals eher verwunderte Fragen – in den Raum und würde mich freuen, wenn sich darüber eine kleine Diskussion entfachen ließe.

Wir sind umzingelt von Metropolen und kleineren Städten vor allem in Skandinavien und den Niederlanden, die jahrelange Erfahrungen gesammelt haben und mittlerweile wissen, dass sie auf dem richtigen Weg sind. Weil sie gesünder leben und vor allem auch ganz schnöde eine ganze Menge Geld sparen damit. Hier dagegen höre ich dann immer als erstes folgendes Argument, mit dem alle Diskussionen am besten gleich im Keim erstickt werden sollen, weil angeblich sowie nicht möglich, denn:

„Man kann (z.B.) Singapur nicht mit Hamburg (oder Berlin) vergleichen“.

In Singapur, 5,5 Millionen Einwohner, wird eifrig an einer Verkehrswende gearbeitet [PDF von Land Transport Authority Singapore]. So werden nur limitierte Lizenzen für den Privatbesitz eines KFZs vergeben und saftige Steuern/Zölle von bis zu 200% auf den Import von KFZ erhoben – ein gutes Mittel um, nebst Citymaut, den Autoverkehr stark einzudämmen.  Zur Zeit sieht die dortige „Transportpyramide“ noch so aus: Kleine Spitze oben – Fußgänger, Radfahrer, Mittelfeld: Public Transport, breites unteres Ende: Cars. Diese Pyramide soll nun umgedreht werden. Kleine Spitze: Cars, dann…. Warum?

„We aim for a “car-lite” Singapore by encouraging people to travel by sustainable modes i.e. public transport, walking and cycling. This is the key strategy to meet the increasing travel demand and to reduce emission from transport sector.“

Punkt. Und wieso kann man das nicht vergleichen? Da hört man dann Dinge wie die, dass es mit Singapurs Demokratie vielleicht doch nicht ganz soweit her sein dürfte wie wir es hier gewohnt sind. Mag vielleicht sein.

Schauen wir weiter nach Melbourne in Australien [Transport Strategy 2012 PLANNING FOR FUTURE GROWTH, PDF Download, 17,4 MB] oder New York. Es geht aber auch viel dichter, ein Blick nach London lohnt sich. Noch näher? Fast nebenan sind Kopenhagen (1,3 Millionen Einwohner im Hauptstadtraum) oder Oslo. Demokratien wie wir es sind. Menschen in Ländern, die genau wie wir auch Autos besitzen und sie fahren. Schweden baut sogar noch Autos und ist Geburtsland der Weltmarken SAAB und VOLVO, allerdings lässt auch das die Städte Stockholm und Göteborg nicht davon abhalten, eine Citymaut zu kassieren.  Im Erdölförderland Norwegen geht die Hauptstadt noch weiter: Oslo schmeisst ab 2019 die Autos aus der gesamten Innenstadt. Sind die Skandinavier also die besseren Menschen? Sicherlich nicht. Nur scheinen sie in einigen Bereichen schlicht vernünftiger zu planen und zu handeln.

„Aber man kann auch die skandinavischen Länder nicht mit Deutschland vergleichen“, dürfte das nächste Gegenargument sein. Zum Beispiel schon deshalb nicht, weil sie ja eine ganz anders ausgebaute ÖPNV Infrastruktur – auch auf dem Lande haben – als wir. Darum bliebe dem Deutschen oft nichts anderes übrig als mit dem Auto zu fahren. Stimmt. Leider. Das kann man aber ändern.

„Das Schneckentempo ist das normale Tempo jeder Demokratie“*

Warum dann halten wir Deutschen so unbeirrt am Autofahren fest? Für immer mehr Menschen verliert das Auto als Statussymbol an Wert, besonders in Städten wie Hamburg und Berlin, in denen vor allem die jüngere Generation oftmals ganz andere Antworten auf ihre individuelle Mobilität findet. Sie switchhen, sharen, radeln gehen und nutzen U- und S-Bahnen.  Viel und sehr aktuelles Input darüber gibt es in der Studie „Towards New Urban Mobility – The case of London and Berlin“ [PDF Download dort, 9,5 MB, publiziert September 2015]

Man weiß also, dass man auf dem absteigenden Ast sitzt, wenn man in seinen fossilen Dinosaurier steigt, mit dem man neuerdings oftmals eher durch afrikanische Savannen anstelle einer Tempo 30 Zone heizen müsste.  Lassen wir dem Typ im Auto seinen Spaß und seinen Glauben an unbegrenzte Fahrerfreuden, zumindest bis die Realität ihn einholt. Mit gerade mal 24 Km/h ist der arme Mensch durchschnittlich im Auto in Berlin unterwegs. In vielen anderen Städten sieht’s nicht besser aus, Hamburg wird als Staustadt sicher in ähnlichen Ligen spielen. Bei meiner Recherche bin ich dabei auf noch etwas ganz anderes interessantes gestoßen, was einem wirklich zu denken geben sollte: 10 – 15 Jahre eher in Rente könnten die Städter gehen, wenn sie kein eigenes KFZ unterhalten würden. Diese Rechnung geht davon aus, dass effektive Geschwindigkeit mehr ist als das, was Km/h ausdrückt. Denn auch Anschaffung und Unterhalt etc. muss mitgerechnet werden. Hamburg scheint dabei auf eine effektive Durchschnittsgeschwindigkeit von knickerigen 12 Km/h bei Autos zu kommen (Tranter, P., 2012, ‘Effective Speed: Cycling Because It’s “Faster”’, in J. Pucher and R. Buehler (Hg.), City Cycling, MIT Press, Cambridge, Massachusetts.). Eigentlich ein Kinderspiel für jeden Radfahrer. Und das ist nicht alles. Auch der Weg zum Auto, Scheibe kratzen, Reifenwechsel,….. Ach, lassen wir’s mal gut sein. Trotzdem Erstaunlich!

Auf diesem langsamen Weg schafft er es jedenfalls, 3000 Menschen tödlich zu überfahren, 90% davon in ärmeren Ländern. Täglich, weltweit (2004). Das ist krass mehr, als – auch wenn es völlig unangebracht ist, dies so gegeneinanderzurechnen – bei Terroranschlägen ums Leben kommen und um die in Europa tagelang getrauert wird. Die WHO hat den Straßenverkehr von daher als ein „Gesundheitliches Problem ersten Ranges“ gesehen. In Toronto (Kanada) wird alle 3 Stunden ein Fußgänger angefahren, alle 7 Stunden ein Radfahrer (Quelle: Facts Film „Bikes vs. Cars).

Wenn unser Freund am Steuer dann endlich zu Hause ist, findet er oftmals keinen Parkplatz, zumindest nicht in eng bebauten Altstadtvierteln. Da werden extra Runden gedreht bis man entnervt seine Karre hinstellt, wo’s eben passt: In Einfahrten, Kreuzungsmündungen, Fußgängerfurten, in Beete und Kurven. Hauptsache möglichst vor der eigenen Tür. Teure Knöllchen und noch teureres Abschleppen werden dabei billigend in Kauf genommen, was an sich noch in Ordnung ist. Nur dass damit viele andere behindert oder gar akut gefährdet werden, weil Menschen mit Rollatoren, Kinderwagen, zuweilen selbst mit Fahrrädern es nicht mehr schaffen, sich durch viel zu enge Lücken zu zwängen, egal. Kein Durchkommen für Rettungswagen, Feuerwehr oder einfach Kinder, denen ein sicheres Queren der Straßen unmöglich gemacht wird – mir doch wurscht. Faszinierend, dass auch Eltern da nicht einen Deut besser sind als solche Leute ohne Kinder. (Übrigens, damit sind wir beim nächsten Grund, warum ich mich nicht ändern muss: „Sollen doch erstmal die anfangen, die Kinder haben!“)

Nun, wo sich auch immer mehr Kinder nicht mehr im Straßenverkehr auskennen – wie denn auch – weil sie immer nur durch die Gegend gefahren werden, und wo es angeblich so unsicher ist, draußen ohne Auto herumzulaufen, bringen viel zu viele Eltern ihren Nachwuchs mit Autos in Kitas und Schulen. Dumm nur, dass ausgerechnet dort und eben genau darum ein Unfallschwerpunkt entsteht. Kleine Kinder, die man beim Einparken oder rückwärts Rangieren mit seinem Großstadtpanzer nicht sieht, kommen da schnell unter die Räder. Elterntaxis – ein gefährliches Unterfangen, wie auch eine Studie der Bergischen Universität Wuppertal längst erwiesen hat. 10636 Kinder unter 15 Jahren kamen laut statistischem Bundesamt 2012 im Auto ihrer Eltern zu Schaden – deutlich mehr als die Kinder, die zu Fuß zur Schule gingen. Es sollte zu denken geben, dass diese Studie sogar von einer Organisation in Auftrag gegeben wurde, von der man genau das fast schon gar nicht mehr erwartet hätte – dem ADAC. Kinder und Autos – das passt halt nicht.

Überhaupt Eltern: Sie setzen Kinder in die Welt, tun alles, sie zu hegen, pflegen, verhätscheln, kaufen Bio und ohne Parfüm und es juckt sie überhaupt nicht, dass auch sie dabei einen immensen Teil verpesteter Atemluft hinten raus lassen, den die eigenen Kleinen Tag für Tag und ohne Ausweichmöglichkeit in ihre Lungen ziehen müssen. Kinder zählen ebenso wie Schwangere, Ältere Menschen und solche mit Herz/Lungen-Problemen zu den anfälligsten Opfern. 7000 Tote gibt es allein deshalb in Deutschland, jedes Jahr. Das ist mehr, als Menschen an Unfällen sterben und leider erst der Anfang, denn die weltweite Flotte der Pkw’s wuchert unvermindert weiter. 2012 gab es eine Milliarde Autos, schon 2020 werden sie sich, wenn die „Tigerstaaten“ und Entwicklungsländer sich weiter entwickeln wie bisher, auf 2 Milliarden erhöht haben. 20% davon werden SUVs sein, die nicht weniger, sondern eher noch mehr Treibstoffe verfeuern. Gerade mal 1% der 2013 knapp 83 Millionen verkauften Neuwagen waren solche mit Elektroantrieb. Herkömmliche Motoren verursachen mit ihren Abgasen in nicht unerheblichem Maße CO² und weitere Substanzen (in Deutschland ist mit 17% der Verkehr an der Gesamtmenge der Verursacher), die die globale Menge am Treibhausgas weiter ansteigen lässt. Prognosen gehen davon aus, dass nach 33 Milliarden Tonnen in 2015 bis zu 40 Milliarden Tonnen in 2030 produziert werden. Da nützt es alles nichts, wenn das einzelne Auto mittlerweile weniger emittiert als vor einigen Jahren noch. Wenn es denn wenigstens stimmen würde. Stichwort „VW-Gate“, was sich zunehmend auch zu einem Audi- und Renaultgate usw. aufplustert und die Hersteller das Blaue vom Himmel herunter lügen lassen, um eben diesen weiter kräftig zu verschmutzen. Damit die automatisch verstellbare Sitzheizung, der Sound und weiß der Geier was noch alles „stimmen“, ziehen sie es vor, nicht nur ihre Kunden, sondern auch alle übrigen Menschen und sogar sich selbst zu verarschen. Wiederholen, was z.B. der finnische Handyhersteller Nokia eindrucksvoll vorgemacht hat: Jahrelang unangefochten die Nummer eins zu sein, dann schlicht die Trends der Zukunft verpennt zu haben und sich fortan unter „ferner liefen“ wiederzufinden… Das ginge auch anders. Z.B. so.

„Wer die Vergangenheit nicht studiert, wird ihre Irrtümer wiederholen. Wer sie studiert, wird andere Möglichkeiten zu irren finden.“*

Wie ist es denn – mal ganz andersherum gefragt – möglich, dass wir Deutschen in Sachen Blechkiste so immun sind gegen all die Dinge, mit denen wir um uns herum tagtäglich zu tun haben und somit bestens vertraut sein müssten: „Best practises“, „high potencials“ oder „super performances“ kennt jeder; ohne durchdachte Durchoptimierung bis in die kleinsten Bereiche des Arbeitslebens würde Deutschlands Wirtschaft heute sicher um einiges älter aussehen. Privat schubsen die Deutschen dagegen 53,7 Millionen Kfz’s (Stand Januar 2015) über die Straßen und kutschieren dabei etwa 200 Millionen Sitzplätze mit sich herum – bei gerade mal 81 Millionen Bundesbürgern. Die meisten dieser Gefährte stehen ohnehin etwa 22 Stunden am Tag unnütz irgendwo herum und werden meistens auch nur von einer Person gefahren. Das ist nicht nur eine Riesenschweinerei, das ist auch eine ebenso große volkswirtschaftliche Dummheit, für die der Begriff „Blödsinn“ noch viel zu harmlos ist. Übertragen auf die Wirtschaft würde dieses sinnlose und verschwenderische Verhalten wahrscheinlich bedeuten, dass der „Exportweltmeister Deutschland“ längst Schnee von gestern sein dürfte.

„Wenn wir auf Jahrzehnte so weiterfahren wie bisher, dann muss ich für unser Vaterland schwarz sehen.“*

Was also ist es, was es dem Deutschen so schwer macht, auch mal umzusteigen? Nur Bequemlichkeit kann es schließlich nicht sein. Unsere Nachbarn, die schon lange mit vielen „Best Practise“ Lösungen voranschreiten, sind genauso bequeme und verwöhnte Westeuropäer wie wir. Und dennoch scheint dort einiges mehr zu laufen. Ist es also die Angst davor, dass vieles anders, womöglich sogar viel besser werden könnte? Hat der kommunale Politiker, von welchem vor allem die Impulse für eine Umstellung ausgehen müssten, Angst vor Lobbyisten? Oder droht eine Autofabrik damit, dann abzuwandern? So etwas gibt’s hier an der Elbe ohnehin nicht. Oder ist es nicht vielmehr so, dass der kommunale Politiker eben auch nur ein Deutscher ist und darum gar nicht anders kann? Weil auch er Angst vor Neuem hat, so, wie alle anderen auch?

„Die Deutschen sind Europameister der Angst.“*

Ist es das? Soll das etwa alles sein, was uns Entscheidungen unmöglich macht, die viele andere sehr wohl treffen können und auch hierzulande längst getroffen worden sein müssten? Wenn das der wahre Grund sein sollte, sollte es dann nicht möglich sein, Angst auch überwinden zu können?

Es ist ja gar nicht so, dass alles verboten werden soll. Es muss nur komplett anders betrachtet, gedacht und umgesetzt werden. Dazu gehört aber nicht nur eine neue Verteilung von öffentlichen Flächen zugunsten von Rad- und Fußverkehr, sondern ebenso eine ganz grundsätzliche Diskussion darüber, ob man weiterhin wirklich überall mit dem eigenem (!) Auto hinfahren sollte. Dazu gehört, sich Gedanken zu machen über Tempolimits aber ebenso zum Beispiel auch über all die ganzen Lieferdienste, die sowohl Geschäfte als auch den Privatkunden zu Hause beliefern und ohne die die Stadt, wie wir sie heute kennen und gewohnt sind, gar nicht mehr funktionieren würde. Diesen Dienstleistern könnte ebenso wie dem ÖPNV Vorrang vor dem Individualverkehr eingeräumt werden („Umweltfreundliche Lieferung“, VCD Fairkehr 5/2015). Der HVV könnte sein 50 jähriges Jubiläum (erster Verkehrsverbund weltweit!!!) nutzen und sein unverständliches und völlig überteuertes Tarifsystem endlich mal entstauben und die Stadt diesen im gleichen Go auch mal wieder mehr fördern. Es gibt an allen Ecken und Enden viel zu tun. Gerade jetzt! („Mit der LSD Lampe in den Zeppelin, taz, 13.11.2015) Packen wir’s an!

„Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen!“*

*Zitate von Helmut Schmidt. Tja. Recht hat er, unser alter Bundeskanzler und Hamburger Jung der Extraklasse, von dem ich in diesem Beitrag einige bekannte Zitate reingebastelt habe. Fragt sich nur, wer hier eigentlich welchen Visionen hinterherträumt……..

Mehr zum Thema:
„Global fängt vor der Tür an“, Osterstraße autofrei, Juni 2014

Film „BIKES VS CARS“, ein eindringlicher und sehr informativer Film über die globalen Auswirkungen des Autoverkehrs, dem immensen Lobbyismus, um den Traum vom Auto weiterhin zu schützen und Menschen, die diesen bekämpfen. Derzeit läuft der schwedische Film, der über Crowdfunding finanziert wurde, in den US Kinos an. Besser kann einem der „Wahnsinn Automobil“ nicht vor Augen geführt werden.

Global *zoooom* Lokal!

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Global ist lokal – auch die Osterstraße kann einen wichtigen Beitrag zu einem besseren Klima leisten

Niemand bestreitet mehr den unaufhaltsamen Klimawandel. Die Ergebnisse, die der Weltklimarat (IPCC) in seinem 5. und letzten Sachstandsbericht im April 2014 vorstellte, sind alarmierend. Schluss mit Kohle!“ lautet eine der wichtigsten Forderungen des IPCC’s.   Im dritten Teilbericht geht es dabei um die Möglichkeiten, die helfen, den Effekt des Klimawandels zu mindern. Hierzu hat das Bundesumweltministerium eine deutschsprachige, kompakte Zusammenfassung [PDF Download, 150 KB] erstellt. Auf Seite 3 dieser Zusammenfassung ist folgendes zu lesen:

„Im Verkehrssektor können bis zum Jahr 2050 bis zu 20 bis 50% der Emissionen im Vergleich zu einem Business-as-usual Szenario vermieden werden. Die Steigerung der Energieeffizienz von Fahrzeugen oder die Einführung von kohlenstoffarmen Treibstoffen, Änderungen des Nutzungsverhaltens und eine nachhaltige Infrastruktur- und Städteplanung sind Beispiele für erfolgreiche Minderungsstrategien.“

Es sind nur wenige Sekunden, die es dauert, um sich bei Google Earth aus dem All heraus mitten ins Herz von Eimsbüttel und auf die Osterstraße hinein zu zoomen. Hier – genau wie überall sonst auch – kann und muss Klimaschutz gemacht werden. Es hat keinen Sinn, selbst nichts zu tun und dabei auf andere zu verweisen. Die Osterstraße trägt mit ca. 15.000 Pkw’s, die diese Straße heute tagtäglich befahren, nicht unerheblich zur Luft- und Lärmverschmutzung in Eimsbüttel bei. Unser Vorteil nun ist, dass wir es tatsächlich in der Hand haben, Zustände zu ändern. Weil die Osterstraße sowieso umgebaut wird. Wenn schon, dann auch richtig!

„Finde die Idee sehr gut, denn nur durch solche für manche vielleicht radikal erscheinende Maßnahmen kann auch Hamburg lernen wie Lebensqualität in Ballungsräumen entsteht.“

Treffender als eine Unterstützerin dieses Projekts es formuliert hat, könnte ich es auch kaum. Denn – genau das ist der Punkt, um den es geht. Nur darum, um nichts anderes.

Sogar aus der EU Kommission kommen da – man staune – recht interessante Inputs zum Thema. „Reclaiming city streets for people“ [5,9 MB, PDF Download] heißt ein sehr aufschlussreiches Handbuch, welches der Brüsseler Apparat erzeugt hat. Auch hier geht es ganz eindeutig nur um eines: Den Autoverkehr drastisch zu reduzieren und mehr Platz für alle anderen zu machen, gerade in urbanen Zentren.

Jetzt ein zweites Mal zurück zur Osterstraße:
Es scheint in der Fachwelt schon recht eindeutige Empfehlungen zu geben, wohin die Reise gehen sollte. Wenn irgendwo autofreie Straßen eingerichtet werden, um eben genau diese beabsichtigten Vorteile – das Einsparen von CO², Lärm, Feinstaub –  zu erzielen bzw. diese durch spätere gezwungene Gewohnheitsänderungen auszulösen, dann ja wohl da, wo auch alle sind: An belebten, zentralen Straßen, die tatsächliche Mittelpunkte von Quartieren und eben keine wichtigen verkehrsinfrastrukturmäßigen Zubringer- oder Ausfallstraßen sind. Wo bitte sonst soll man denn den Autoverkehr verdrängen, wenn nicht da, wo er geballt auftritt? In den Nebenstraßen ist das sicher nicht der Fall – wohl aber auf der Osterstraße.

Grüne, gerechte, wachsende Stadt am Wasser – Perspektiven der Stadtentwicklung” heißt ein neues Leitthema der Stadtentwicklungsbehörde in Hamburg. Auch hier verrät der Name, dass einiges besser werden sollte. Dennoch will Hamburg autofreie Straßen offenbar  nicht unterstützen, schließlich werden sie nicht einmal erwähnt. Kopenhagen als Vorbild immer  gerne – aber quasi bitteschön angepasst an unsere Autofahrerbedürfnisse. Radwege, wenn sie passen – wenn nicht, enden die Linien oder sind gestrichelt, so dass bei Gegenverkehr auch auf die Radwege ausgewichen werden kann. Von ein- und ausparkenden Fahrzeugen mal ganz schweigen. Radfahrer, Fußgänger und Anwohner, die auch mal Platz haben wollen, einmal klar zu bevorteilen, wenn es um bestehende Straßen geht und nicht um Spaziermeilen am Elbrand, scheint undenkbares Tabu zu sein.

Hamburg, Umwelthauptstadt 2011. Wie kann es sein, dass solche von vielen Seiten empfohlenen Vorschläge, wie ganz konkret und vor Ort im öffentlichen Raum deutliche Verbesserungen zu erzielen wären, oftmals nicht mal mehr angedacht werden? Weil man den Bedenken ein paar Ladeninhaber und vielleicht auch einiger Ich-finde-keinen-Parkplatz-mehr-Anwohner mehr Gewicht beimisst als vernünftige, grüne, gerechtere und zukunftsfähige  Stadtentwicklung zu betreiben?

Jetzt hat Eimsbüttel die Chance, mit dem Umbau der Osterstraße einen wirklich großen Wurf zu landen. Wahrscheinlich sogar bietet genau diese Straße die besten Möglichkeiten – nicht nur im Stadtteil, sondern im ganzen Bezirk. Wenn stattdessen auch hinterher 15.000 Autos durch die Straße knattern kann man leider nur sagen:

Eimsbüttel – setzen:  Sechs!

 

Global fängt vor der Tür an

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Global ist lokal – auch die Osterstraße kann einen wichtigen Beitrag zu einem besseren Klima leisten

Niemand bestreitet mehr den unaufhaltsamen Klimawandel. Die Ergebnisse, die der Weltklimarat (IPCC) in seinem 5. und letzten Sachstandsbericht im April 2014 vorstellte, sind alarmierend. Schluss mit Kohle!“ lautet eine der wichtigsten Forderungen des IPCC’s.   Im dritten Teilbericht geht es dabei um die Möglichkeiten, die helfen, den Effekt des Klimawandels zu mindern. Hierzu hat das Bundesumweltministerium eine deutschsprachige, kompakte Zusammenfassung [PDF Download, 150 KB] erstellt. Auf Seite 3 dieser Zusammenfassung ist folgendes zu lesen:

„Im Verkehrssektor können bis zum Jahr 2050 bis zu 20 bis 50% der Emissionen im Vergleich zu einem Business-as-usual Szenario vermieden werden. Die Steigerung der Energieeffizienz von Fahrzeugen oder die Einführung von kohlenstoffarmen Treibstoffen, Änderungen des Nutzungsverhaltens und eine nachhaltige Infrastruktur- und Städteplanung sind Beispiele für erfolgreiche Minderungsstrategien.“

Es sind nur wenige Sekunden, die es dauert, um sich bei Google Earth aus dem All heraus mitten ins Herz von Eimsbüttel und auf die Osterstraße hinein zu zoomen. Hier – genau wie überall sonst auch – kann und muss Klimaschutz gemacht werden. Es hat keinen Sinn, selbst nichts zu tun und dabei auf andere zu verweisen. Die Osterstraße trägt mit ca. 15.000 Pkw’s, die diese Straße heute tagtäglich befahren, nicht unerheblich zur Luft- und Lärmverschmutzung in Eimsbüttel bei. Unser Vorteil nun ist, dass wir es tatsächlich in der Hand haben, Zustände zu ändern. Weil die Osterstraße sowieso umgebaut wird. Wenn schon, dann auch richtig!

„Finde die Idee sehr gut, denn nur durch solche für manche vielleicht radikal erscheinende Maßnahmen kann auch Hamburg lernen wie Lebensqualität in Ballungsräumen entsteht.“

Treffender als eine Unterstützerin dieses Projekts es formuliert hat, könnte ich es auch kaum. Denn – genau das ist der Punkt, um den es geht. Nur darum, um nichts anderes.

Sogar aus der EU Kommission kommen da – man staune – recht interessante Inputs zum Thema. „Reclaiming city streets for people“ [5,9 MB, PDF Download] heißt ein sehr aufschlussreiches Handbuch, welches der Brüsseler Apparat erzeugt hat. Auch hier geht es ganz eindeutig nur um eines: Den Autoverkehr drastisch zu reduzieren und mehr Platz für alle anderen zu machen, gerade in urbanen Zentren.

Jetzt ein zweites Mal zurück zur Osterstraße:
Es scheint in der Fachwelt schon recht eindeutige Empfehlungen zu geben, wohin die Reise gehen sollte. Wenn irgendwo autofreie Straßen eingerichtet werden, um eben genau diese beabsichtigten Vorteile – das Einsparen von CO², Lärm, Feinstaub –  zu erzielen bzw. diese durch spätere gezwungene Gewohnheitsänderungen auszulösen, dann ja wohl da, wo auch alle sind: An belebten, zentralen Straßen, die tatsächliche Mittelpunkte von Quartieren und eben keine wichtigen verkehrsinfrastrukturmäßigen Zubringer- oder Ausfallstraßen sind. Wo bitte sonst soll man denn den Autoverkehr verdrängen, wenn nicht da, wo er geballt auftritt? In den Nebenstraßen ist das sicher nicht der Fall – wohl aber auf der Osterstraße.

Grüne, gerechte, wachsende Stadt am Wasser – Perspektiven der Stadtentwicklung” heißt ein neues Leitthema der Stadtentwicklungsbehörde in Hamburg. Auch hier verrät der Name, dass einiges besser werden sollte. Dennoch will Hamburg autofreie Straßen offenbar  in der heutigen Zeit nicht weiter unterstützen, schließlich werden sie nicht einmal erwähnt. Kopenhagen als Vorbild immer  gerne – aber quasi bitteschön angepasst an unsere Autofahrerbedürfnisse. Radwege, wenn sie passen – wenn nicht, enden die Linien oder sind gestrichelt, so dass bei Gegenverkehr auch auf die Radwege ausgewichen werden kann. Von ein- und ausparkenden Fahrzeugen mal ganz schweigen. Radfahrer, Fußgänger und Anwohner, die auch mal Platz haben wollen, einmal klar zu bevorteilen, wenn es um bestehende Straßen geht und nicht um Spaziermeilen am Elbrand, scheint undenkbares Tabu zu sein.

Hamburg, Umwelthauptstadt 2011. Wie kann es sein, dass solche von vielen Seiten empfohlenen Vorschläge, wie ganz konkret und vor Ort im öffentlichen Raum deutliche Verbesserungen zu erzielen wären, oftmals nicht mal mehr angedacht werden? Weil man den Bedenken ein paar Ladeninhaber und vielleicht auch einiger Ich-finde-keinen-Parkplatz-mehr-Anwohner mehr Gewicht beimisst als vernünftige, grüne, gerechtere und zukunftsfähige  Stadtentwicklung zu betreiben?

Jetzt hat Eimsbüttel die Chance, mit dem Umbau der Osterstraße einen wirklich großen Wurf zu landen. Wahrscheinlich sogar bietet genau diese Straße die besten Möglichkeiten – nicht nur im Stadtteil, sondern im ganzen Bezirk. Wenn stattdessen auch hinterher 15.000 Autos durch die Straße knattern kann man leider nur sagen:

Eimsbüttel – setzen:  Sechs!