Lieber über Leichen II – Hamburgs Unfälle

Foto: Falk Jaquart / pixelio.de
Will man am liebsten nicht wissen, was dahinter auf Hamburgs Straßen passiert                               Foto: Falk Jaquart / pixelio.de

Hamburg vermeldet wieder Superlatives. „Historisch niedrig“ seien die Zahlen der Verkehrstoten auf den Straßen der Hansestadt. Gestern wurde die Unfalljahresbilanz 2015 vorgestellt. Im Jahr 2014 verloren 38 Menschen ihr Leben auf dem Asphalt, 2015 „nur“ noch 20. Das ist schön, keine Frage.
Aber immer noch deutlich zu viel.

  • Unfallzahlen steigen wieder, + 2,3% im Vergleich zum Vorjahr (Absolut 67.197 Unfälle in 2015)
  • Zahl der Schwerverletzten ist massiv gestiegen, + 8,4% im Vergleich zum Vorjahr
  • 741 Kinder verunglückten 2015, 89 von ihnen wurden schwerverletzt. Das ist ein krasser Anstieg um 27%

Da braucht man sich nicht auf die Schultern zu klopfen und im Übrigen zu versuchen alles andere „wegzuerklären“. So sei es nötig, die Verkehrserziehung durch die Verkehrslehrer der Polizei fortzuführen und für die Großen gibt’s weiterhin „Rücksicht auf Kinder kommt an!“.

Radfahrunfälle gab es „nur“ noch 3242, Tendenz „sinkend“, da 31 weniger als im Vorjahr. Ob das nun am konsequenten Ausbau der Radverkehrsanlagen liegt, könne man aber noch nicht beantworten. Viel Glück wird dabei ganz sicher keine unerhebliche Rolle gespielt haben, so gab es 2015 nur 2 Tote im Vergleich zum Jahr davor mit 11 Toten Radfahrern.

„Ist vor dem Hintergrund der Ankündigung von Verkehrsminister Dobrindt zur Senkung der Hürden bei der Einrichtung von Tempo 30 vor Kitas, Schulen und Senioreneinrichtungen, von der Hamburger Polizei eine Umkehr der bisherigen ablehnenden Haltung weiterer Tempo 30-Strecken und Zonen in dicht besiedelten Wohngebieten zu erwarten?“ Diese Frage konnte ein Aktivist auf der Landespressekonferenz den Polizeipräsidenten Ralf Meyer stellen.

Die Antwort – kurzgefasst – lautete nein. Man müsse abwarten und sehen, was vom Ministerium kommt…

Ist das Hamburgs Konzept für „Vision Zero“ (Trafikverket, Schweden), also auf Null tödliche Unfälle zu kommen? Dabei ist längst erwiesen:

90% der Opfer von Tempo 50 Unfällen könnten leben, wäre dieser Unfall bei Tempo 30 passiert

Hauptunfallursache in Hamburg ist Raserei und Rücksichtslosigkeit.

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17. März 2016
Update:
Soeben haben die Verkehrsminister der Länder in Rostock beschlossen, Tempo 30 vor Schulen, Kitas, Krankenhäusern und Seniorenheimen auch auf Hauptverkehrsstraßen zu ermöglichen. Das ist schon deutlich mehr, als nur eine Pressemitteilung aus dem Hause Dobrindt. Noch soll es aber einige Monate dauern, bis die Gesetze geändert werden. Aber wenn es kommt – warum dann noch warten? Los geht’s! Am besten schon gestern.

Siehe auch:

„Lieber über Leichen“ – Warum Tempo 30 hier so schwer ist

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