Tempo 30 für ganz Eimsbüttel!

CIMG9133
Slalomradeln um Designer-Baumlöcher

An der Osterstraße wird mit Hochdruck weiter gebaut und die Baustelle verlagert sich weiter Richtung Kreuzung Heußweg, an der kein Stein auf dem anderen liegen bleibt. Auf einem ersten Abschnitt zwischen Heußweg und Schwenckestraße kann man schon mal eine Ahnung davon bekommen, was sich für Fußgänger und Radfahrer hier ändert, denn sie bekommen nun einen deutlich breiteren Gehweg. Halt! Fußgänger UND Radfahrer? Sollen Letztere nicht auf die Straße? Eigentlich schon, aber soeben hat der CSU Bundesverkehrsminister gestern einschneidende Anpassungen der Straßenverkehrsordnung angekündigt. [„Es muss nicht erst Tote geben“, taz, 18. Februar 2016] Demnach gibt es drei Änderungen, die schnellstmöglich umgesetzt werden sollen:

Kinder bis 8 Jahre müssen auf dem Fußweg fahren, bis 10 Jahre können sie es und Erwachsene müssen auf dem Radweg (so er denn vorhanden ist) bzw. auf der Fahrbahn fahren und ihren Nachwuchs von dort aus dirigieren. Das soll sich ändern; in Zukunft dürfen begleitende Eltern („geeignete Aufsichtsperson“) ihren Kindern auf dem Gehweg hinterher strampeln. Trifft sich ja ganz gut, dass diese nun breiter werden an der Osterstraße. Wenn man sich ansieht, wie viele Eltern/Kinder hier unterwegs sind, kann man sich vorstellen, was in Zukunft weiterhin radtechnisch auf den Fußwegen los sein wird. Nun rächt sich unter Umständen, dass es keinen vernünftigen Radweg geben wird, wie ihn etwa „Osterstraße autofrei!“ schon ganz am Anfang als Idee skizziert hatte. Eimsbüttels Eltern werden sicherlich massenhaft von den neuen Regelungen Gebrauch machen, da sie für sie gleich in zweifacher Hinsicht von Vorteil sind: Kind im Blick und weg vom nur halb vorhandenen Schutzstreifen auf der Fahrbahn.

Die zweite Änderung betrifft bestimmte Pedelecs, die in Zukunft auch  außerorts auf Radwegen fahren sollen.

Die dritte Sache ist aber sicher die interessanteste von allen. Wollten sich Anwohner, Initiativen oder auch die lokale Politik an Hauptverkehrsstraßen für Tempo 30 vor Schulen, Kindergärten, Altenheimen und dergleichen einsetzen, rannten sie meist gegen Betonmauern. Denn es bedurfte in aller Regel mindestens einen heftigen Unfall, um nachzuweisen, dass es an besagten Stellen ein erhöhtes Gefährdungspotenzial gab. Selbst dann noch war es oftmals ein Kampf gegen Windmüheln. Neu ist jetzt: Dieses Gefährdungspotenzial muss nicht mehr nachgewiesen werden. „Wir schaffen jetzt den Rechtsrahmen, damit die Straßenverkehrsbehörden ohne größere bürokratische Hürden Tempo 30 vor Schulen und Kindergärten auch an Hauptverkehrsstraßen anordnen können„, erklärte der Bundesverkehrsminister.

Für Eimsbüttel und alle, die hier – und nicht nur hier – für eine Entschleunigung des motorisierten Individualverkehrs kämpfen, dürfte das ein Sechser im Lotto sein und ich reibe mir schon freudig die Hände. Tempo 30 in der Lappenbergsallee! Kita gleich am Anfang, Kirche ein Stückchen weiter (Kinder, Senioren und nochmal Kinder, Kinder!), Kinderküche, Kita „Lokomotive“, großer Spielplatz und noch eine Kita gegenüber von Penny und noch eine am Ende.Die Schwenckestraße wartet mit der Kita der Apostelkirche auf.  In der Müggenkampstraße schraubt zukünftig die „Kita Mügge“ das Tempo runter. Heußweg kann Tempo 30 gleich über die Kreuzung bis zum Unnapark verlängert werden damit auch die „Kita Heussweg“ nicht vergessen wird. Mit etwas Fantasie ließe sich womöglich selbst die Osterstraße drosseln da sie Schulweg für die Schulen Tornquiststraße und Telemannstraße ist. Fruchtalle? Tempo 30, hier wird die Hauptverkehrsstraße gleich mit zwei weiteren Kitas, den „Minimeters“ und gegenüber den „Früchtchen“ regelrecht umzingelt. Nicht genug? Kita Emilienstraße der Elbkinder liegt ebenso an der Fruchtallee wie der Eingang zum Wehberspark, der wiederum ein Spielhaus besitzt. Eimsbütteler Marktplatz? Tempo 30, denn gerade wird ein Kaifu-Nordland Wohnhaus für Senioren direkt dort und am Ende der Rellinger Straße bezugsfertig. Auf der anderen Seite liegt ein weiteres Spielhaus und um die Ecke die Grundschule Eduardstraße. Die Schule / Kita Rellinger Straße grenzt mit der Rückseite an die Kieler Straße.  Weiter längs müssen die Autofahrer wieder auf die Bremse treten, denn dort liegt die Elbkinder-Kita Försterweg.

Goldige Aussichten! Diese Gesetzesänderungen scheinen gerade für Eimsbüttel wie auf den Leib geschneidert zu sein. Endlich scheint es möglich zu sein, einen Damm zu durchbrechen. Den Damm jahrzehntelanger Ignoranz, den Damm, den die Straßenverkehrsbehörde immer wieder wie ein Schutzschild um die Autofahrer spannte (musste), um sinnvolle und lebensrettende Tempolimits zulasten der Schwächsten unserer Gesellschaft abzulehnen. Einen Damm, der für viel zu viele leider schon das tödliche Ende bedeutete.

Schluss damit! Lasst uns aus Eimsbüttel das Tempo nehmen! Und wenn wir damit fertig sind, knöpfen wir uns mal wieder die nicht enden wollende stehende Blechlawine und den oftmals sinnlosen MIV an sich als nächstes Thema vor. Es gibt immer was zu tun. Los geht’s!

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s