Erster Schritt getan

30abgehakt

 

Eimsbüttel wird das Tempo genommen. Es ist der Initiative „Tempo 30 Bundesstraße“ von Viola Roggatz und Matthias Steffen zu verdanken, dass die Bundesstraße zwischen Kippingstraße und der Isebek (und somit bis an die Osterstraße, wie die Bundesstraße ab hier im weiteren Verlauf heisst) zur Tempo 30 Zone erklärt wird. Nach dem tödlichen Unfall einer Joggerin an der Kaifu Fußgängerampel im Januar hat die Initiative ihr Ziel in Rekordzeit erreicht. Vor allem eine Demo mit etwa 100 Menschen hat einen Tag vor der Hamburg-Wahl Eindruck hinterlassen. [„Nach Protesten: Bundesstraße wird zur Tempo-30-Zone“, Hamburger Abendblatt, 19. März 2015]

Herzlichen Glückwunsch zu dem tollen, schnellen Erfolg! Auch wenn der Anlass traurig war und  wir uns alle sicher das gleiche Ergebnis viel lieber unter ganz anderen Umständen herbeigeünscht hätten, gratuliert „Osterstraße autofrei!“. 

Die beiden Initiatoren beschreiben im Elbe-Wochenblatt ihren Erfolg:

„Wir sind sehr erfreut, zumal niemand von uns und auch niemand aus den politischen Gremien mit einer schnellen Genehmigung gerechnet hat.
Wir haben in der Auseinandersetzung mit dem Thema Verkehrspolitik viel dazugelernt.
Zum Ersten, dass wir als Bürger Einflussmöglichkeiten haben, auch wenn wir nicht in einer Partei organisiert sind. Zum Zweiten, dass die Stadt ein Raum für Menschen ist und dass Begegnung Raum braucht und wir uns dafür einsetzen müssen, unsere Städte als Lebensraum zu verstehen.
Die Stadt ist nicht nur ParkPlatz, sondern auch Park und Platz. Wir wollen eine Stadt zum Verweilen, Flanieren und Spielen!“
[ganzer Beitrag: „Tempo 30 an der Bundesstraße: Geschafft!“ Elbe Wochenblatt, 24. März 2015]

Wir von der Ini „Osterstraße autofrei!“ glauben, dass in Hamburg gerade ein sehr, sehr guter Zeitpunkt ist, das Augenmerk auf genau dieses Thema zu legen. Selten wurde die Mobilitätswende mehr und kontroverser diskutiert als in den letzten Monaten, die von Klagen für saubere Luft [„Notbremse gezogen“], der Busbeschleunigung, den vielen Straßenbaustellen, so vielen umgekommenen RadfahrerInnen wie lange nicht mehr (elf 2014) [„Immer mehr tödliche Fahrradunfälle in Hamburg“, Hamburger Abendblatt, 12.Januar 2015] aber auch erfolgreichen und kraftvollen Critical Masses [„Und wohin fahren wir jetzt?“, taz, 27. März 2015]  in der Stadt und natürlich zuletzt der Wahl und dem festen Willen der GRÜNEN, Hamburg zur Fahrradstadt umzubauen, gezeichnet waren.

Wir wollen diesen Rückenwind nutzen, um unsere diesjährige Aktion, die in der Tat recht sportlich ist, zu einer erfolgreichen Sache zu machen. Mit „Neuland STRASSE“ wollen wir eine mehrtägige Teilsperrung der Osterstraße mit zwei Zielen erreichen:

Erstens wird es einen klaren informativen Schwerpunkt im Rahmen eines Straßenfestes geben, bei dem sich alles um nachhaltige Verkehrslösungs, planungs- und Stadtplanungsmöglichkeiten drehen wird. Parallel sollen bunte Aktionen stattfinden, von AnwohnerInnen für AnwohnerInnen und „Neuland STRASSE“ zu einem richtig netten Ort in diesem Viertel machen. Möglichst zusammen mit den Gastronomen und den Gewerbetreibenden vor Ort soll der Straßenraum, das ‚Neuland‘, für einige Tage  erobert werden können.
Damit sind wir bei dem zweiten Anliegen der Veranstaltung: Wir möchten eine reale Situation herstellen, in der sich der Stadtteil selbst davon überzeugen kann, wieviele Vorteile eine autofreie Zone im Zentrum des Quartieres hat und demonstrieren, dass unser Viertel dabei nicht im Verkehrschaos versinken wird.

„Neuland STRASSE“ wird wahrscheinlich das erste deratige Straßenfest überhaupt, welches durch Crowdfunding ermöglicht werden soll. Zur Zeit stecken wir noch in einigen vorbereitenden Schritten, noch brauchen wir einige „Fans“, um in die wirklich heiße Phase der Planung einsteigen zu können. Was wir aber sagen können: Die Resonanz von Akteuren, die wir bereits angeschrieben haben, ist äußerst vielversprechend. Der ETV, die Grünen Eimsbüttel und die Die Linke Fraktion in der Bezirksversammlung Eimsbüttel stehen bereits hinter uns. 

„Man braucht nur 5%“ von Menschen innerhalb einer Gruppe, Gemeinde oder Bevölkerung, sagt Harald Welzer, deutscher Soziologe, Sozialpsychologe und Publizist in seinem Buch [„Selbst denken – Eine Anleitung zum Widerstand“ (Fischer Verlag, € 28,90)] , dann sei eine kritische Masse erreicht. 5%, eine magische Zahl, denn unterhalb will keiner sein (dann doch lieber da, wo man vermeintlich „auf der sicheren Seite“ ist) und darüber wollen ganz schnell ganz viele dabei sein, weil es fast schon wieder „uncool“ sei, als Innovationsbremser auf Seiten derjenigen zu stehen, die in Veränderung in erster Linie nur Gefahren und keine Chancen sehen.

5% Eimsbüttel, die wir schaffen können, wenn nicht nur wir, sondern alle Aktiven und Initiativen, deren UnterstützerInnen sowie weitere Multiplikatoren an einem Strang ziehen. Nur 5% der Gewerbetreibenden an der Osterstraße, 5% der Gastronomen, die sich von diesen Ideen begeistern lassen und 5% der Menschen in Eimsbüttel, die nicht zu schnell kleinbeigeben.
Ich glaube, wir sind da in der Tat auf einem guten Weg! Nicht nur für unsere Aktion, sondern insgesamt gesehen. Es müsen nur möglichst viele Aktionen (an dieser Stelle sei auch an den [„Beet-Rebellen“ Andreas Böhle gedacht, Elbe Wochenblatt, 2. Dezember 2014] gut durchdacht und vernetzt  immer wieder auf immer wieder dasselbe hinweisen. Irgendwann wird der Effekt sicher wirken und Früchte zu ernten sein.

All denen, die unser Vorhaben, wahrscheinlich nicht nur unseres, sondern  auch die anderer Initiativen, kritisch sehen, sei an dieser Stelle gesagt:

Wir wollen wirklich alles, aber weder den Geschäftsleuten noch den direkten Anliegern und Anwohnern das Leben schwer machen. Wir wollen mit unserem Wirken weder der Osterstraße noch dem Quartier schaden. Das glatte Gegenteil ist der Fall!

Wir fragen uns:
Wie wollen wir leben, in 3, in 5 oder in 10 Jahren? Was sind die wirklichen Bedürfnisse der Menschen, damit sie glücklich sind?
Wir denken da zum Beispiel an das Zusammenkommen, das Miteinaderreden. Wir denken an das, was der Mensch am liebsten macht, wohin er sich gezogen fühlt (nämlich zu anderen Menschen) und an die Bedingungen, die dieses optimal ermöglichen können. Die unser Leben und unseren Alltag wieder gesünder, nachhaltiger, sicherer und lebenswerter machen können.

Wer denkt beispielsweise schon darüber nach, dass jede Lärmerhöhung von 8 Dezibel im menschlichen Ohr als doppelt so laut wahrgenommen wird? 68 Dezibel sind demnach doppelt so laut wie 60 Dezibel. 72 bis 84 Dezibel erzeugen Straßen, die auch von Bussen und LKWs befahren werden. Das empfinden wir also als viermal so laut wie etwa 60 Dezibel, die in den meisten autofreien Zonen gemessen werden [aus „Städte für Menschen“, Jan Gehl, Jovis Verlag, € 32.-].
„Osterstraße autofrei“ und „Neuland STRASSE“ machen eine echte zwischenmenschliche Kommunikation auf unserer „Hauptsstraße“ wieder möglich, eines der stärksten Argumente überhaupt. Leben spielt sich eben da ab, wo es schön ist, wo man sich eingeladen fühlt und es sich aushalten lässt. Wo Leben ist, wird auch genossen und konsumiert.

Carsten Vitt hat dazu eine tolle Kolumne im aktuellen Elbe-Wochenblatt geschrieben: „Nicht ausruhen – weitermachen!“. Das trifft den Punkt.

Genau das werden wir tun.

 

Wer „Neuland STRASSE“ unterstützen möchte, kann dies gerne hier tun und Fan unseres Projektes werden.

 

Neuland-Strasse-Logo-final

 

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