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Für 50 Sekunden zurück in die Vergangenheit

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Vier Bäume mussten nicht wegen Bussen sterben, sondern wegen Autos.

Nun sind sie ab.
Vier Bäume, fast ein Jahrhundert gewachsen und gefallen in Minuten.
Für einige Sekunden, die Busse nun angeblich schneller ans Ziel kommen sollen. Protest der Anwohner und auch der Bezirksversammlung Eimsbüttel im Vorwege wurde einfach ignoriert. („Bäume abgeholzt – Protest ignoriert“, Elbe Wochenblatt, 16.11.2016 und „Ärger um gefällte Linden in Eimsbüttel“, NDR 90,3, 11.11.2016). Der Bushaltestelle der Station Goebenstraße, die nun um wenige Meter von der Gärtnerstraße über die Unnastraße ins Im Gehölz wechselt, stehen nun keine ‚lästigen‘ Bäume mehr im Wege. Dafür halten die Busse nun vor den Schlafzimmerfenstern der AnwohnerInnen im roten Eckhaus.

Während die Stadt Spendengelder sammelt und ihren BürgerInnen ins Gewissen redet, mit der Aktion „Mein Baum, meine Stadt“ aus guten Gründen neues Grün zu pflanzen, lässt sie gleichzeitig gnadenlos die Kettensägen ihr grausames Werk vollziehen. Mehr Ignoranz und mehr Verschaukelung der Wählerinnen und Wähler, die zu Recht frustriert der Politik den Rücken kehren, kann ein rotgrüner Senat mit einem grünen Umweltsenator kaum zeigen. Der oftmals ohnehin heftig kritisierten Busbeschleunigung, der dieses sinnlose Baummassaker zugute kommen soll, hat der Senat so wieder einen Bärendienst erwiesen.

Wer Busse beschleunigen will, wer also A sagt, muss auch B sagen können, nicht Aeinhalb. Denn was nützt einem Bus schon die Ersparnis von im Idealfall höchstens 50 Sekunden, sollte die Ampel vor der alten Haltestelle auf rot sein, wenn die so gewonnene Zeit hinter der Kreuzung gleich wieder verloren geht? Eben.

Ich bin erstaunt, in den vielen Presseberichten und ihren Reaktionen/Leserbriefen darauf eigentlich fast nirgendwo auf das gestoßen zu sein, was es  bräuchte, wenn man Busse wirklich beschleunigen will: Busspuren. So einfach ist’s.

Ich weiss, jetzt kommen sie alle, die sagen, das geht nicht. Weil diese Straße eine wichtige Straße ist, weil sie Ringstraße ist, weil die Leitungsfähigkeit eingeschränkt werden würde, weil die „Leichtigkeit“ des Verkehrs nicht mehr gegeben sei. Aber all das ist nicht der Fall.
Ich kenne die Gegend und wage zu behaupten, dass der weitaus überwiegende Anteil des Verkehrs auf diesem Streckenabschnitt deutlich weniger Wirtschaftsverkehr ist als es z.B. in der Fruchtallee der Fall ist. Das meiste, was hier unterwegs ist, ist eindeutig vermeidbarer Bequemlichkeitsverkehr von Privatfahrern.

Lasst uns weiterdenken: In der Grindelallee wurde zuletzt vorgemacht, dass man von zwei auf eine Spur für den MIV verengen kann. Selbst auf der Stresemannstraße, ebenso eine Bundesstraße, ist dies der Fall. Ausweichen der Autofahrer durch die Quartiere links und rechts ist sinnlos, da auch hier keine Zeitersparnis zu erwarten ist. Monatelang waren Teile der Gärtnerstraße nach dem Sielschaden nur einspurig befahrbar und auch heute, wo aufgrund der Busbeschleunigung gebaut wird, ist dies der Fall. Eimsbüttel und Hamburg haben und werden es überleben. („Dauerbaustelle Gärtnerstraße“, Eimsbütteler Nachrichten, 10.02.2016).

Und noch weiter: Wer sagt denn, dass die Leistungsfähigkeit nachlässt, nur weil MIV Autos nicht mehr ganz so schnell durchkommen? Was ist denn mit besagten Bussen, die man beschleunigen möchte und auf diese Weise auch wunderbar beschleunigen kann? Bis zur Kreuzung Fruchtallee geht’s ab jetzt am täglichen Stau vorbei, entspannt und schnell unterwegs zum Routenziel. Wenn gleichzeitig die Taktung dieser Linie weiter erhöht wird und so nochmals ein gleichzeitiger Mehrwert und eine attraktive Alternative zur Verengung der Autofahrspuren gegeben wird, ist alles vorhanden, Leute zum Umstieg zu bewegen. Und auch dies sei gesagt: Stau gibt es so oder so. Besonders in der Rushhour rund ums Hamburg Haus. Da macht es letztlich keinen Unterschied, in einer oder in zwei Reihen zu stehen. Damit wären wir beim letzten Punkt, der „Leichtigkeit“ des Verkehrs. Es muss nicht Aufgabe der Stadt sein, Probleme zu lösen, welche erst durch die Problemverursacher geschafft werden, indem sie meinen, halt im Stau stehen zu müssen. Es muss vielmehr die Aufgabe der Stadt sein, dafür Sorge zu tragen, dass gerade diejenigen, die umweltfreundlich unterwegs sind, ihr Ziel ohne ausgebremst zu werden erreichen zu können. Ganz nebenbei wäre dies der Weg, um Fahrrad, Fußgänger und öffentlichen Nahverkehr zu fördern, die Umwelt zu schützen, Luft sauber zu halten und Lärm zu reduzieren. Was hier passiert, ist schlimmer als das Gegenteil von allem.

Mit der Kampagne KURS FAHRRADSTADT haben wir genau diese Dinge im Blick. Wir möchten, dass Hamburg beginnt, Wege aus dem Verkehrsinfarkt zu finden, Wege in Richtung nachhaltige Mobilität einzuschlagen um vorbildliche Lösungen statt abschreckende Beispiele zu schaffen. Auf dem ersten Blick scheint es dabei nur um Radverkehr zu gehen. Doch dieser Gedanke trügt. Denn eine wirklich gute Fahrradstadt zu bauen erreicht nur der, der dabei genauso an Fußgänger und öffentlichen Nahverkehr denkt. KURS FAHRRADSTADT bedeutet, Verkehrs-, Umwelt- und Stadtentwicklungspolitik deutlich mehr zu verbinden, die Umwelt zu achten und Umbaumaßnahmen nicht kleinteilig abzuarbeiten, sondern als Großes und Ganzes zu betrachten. Die Zukunft im Blick, nicht die Vergangenheit. So fordert diese Kampagne eine klare Bevorzugung des Umweltverbundes.
Hier wäre die Gelegenheit dazu gewesen.

Über 800 Hamburgerinnen und Hamburger sehen es inzwischen genauso und haben die Kampagne KURS FAHRRADSTADT bereits unterzeichnet.
Wann unterzeichnest du?

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Am Ende bleibt nur die nackte Hauswand mit eindringlicher Mahnung über

Tempo 30 für ganz Eimsbüttel!

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Slalomradeln um Designer-Baumlöcher

An der Osterstraße wird mit Hochdruck weiter gebaut und die Baustelle verlagert sich weiter Richtung Kreuzung Heußweg, an der kein Stein auf dem anderen liegen bleibt. Auf einem ersten Abschnitt zwischen Heußweg und Schwenckestraße kann man schon mal eine Ahnung davon bekommen, was sich für Fußgänger und Radfahrer hier ändert, denn sie bekommen nun einen deutlich breiteren Gehweg. Halt! Fußgänger UND Radfahrer? Sollen Letztere nicht auf die Straße? Eigentlich schon, aber soeben hat der CSU Bundesverkehrsminister gestern einschneidende Anpassungen der Straßenverkehrsordnung angekündigt. [„Es muss nicht erst Tote geben“, taz, 18. Februar 2016] Demnach gibt es drei Änderungen, die schnellstmöglich umgesetzt werden sollen:

Kinder bis 8 Jahre müssen auf dem Fußweg fahren, bis 10 Jahre können sie es und Erwachsene müssen auf dem Radweg (so er denn vorhanden ist) bzw. auf der Fahrbahn fahren und ihren Nachwuchs von dort aus dirigieren. Das soll sich ändern; in Zukunft dürfen begleitende Eltern („geeignete Aufsichtsperson“) ihren Kindern auf dem Gehweg hinterher strampeln. Trifft sich ja ganz gut, dass diese nun breiter werden an der Osterstraße. Wenn man sich ansieht, wie viele Eltern/Kinder hier unterwegs sind, kann man sich vorstellen, was in Zukunft weiterhin radtechnisch auf den Fußwegen los sein wird. Nun rächt sich unter Umständen, dass es keinen vernünftigen Radweg geben wird, wie ihn etwa „Osterstraße autofrei!“ schon ganz am Anfang als Idee skizziert hatte. Eimsbüttels Eltern werden sicherlich massenhaft von den neuen Regelungen Gebrauch machen, da sie für sie gleich in zweifacher Hinsicht von Vorteil sind: Kind im Blick und weg vom nur halb vorhandenen Schutzstreifen auf der Fahrbahn.

Die zweite Änderung betrifft bestimmte Pedelecs, die in Zukunft auch  außerorts auf Radwegen fahren sollen.

Die dritte Sache ist aber sicher die interessanteste von allen. Wollten sich Anwohner, Initiativen oder auch die lokale Politik an Hauptverkehrsstraßen für Tempo 30 vor Schulen, Kindergärten, Altenheimen und dergleichen einsetzen, rannten sie meist gegen Betonmauern. Denn es bedurfte in aller Regel mindestens einen heftigen Unfall, um nachzuweisen, dass es an besagten Stellen ein erhöhtes Gefährdungspotenzial gab. Selbst dann noch war es oftmals ein Kampf gegen Windmüheln. Neu ist jetzt: Dieses Gefährdungspotenzial muss nicht mehr nachgewiesen werden. „Wir schaffen jetzt den Rechtsrahmen, damit die Straßenverkehrsbehörden ohne größere bürokratische Hürden Tempo 30 vor Schulen und Kindergärten auch an Hauptverkehrsstraßen anordnen können„, erklärte der Bundesverkehrsminister.

Für Eimsbüttel und alle, die hier – und nicht nur hier – für eine Entschleunigung des motorisierten Individualverkehrs kämpfen, dürfte das ein Sechser im Lotto sein und ich reibe mir schon freudig die Hände. Tempo 30 in der Lappenbergsallee! Kita gleich am Anfang, Kirche ein Stückchen weiter (Kinder, Senioren und nochmal Kinder, Kinder!), Kinderküche, Kita „Lokomotive“, großer Spielplatz und noch eine Kita gegenüber von Penny und noch eine am Ende.Die Schwenckestraße wartet mit der Kita der Apostelkirche auf.  In der Müggenkampstraße schraubt zukünftig die „Kita Mügge“ das Tempo runter. Heußweg kann Tempo 30 gleich über die Kreuzung bis zum Unnapark verlängert werden damit auch die „Kita Heussweg“ nicht vergessen wird. Mit etwas Fantasie ließe sich womöglich selbst die Osterstraße drosseln da sie Schulweg für die Schulen Tornquiststraße und Telemannstraße ist. Fruchtalle? Tempo 30, hier wird die Hauptverkehrsstraße gleich mit zwei weiteren Kitas, den „Minimeters“ und gegenüber den „Früchtchen“ regelrecht umzingelt. Nicht genug? Kita Emilienstraße der Elbkinder liegt ebenso an der Fruchtallee wie der Eingang zum Wehberspark, der wiederum ein Spielhaus besitzt. Eimsbütteler Marktplatz? Tempo 30, denn gerade wird ein Kaifu-Nordland Wohnhaus für Senioren direkt dort und am Ende der Rellinger Straße bezugsfertig. Auf der anderen Seite liegt ein weiteres Spielhaus und um die Ecke die Grundschule Eduardstraße. Die Schule / Kita Rellinger Straße grenzt mit der Rückseite an die Kieler Straße.  Weiter längs müssen die Autofahrer wieder auf die Bremse treten, denn dort liegt die Elbkinder-Kita Försterweg.

Goldige Aussichten! Diese Gesetzesänderungen scheinen gerade für Eimsbüttel wie auf den Leib geschneidert zu sein. Endlich scheint es möglich zu sein, einen Damm zu durchbrechen. Den Damm jahrzehntelanger Ignoranz, den Damm, den die Straßenverkehrsbehörde immer wieder wie ein Schutzschild um die Autofahrer spannte (musste), um sinnvolle und lebensrettende Tempolimits zulasten der Schwächsten unserer Gesellschaft abzulehnen. Einen Damm, der für viel zu viele leider schon das tödliche Ende bedeutete.

Schluss damit! Lasst uns aus Eimsbüttel das Tempo nehmen! Und wenn wir damit fertig sind, knöpfen wir uns mal wieder die nicht enden wollende stehende Blechlawine und den oftmals sinnlosen MIV an sich als nächstes Thema vor. Es gibt immer was zu tun. Los geht’s!

Merkste was? Eimsbüttel fast verkehrsberuhigt!

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Es lohnt sich, dieser Tage einen ausgedehnteren Spaziergang durch Eimsbüttel zu machen. Wir können gerne an der Osterstraße anfangen. Seit einiger Zeit ist es schon nicht mehr möglich, von dort in die Schwenckestraße Richtung Lappenbergsallee abzubiegen. Nur heraus kommen einige Autos, denn diese Straße ist zur Zeit Einbahnstraße. Wir schlendern weiter Richtung Müggenkampstraße, die Osterstraße  hinauf. Hier wird dem verständnisvollen Autofahrer erläutert, dass es geradeaus auch nicht wirklich weiter geht. Denn am anderen Ende ist wieder zu – kein Durchkommen zum Langenfelder Damm. Damit ist einer der beliebtesten Schleichwege im Viertel und durchs Viertel im Moment außer Betrieb gesetzt worden.

In der Müggenkampstraße ist es angenehm ruhig geworden, ebenso im Großen und Ganzen auch in der Lappenbergsallee. Nur stadteinwärts, und nur stur geradeaus darf jetzt kommend vom Langenfelder Damm in die Lappenbergsallee gefahren werden. Zack – fast die Hälfte des Traffics ist von der Straße verschwunden. Das merkt man auch noch rund um die Apostelkirche. Wir marschieren weiter und kommen nun wieder von oben an die Schwenckestraße heran. Vor wenigen Tagen noch durfte man hier nicht einmal weiter Richtung Heußweg fahren, weil auch hier eine Einbahnstraße eingerichtet war. Die Schwenckestraße ist dies noch immer, im wahrsten Sinn des Wortes: So ist es auch von keiner Seite aus möglich mit dem KFZ von der Sillemstraße auf die Schwenckestraße zu gelangen. Beide Enden der Sillemstraße sind zur Zeit Sackgassen. Vor uns liegt wieder die Osterstraße.

Ich wette, dass eine ganze Menge Verkehr jetzt auch, vor allem im hinteren Bereich, von der Osterstraße verschwunden ist. Im Juli 2014 hatte ich mich selbst vor die „Kleine Konditorei“ gestellt und gezählt, wie viele Autos hier weiter geradeaus in die Müggenkampstraße fahren („KAUM DURCHGANGSVERKEHR – ODER WAS?“), um dann, was wohl, auf den Langenfelder Damm zu kommen. Fix zur Autobahn. Dieser Weg ist zu. Man merkt es auch – das hintere Ende der Osterstraße wirkt deutlich ruhiger als sonst. Genau diesen Effekt hätte es auch gegeben, wenn umgesetzt werden würde, was „Osterstraße autofrei!“ schon lange fordert. Einziger Unterschied: Der Schwerpunkt der „Ruhe“ liegt eben nicht „irgendwo dahinten“, sondern dort, wo die Menschen sind. Im Zentrum Eimsbüttels. Denn die sind nach wie vor alle da – ich hab‘ sie selbst vorhin gesehen….

Letzter „Schleichweg“ ist nun nur noch der Stellinger Weg. Wie sieht es dort aus? Bitte kurz mal berichten aus der Ecke, gerne Kommentarfunktion nutzen, vielen Dank.

Sollte sich der Verkehr hier erhöht haben, ließen sich theoretisch und praktisch auch hier mit einer Einbahnstraßen oder Sackgassenregelung die MIV-Ströme gezielt aus dem Quartier verdrängen. AnwohnerInnen mit PKW dagegen werden ganz sicher auch jetzt noch von und nach nach Hause kommen, oder?

Wie geht es denen, die zur Zeit viel weniger Lärm und Abgase ertragen müssen als sonst? Hallo Lappenbergsallee, Langenfelder Damm, Schwenckestraße, auch von Euch dortigen AnwohnerInnen wären kurze Statements sehr willkommen!

Wahrscheinlich wird die Verkehrsbehörde gerade keine neuen Verkehrszählungen durchführen. Das ist schade. Das ist dumm. Andere Städte versuchen genau auf diese Weise, Fakten und Auswirkungen einzusammeln, um mit den Ergebnissen politische Verkehrsänderungen und Flächenaufteilungen herbeizuführen.

Aber, träumt alle schön weiter. Wir wohnen schließlich in Hamburg Eimsbüttel. Da ist klar, dass alles, wenn die Rohre in den Baustellen erstmal verbuddelt sind, fürs Wiederdarüberhinwegdieseln freigegeben wird. Alles andere ist schlicht nicht möglich…

Dabei zeigt die Situation gerade jetzt, da ja nicht nur die Straßen im Quartier, sondern auch die große Durchgangsstraße Gärtnerstraße / Im Gehölz ein Dauerbaustellennadelöhr ist, wie wenig es kostet, „mal eben“ fast den ganzen Stadtteil effektiv verkehrszuberuhigen. Es braucht auch keine „Bürgerbeteiligung“, einfach machen und die Menschen vor vollendete Tatsachen stellen. Wo heut morgen noch ein Durchkommen war, ist nachmittags zu. Auch das ist übrigens oftmals eine – hier wahrscheinlich leider eher nicht gewollte – Gemeinsamkeit mit Städten, die die Verkehrswende auf diesem Wege stark forcieren bzw. in die Wege leiten.

Es kostet ein paar schlaue Ideen und ein paar Schilder. Eine viel effektvollere „Neuland STRASSE“ hätten wir sicherlich nicht hinbekommen.

Jetzt macht es die Stadt selbst – und merkt’s nicht mal.

Dank Rot-Grün nur Lärm und Dreck statt Straßenfest

Foto: mit freundlicher Genehmigung, Harry Hautumm / pixelio.de, Bearbeitung: Neuland STRASSE
Foto: mit freundlicher Genehmigung, Harry Hautumm / pixelio.de, Bearbeitung: Neuland STRASSE

Es hätte anders kommen können.
Ab heute wäre „Neuland STRASSE“ für die kommenden 3 Tage auf der Osterstraße gestiegen.

Es wäre  ein Straßenfest, bei dem der Mensch, die Bewohner Eimsbüttels und Besucher aus dem Rest der Stadt, im Mittelpunkt gestanden hätten.

Darauf (und auf mehr) muss Eimsbüttel nun verzichten:

  • viel Informationen rund um neue Mobilität
  • Infostände und / oder Aktionen z.B. vom adfc Hamburg, VCD Nord (Verkehrsclub Deutschland), cambio Carsharing, FUSS e.V. (Hamburg), Fahrradstadt Wilhelmsburg e.V., StadtRAD Hamburg, ETV, … (alle Genannten haben uns entweder öffentlich unterstützt bzw. eindeutiges Interesse gezeigt, DANKE dafür!)
  • Ideenwerktatt von und mit nexthamburg, (Motto: Wie könnte die Osterstraße denn noch so aussehen?)
  • Aktionen, Kunst, Performances (Interesse zeigten die „Lenz-Dancers“ und die „Crazy Bikers“ sowie eine Skateschool)
  • Kino umsonst und draußen: „The Human Scale“ hätten wir auf der Kreuzung Hellkamp gezeigt,  der Verleiher hat es uns erlaubt. Auch hierfür ein Riesendankeschön nach München
  • 3 Tage, an denen sich zeigen ließe, dass besseres Leben sogar hier möglich ist
  • 3 Tage kein Lärm, keine Abgase und mehr Sicherheit
  • 3 Tage saubere Luft, Ruhe und viel, viel Platz für Kinder, Nachbarn, Senioren – Platz für die Menschen. Für DICH.

Leider können wir nicht sagen, warum dieses Fest nicht stattfinden soll.  Man hat nicht einmal ernsthaft mit uns darüber geredet. Wir wurden schlicht ausgesessen, bis wir nichts mehr tun konnten als von uns aus abzusagen.

Über die Hintergründe der Nicht-Genehmigung kann Euch die Bezirksamtsleitung Eimsbüttel sicherlich mehr Informationen geben.

„30 reicht in Eimsbüttel“ – plus X

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Vor einigen Tagen kam Peter Gutzeit (die LINKE Eimsbüttel) auf mich zu und wir trafen uns im ruhigen Café Mathilde, um darüber zu reden, warum das Projekt „Neuland STRASSE“ gescheitert war.

Dann erzählte er mir von seinem Plan. Peters Vision ist, dass überall im Stadtteil nur noch Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit gefahren werden darf, ausgenommen die großen, meist mehrspurigen Bundesstraßen, die das Viertel umgehen. Dafür will er sich persönlich, auch abseits der Parteipolitik einsetzen. Betroffen sind von dieser Idee eine ganze Menge Straßen, auch der Eppendorfer Weg (Behörde: „…eine wichtige Verbindungsstraße!“) sowie selbstverständlich auch die Osterstraße.

Wir sind uns beide einig darin, dass es nach erfolgreicher Temporeduzierung an der Bundesstraße in Folge eines schlimmen Unfalls wieder recht ruhig in Eimsbüttel geworden ist. Es wurde viel im Stadtteil diskutiert, demonstriert und geschrieben. Nun aber beobachten wir, dass engagiert gestartete Initiativen, die Dinge zum besseren hin ändern wollen, durch die Hinhaltetaktik der Behörden regelrecht zermürbt werden. Das betrifft offenbar nicht nur Projekte wie „Neuland STRASSE“, sondern auch andere in Hamburg, wie ich es unter anderem auch vom VCD Nord erfahren habe.

Genau diesen Effekt gilt es nun zu verhindern! Es ist viel Arbeit investiert worden auf dem Gebiet. All das war nicht umsonst, sondern sollte uns als eine sehr gute Basis dienen, darauf weiter in diesem Stadtteil aufzubauen.

Ziel ist es, uns zu vernetzen, und zusammen aus Initiativen, Vereinen, Firmen, Parteimenschen und interessierten Einzelpersonen eine tatkräftige Truppe zu bilden, die sich dann dem Projekt mit Herzblut annehmen kann. Über alle politischen, ideologischen und religiösen Grenzen hinweg soll es nur ein Thema geben: Tempo 30 in Eimsbüttel populär zu machen, indem wir versuchen, eine richtige Bewegung zu starten bzw der bereits existierenden neuen Schub zu geben. Wenn diese Fahrt aufgenommen hat, soll es später auch zu Einsatz für autofreie Zonen in Eimsbüttel kommen.

Dafür soll ein erstes Treffen stattfinden am:

Montag, 28. September, 19:00 Uhr
im Café Mathilde,
Bogenstraße 5 / Beim Schlump
20144 Hamburg

Danach sind monatliche Treffen angedacht, immer am letzten Montag des Monats.

Ich bleibe dabei, für mich persönlich weiter „autofrei“ auf der Osterstraße als Maximalforderung zu stellen. Dennoch glaube ich, dass Peters Idee auf jeden Fall verdient hat, ins Leben gerufen zu werden. Mit regelmäßigen Treffen, Gedankenaustauch und dem Entwickeln von Ideen und Aktionen lässt sich ganz sicher mehr erreichen als durch kleine Einzelinitiativen.

„Slow -Power“ für Eimsbüttel – da geht was,  wir wollen’s wenigstens austesten. Zusammen mit Dir!

Fragen? Immer gerne, bitte nutzt die Kommentar-Funktion.

Wir freuen uns auf Euch! Liebe  Grüße

Peter und Kai

 

 

 

Critical Mass unterbricht Osterstraße

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Ab auf die Straße! Ein schier endloser Fahrradkonvoi rauscht durch den Schulweg und quert die Osterstraße.

Das war Rekord: Mehr als 5000 Radler kamen am Freitag zusammen, um als geschlossener Verband eine „kleine Ausfahrt“ kreuz und quer durch Hamburg zu machen. Dabei ging es zuerst von der Alster Richtung Eimsbüttel und kurz später wurde die Osterstraße überquert. Autos, die auf der Osterstraße fuhren, hatten dabei ganz klar nur eines zu tun: Zu warten, bis die Critical Mass irgendwann vorbeigezogen sein würde. Währenddessen konnten sie sich die Zeit des Stillstands aber auch mit dem Studium der „Osterstraße autofrei!“ Flyer versüßen. Wow, was für ein Abend, was für eine Tour. Und für einen kurzen Moment war ein Zustand mal wieder fast erreicht – Osterstraße autofrei!

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Stillstand in der Osterstraße – da half kein Fluchen, da half höchstens die Chance, schon mal zu spüren, wie schön es autofrei sein könnte.

Osterstraße autofrei ist da!

Für alle, die Lust auf eine neue, schönere, leisere, gesündere und spannendere Osterstraße in Hamburg Eimsbüttel haben.

Die Online Petition ist bereits am Laufen, jetzt kommt der ganze Rest: Warum, weshalb, wieso und wie könnte es sein – wenn Träumen erlaubt ist. Wir sollten die Chance nutzen, jetzt zu sagen, wie wir uns das Herz von Eimsbüttel wirklich wünschen: Pulsierend, lebendig, quirlig, bunt – und autofrei.

Kommt alle rauf auf Osterstraße autofrei, seht Euch um und bringt Leben ins Zentrum von Eimsbüttel!

https://osterstrasseautofrei.wordpress.com