Kuscheln auf der neuen Osterstraße

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…und da lässt du dein Kind radeln??? Oder Oma?

Nun ist zu sehen, was bisher fast niemand sehen wollte: Vom neuen „Schutzstreifen“ auf der Osterstraße bleibt de facto nicht wirklich etwas über. Zumindest nicht, wenn Autos und Busse die neuen Mittelinseln passieren. Dann wird es eng, richtig eng. 7,5 Millionen Euro wurden aus der Radförderung genommen und du bekommst – das:

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Nur etwa 5 Minuten stand ich heute Mittag an der neuen Osterstraße auf Höhe des Zugangs zum Unna Parks vor den Mittelinseln und konnte den ganzen Radler-Horror sofort bestaunen. Alles war dabei. Etwa jedes zweite Auto fuhr über die Schutzstreifen-Markierung. Das dürfen sie, sollen es aber nicht, wenn Radfahrer vor ihnen sind. Dann wird überholt – und die enge Fahrbahn keinen Zentimeter breiter.

Gestern gab es einen schweren Unfall mit einem 9 jährigen Jungen in Hamburg Horn. Genaue Umstände sind noch nicht bekannt, aber immerhin soviel: „Plötzlich tauchte der Junge mit seinem Fahrrad auf der Fahrbahn auf“.
Vor etwa zwei Wochen ereignete sich im Hofweg auf der Uhlenhorst ein heftiger Unfall, bei der eine Radfahrerin schwer verletzt wurde. Die Ursache war offenbar ein Fahrzeug, welches wegen Gegenverkehr ausgewichen ist und dabei in die Radfahrerin krachte. „Vision Zero“ (Trafikverket, Schweden) sieht anders aus.

Im Hofweg gibt es keine Schutzstreifen, von der Horner Speckenreye weiß ich es nicht. Was aber bleibt ist etwas anderes: Das, was man hier oben auf den Bildern sieht, kann es jedenfalls nicht sein.

Radeln auf der Fahrbahn schützt vor nichts – höchstens vor Platzwegnahme zuungunsten des KFZ-Verkehrs. Wann begreift Hamburg, dass die Streifenmalerei nicht den Radverkehr fördert, sondern ein Spiel mit der Unversehrtheit und dem Leben der eigenen Bürger ist?

siehe auch:
„Einladen(d)“
„Schutzstreifen“ auf „Hamburg steigt auf“

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8 Kommentare zu “Kuscheln auf der neuen Osterstraße”

  1. Der Schutzstreifen wird wegen der herumstehenden Baken befahren. Ansonsten ist es auch kein Problem, wenn der Streifen mitbenutzt wird, wenn keine Radfahrer da sind. Das Problem ist, dass der Schutzstreifen auch mit 1,5m zu schmal zu schmal ist. Also einfach breitere Streifen. Dass Radwege Murks sind, sollte Jeder wissen.

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  2. @Kai: Wir sind uns ja einig, dass die Schutzstreifen an dieser Stelle nicht optimal sind und ich hätte mir auch richtige Radfahrstreifen mit durchgezogenen Linien und mindestens 1,50m Breite gewünscht. Ich will die Entscheidung dafür nicht rechtfertigen, nur zu bedenken geben, dass der deutlich großzügigere Platz für die Fußgänger dafür verantwortlich ist und es nicht unbedingt um eine Bevorzugung oder Besserstellung des KFZ-Verkehrs ging.
    @Vorstadtrizzi: Hast du für deine Behauptung des Rotkäppchenprinzips irgendwelche Belege? Gute und nachvollziehbare Argumente dagegen findet man zumindest beim ADFC: http://hamburg.adfc.de/verkehr/themen-a-z/radfahrstreifen-und-schutzstreifen/faq-radfahrstreifen/
    Aber natürlich würde die Sicherheit der RadfahrerInnen noch erhöht, wenn sich mehr von Ihnen auf dem Streifen befänden und somit deutlicher wird, dass Autos diesen nur Ausnahmsweise benutzen sollen.

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    1. Hey Moritz,
      schön, dass wir uns da einig sind 🙂
      Und ja, endlich haben Fußgänger mehr Platz, das finde ich auch gut so. Aber es geht auf Kosten der Radfahrer. Da ginge schlicht deutlich mehr: Z.B. eine Einbahnstraße. Oder, wie gerade wieder in Schweden (Helsingborg) gesehen, Parkplätze weg – auch und gerade in der Einkaufsstraße. Wer mutig denkt – und plant UND umsetzt – der bekommt auch was.
      Das hier z.B.:


      (So kommen Radfahrer sicher durch die Stadt)

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  3. Krass, wenn man das dann so realisiert sieht wie befürchtet. OK, man sieht keine Radfahrer auf den Bildern. Das heißt aber auch, dass ich bei solchen PKW-Manövern als Radlerin, die sich von hinten nähert tunlichst nicht das Auto rechts überhole, wer weiß ob das Auto nicht ganz rechts rüberzieht, um mal eben schnell zu parken. Damit bleibt der Radler mal wieder ausgebremst und benachteiligt. Für mich gibts nur eine logische Konsequenz aus diesem Umbau: die Osterstraße muss RADFAHRSTRASSE werden, um gesetzlich geregelten Vorrang für Radfahrer zu gewähren und 7 Mio Euro aus dem Radiertopf zu rechtfertigen!

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    1. Die Beobachtungen mögen ja zutreffend sein, sie sind allerdings in Situationen gewesen, wo keine RadlerInnen unterwegs waren. Ich würde postulieren, dass der Schutzstreifen nicht geschnitten wird, wenn sich RadfahrerInnen dort befinden. Das müsste man sich dann noch mal anschauen. So bleibt aber immer noch gültig, dass Schutzstreifen und vor allem die noch breiten Radfahrstreifen dafür sorgen, dass RadlerInnen früher gesehen werden und eben nicht unvermittelt auf der Fahrbahn oder im Kreuzungsbereich auftauchen. Und zur Argumentationsstruktur. Ein Argument wird nicht gerade überzeugender, wenn man Beispiele anführt, die bei genauem Hinsehen überhaupt nichts mit der Sache zu tun haben, weil es dort eben keine Schutz- oder Radfahrstreifen gibt…

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      1. Dass die Speckenreye eine Tempo 30 Zone ist, habe ich erst durch euch erfahren – in den offiziellen Unfallmeldungen war davon nichts zu sehen. Für mich macht es die Sache damit nur umso tragischer noch, weil es zeigt, dass Rad und Auto auf ein und dem selben Platz eben doch nicht die optimale Lösung ist.

        Natürlich, es waren in genau diesen Momenten auf der Osterstraße keine Radfahrer an fraglicher Stelle unterwegs. Darum geht es mir aber auch gar nicht. Es geht um etwas anderes. Darum, dass der Platz NEBEN fahrenden KFZ, vor allem fahrenden Bussen, ohne Frage äußerst gering, wenn nicht schon grenzwertig ist. Bedenke bitte, dass du als Radfahrer das Recht hast, auf diesen Streifen zu fahren. Du musst sogar auf der Fahrbahn fahren, sobald du 10 Jahre alt bist. Darauf, was andere gleichzeitig hinter dir machen, hast du dann nur wenig Einfluss. Fakt ist: Rad (vielleicht sogar noch mit Anhänger) und KFZ / Bus nebeneinander ist mörderisch eng. Das ist alles andere als eine optimale Lösung. Suboptimal und „Fahrradstadt Hamburg“ passt meiner Meinung nach aber einfach nicht zusammen.

        Kai

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      2. Die Verwaltungsvorschrift zur StVO (VwV-StVO) sagt allerdings etwas anderes:
        „5. Ein Schutzstreifen … Er kann innerhalb geschlossener Ortschaften auf Straßen mit einer zulässigen Höchstgeschwindigkeit von bis zu 50 km/h markiert werden, wenn die Verkehrszusammensetzung eine Mitbenutzung des Schutzstreifens durch den Kraftfahrzeugverkehr nur in seltenen Fällen erfordert….“

        Aus: VwV-StVO, Zu § 2 Straßenbenutzung durch Fahrzeuge, Zu Absatz 4 Satz 2, Röm. I, 12.

        Das Argument „besser gesehen werden“, auch als Rotkäppchenprinzip bekannt, funktioniert schon im Märchen nicht.

        Besser gesehen – im Sinne von besser wahrgenommen – wird der Radverkehr durch die Erhöhung des Radverkehrsanteils, durch Safety in Numbers.

        Um die Zahl der Radfahrer zu erhöhen, braucht man vor dem Kfz-Verkehr baulich geschützte Radinfrastruktur – das ist auf der ganzen Welt bekannt.

        Das Hernarücken des Radverkehrs an den Kfz-Verkehr führt, selbst wenn die Kfz-Fahrer dies nicht wollen, zu systematischem Mobbing, Bullying und Gefährdung der Radfahrer durch Kfz und verringert dadurch das Potential des Radverkehrs ganz erheblich – denn Running with the Bulls, wer will das schon?

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