offener Brief an die GRÜNEN in Hamburg und Eimsbüttel – Verkehrsberuhigung Eimsbüttel

Leider schon fast ein gewohntes Bild: Stau in erster Osterstraßenbaustelle
Leider schon fast ein gewohntes Bild: Stau in erster Osterstraßenbaustelle

Liebe GRÜNE in Hamburg und Eimsbüttel,

an der Osterstraße beginnt der Umbau des Straßenraumes, die ersten Bagger sind zu sehen und in diesen Tagen findet der offizielle erste Spatenstich statt. Die Baustelle für den ersten Bauabschnitt wird eingerichtet, die Osterstraße ist bereits Einbahnstraße und die Autos – sie stehen im Stau. Schon mehrmals gesehen, von Schwenckestraße bis zum Heußweg geht es nur im Stop and Go vorwärts. Wahrscheinlich  ein Vorgeschmack auf das, was ab jetzt in den kommenden zwei Jahren zum Dauerzustand wird.

Dabei ginge es auch ganz anders. Wohl eher unfreiwillig hat die Stadt durch zahlreiche Sperrungen, bedingt durch Baustellen im Langenfelder Damm, Müggenkampstraße, Lappenbergsallee und Schwenckestraße, eindrucksvoll bewiesen, dass es sehr wohl möglich ist, sowohl Tempo als auch Verkehr und somit Lärm und Abgase insgesamt aus dem Quartier herauszuhalten. Zumindest in West-Eimsbüttel hat das bestens und vor allem spürbar geklappt. (Bitte seht dazu auch den Eintrag „Merkste was?! Eimsbüttel fast verkehrsberuhigt!“ auf den Seiten von „Osterstraße autofrei!“) Kaum sind die Baustellen hier wieder weg oder offen, sind die Autos alle wieder da. Und stehen in und vor der neuen Osterstraßenbaustelle in langer Kolonne.

Was hier in den letzten Wochen stattfand, kann man getrost als einen riesigen, auf Eimsbüttel maßgeschneiderten Laborversuch bezeichnen, der ganz offenbar nicht nur sehr wohl handhabbar war, sondern ebenso offenbar recht wenig Empörung in der hier lebenden Bevölkerung ausgelöst hat.

Warum nutzt ihr GRÜNEN nicht diese Steilvorlage, um deutlich mehr zu fordern? Etwas besseres kann euch doch gar nicht passieren?

Die Müggenkampstraße ist dicht gewesen. Durchgangsverkehr hatte von daher dort keine Chance. Wenn schon nicht autofrei auf Teilen der Osterstraße (warum eigentlich nicht?), dann wenigstens eine Diagonalsperre, Müggenkampstraße zur Sackgasse machen und Tempo 30 überall außer auf großen Haupt- und Bundesstraßen.

Wirklich etwas Positives von den GRÜNEN kann ich vor allem zur Verkehrspolitik in Eimsbüttel und auch hamburgweit noch immer nicht vernehmen.

Es geht um nichts mehr, als eine menschenfreundlichere städtische Umgebung zu gestalten, die selbstverständlich auch eine flexible und den unterschiedlichen Bedürfnissen gerecht werdende Mobilität einschließt, da gerade diese ein wichtiger Aspekt urbaner Ballungsräume ist. Es geht darum, ein friedlicheres und entschleunigteres, dadurch  sichereres und klimafreundlicheres Miteinander zu fordern (Oder bleibt es nur beim Brief an VW, Herr Umweltsenator Kerstan?). Dies gelingt nur, wenn den unterschiedlichen Akteuren im Straßenverkehr die für sie jeweils sicherste und effektivste Flächenplanung zugestanden wird, die sie für individuelle Mobilität benötigen. Das bedeutet vor allem, den ungerechten Flächenverbrauch des KFZ Verkehrs mehr als nur Einheit zu gebieten. Also mehr Platz für Fußgänger und Radfahrer, Platz auch für autofreie Zonen, Platz für Ladestationen von E-Autos sowie Platz für weitere Rad- und Lastenradstationen. Bei gleichzeitiger Steigerung der Attraktivität des öffentlichen Nahverkehrs und somit der Motivation, in dicht besiedelten Stadtquartieren auf das eigene Auto zu verzichten, wird auch der Platz vorhanden sein für all jene, die, aus welchen Gründen auch immer, auf ein eigenes KFZ unbedingt angewiesen sind.

Klein anfangen ist aber immer gut.
Das Versuchslabor Eimsbüttel bietet sich da bestens an.

Was sagen die GRÜNEN dazu, wie wollen sie oben beschriebene Effekte hier konkret erreichen? Kann man aus den diversen Bausstellensperrungen der letzten Zeit wirklich nichts lernen?

Nur zwei Dinge möchte ich bitte nicht von euch hören: Dass vieles nicht geht, weil der Verkehr sonst durch die Nebenstraßen fließt (auch im Stellinger Weg ist kreativ-sein zur Beruhigung schließlich erlaubt!). Und dass zweitens anderes nicht ginge, weil es erst stadtweit Lösungen geben müsse, die vielleicht mal irgendwann, wenn überhaupt, nach dem Sankt Nimmerleinstag kommen.

Es wäre schön, wenn die GRÜNEN das Experimentierfeld Eimsbüttel nicht achtlos dem Gang der Dinge selbst überließen, sondern sich offensiv und für jedermann sichtbar und nachvollziehbar für wirklich starke Verbesserungen der Lebensqualität in diesem Quartier (und anderswo) einsetzen würden. Ich kann und will nicht glauben, dass grüne Politik tatsächlich nur noch darin bestehen soll, durch Krötenschlucken hart erkämpfte kleine Erfolge im nächsten Moment gleich wieder in den Sand zu setzen. Traurig genug, dass Hamburgs neue Fahrradkoordinatorin ausgerechnet für den Osterstraßenumbau ihren ersten medienwirksamen Spatenstich machen soll, wo doch vor allem die Radfahrer am Ende – gemessen daran, was möglich wäre – die größten Verlierer sind (siehe auch „Bummler stechen Radler aus“ und „So sieht’s aus…“).

Mit den besten Grüßen

Kai Ammer

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